swissly Beginner

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  • Brandgefahr durch Solaranlagen?

    Das Fraunhofer ISE nennt eine Zahl: 0,006 Prozent der Photovoltaikanlagen verursachen einen Brand mit größerem Schaden. Damit seien Photovoltaikanlagen nicht gefährlicher als herkömmliche Elektroinstallationen. Aber warum kommt es doch hin und wieder zum Brand einer Photovoltaikanlage – und was unterscheidet diesen von einem herkömmlichen Brand? Was ist dran an den Schreckensmeldungen, dass die Feuerwehr ein Haus mit einer montierten Dachanlage kontrolliert abbrennen lässt? Ist die Gefahr für die Feuerwehrleute beim Löschen wirklich zu groß?


    Die wichtigste Besonderheit von Photovoltaikanlagen ist: Man kann sie nicht einfach abschalten. Solange Licht auf die Module fällt, produzieren sie Strom. Selbst wenn die Wechselstromseite (Wechselrichter) spannungsfrei geschaltet ist, so gilt dies nicht zugleich auch für die Gleichstromseite: Von den Modulen bis zum Freischalter bleibt die Spannung bestehen. Das Fatale: Gerade bei Gleichstrom ist eine Spannung von 120 V für Menschen bereits tödlich! Selbst wenn sich eine Steckverbindung löst, unterbricht das den Stromfluss nicht immer. War dieser minderwertig oder schlecht installiert, kann ein Lichtbogen entstehen, der schlimmstenfalls direkt einen Brand auslöst. Dennoch stellen Photovoltaikanlagen im Vergleich mit anderen technischen Anlagen kein besonders erhöhtes Brandrisiko dar.

    Geringe Anzahl an Schadensfällen

    Von 2011 bis 2013 analysierten Experten im Rahmen eines durch das Bundesumweltministerium geförderten Projekts das Brandrisiko in Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen. Ziel war gewesen, die bestehenden Normen und Sicherheitskonzepte zu überprüfen und, wenn notwendig, zu ergänzen. Ein Ergebnis war folgende Statistik:

    In den vergangenen 20 Jahren wurden deutschlandweit 120 Brände durch eine Solaranlage auslöst, in davon 75 Fällen kam es zu größeren Schäden, in 10 Fällen brannte das Gebäude ganz ab. Bei einer Anzahl von insgesamt 1,3 Millionen (heute sind es 2,0 Millionen) erlitten also nur 0,006 Prozent der PV-Anlagen einen nennenswerten Schaden durch Brand. (Quelle: Fraunhofer ISE, Presseinformation Nr. 5/13 vom 7. Februar 2013) Da dieser Wert auch in den „Aktuellen Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ (Nr. 23.1) mit Stand Mai 2022 aufgeführt wird, bleibt er weiterhin gültig.


    Die Einzelergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

    • Es wurden drei gleichwertige Brandverursacher ausfindig gemacht: In ca. einem Drittel der Fälle wurden die Schäden durch die PV-Komponenten selbst, in einem weiteren Drittel der Fälle durch Planungsfehler und ebenfalls in einem Drittel durch Installationsfehler hervorgerufen.
    • Überproportional ereigneten sich die Brandfälle um die Mittagszeit am frühen Nachmittag und in den Sommermonaten, d.h. bei hoher Einstrahlung und damit hoher Strombelastung.
    • Fehlerhaft ausgeführte oder vorzeitig gealterte Kontakte sind die häufigsten Risikostellen bei den Komponenten (Modul-Anschlussdose, Steckverbinder und Kontakte in Sammelkästen und Wechselrichtern). Diese führen langfristig zur Überhitzung und damit letztlich zu Verschmorungen oder Lichtbögen.
    • Lichtbogendetektoren mit Abschalteinrichtungen können eine Risikoreduzierung bewirken.
    • Werden die vorgegebenen Mindestabstände – 5 m bei Vollstrahl und 1 m bei Sprühstrahl – eingehalten, erfolgt keine Gefährdung der Einsatzkräfte durch gefährliche Ströme über den Löschwasserstrahl. Dies gilt jedoch nur, wenn Wasser als Löschmittel verwendet wird; Schaumzusätze erhöhen die Leitfähigkeit.
    • Überflutete Kellerräume mit elektrischen Installationen (Wechselrichter, Stromspeicher) bergen ein Stromschlagrisiko und können damit Lebensgefahr bedeuten. Das Risiko der zusätzlichen Gefährdung durch ätzende und explosive Gase (Knallgase) wird durch gutes Lüften minimiert.
    • Ausgeschlossen werden kann eine Gefährdung der Umgebung durch gasförmige Schadstoffe aufgrund brennender PV-Module.
    • Brandrückstände können toxische Schwermetalle wie Blei oder Cadmium enthalten. Diese können mit dem Löschwasser in den Boden eintreten, was eine rasche Entsorgung der Brandrückstände unabdingbar macht. Bei größeren Brandschäden an CdTe-Modulen sollte eine Bodenuntersuchung der unmittelbaren Umgebung durchgeführt werden.
    • Regelmäßige Inspektionen und Wartungen können einen größeren Schaden verhindern helfen, ebenso wie die Inspektion nach besonderen Ereignissen wie Unwettern oder Erdbeben.


    Darum bieten wir auch Wartungsverträge für die PV-Anlagen an.