• Zürich (awp) - Die Aktien des Bankensoftware-Spezialisten brechen am Donnerstagmittag massiv ein. Kurz zuvor wurde ein Bericht des investigativen Research-Instituts Hindenburg Research veröffentlicht, in welchem schwere Vorwürfe gegen Temenos erhoben werden. Es geht um die Buchhaltung.


    Die Aktie von Temenos notiert um 13.00 Uhr mit einem Minus von knapp 19 Prozent bei 71,98 Franken. Im Tief sackte die Aktie gar bis auf 64,14 Franken ab. Der Gesamtmarkt (SPI) steht 0,54 Prozent höher.


    Eine viermonatige Untersuchung habe Anzeichen von manipulierten Gewinnen und schwerwiegenden Unregelmässigkeiten in der Rechnungslegung ergeben, heisst es im Bericht des aktivistischen Shortsellers. Das Institut stützt sich dabei nach eigenen Angaben auf Gesprächen mit 25 ehemaligen Mitarbeitern von Temenos.


    Hindenburg Research spricht mit Blick auf die Unregelmässigkeiten von "Beweisen für Roundtrip-Einnahmen, Scheinpartnerschaften, übermässigen Vorverlegungen von Vertragserneuerungen, rückdatierten Verträgen, übermässiger Kapitalisierung von scheinbar nicht existierenden F&E-Investitionen und anderen klassischen buchhalterischen Warnsignalen."


    Diese aggressiven Buchhaltungspraktiken schienen bei vielen ehemaligen Mitarbeitern ein offenes Geheimnis zu sein, so das Institut. Verschiedene der Gesprächspartner hätten angegeben, dass Interims-CEO Andreas Andreades diese Praktiken gefördert und dazu beitragen habe, die Unzufriedenheit der Kunden mit den Produkten und die Fluktuation zu verschleiern.


    Am Ende des mehrseitigen Berichts räumt Hindenburg Research ein, in den Aktien von Temenos "short" zu sein, das heisst also auf fallende Kurse zu setzen.


    Von Temenos war bis dato auf Anfrage von AWP noch keine Stellungnahme erhältlich.


    cf/ra

  • Typisch CH. Wegen Gemütlichkeit bei IR /PR / CEO und VR Office - langsam sein beim Dementi verschicken.

    Braucht man wegen jeder Kleinigkeit 5 externe Mitarbeiter verteilt auf 3 Beratungsfirmen?

    Zugeben, dass man in der GuV und Bilanz Bewertungsspielräume nutzt - dürfte ein no go sein.

    Nach Lastminute, Credit Suisse, Benko, Julius Bär - kommt schon die Frage auf, wie glaubwürdig sind die CH Revisoren / Wirtschaftsprüfer. Dass die Prüfer bei Steinhoff / Wirecard versagt haben, ist fast allen Anlegern in guter Erinnerung.

    Der Kurs hat das gleiche Niveau wie im Oktober/April 2023.

  • Ja das Dementi ist soweit mal veröffentlicht. Jetzt bleibt abzuwarten ob Hindenburg nach legen kann. Die Beschuldigung ist nicht gerade ein Kavaliersdelikt. Sollte man doch Dreck am Stecken haben wird es hässlich! Bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall hat Temenos eine fette Breiseite kassiert!

  • Denke auch, viel zu früh sogar. Bei - 50% vll, vorher nicht.

    Details von Hindenburg:


    https://hindenburgresearch.com/temenos/

    Es gilt die Unschuldsvermutung. Die gilt auch für den Shorty.

    Ich denke, das Material hat jemand in Q1 23 an Hindenburg weitergeleitet.

    Mit dem Aufarbeiten der Abschnitte wird sich dennoch ein externer Anwalt ein kleine goldene Nase verdienen.

    Das referenzierte DXC kenne ich. Gehört zur Hewlett Packard Gruppe.

    Einer von vielen IT Dienstleistern. Mit Sicherheit ist das kein Game Changer in den USA.

  • Welches Dementi überhaupt?


    Der Bericht enthält sachliche Ungenauigkeiten und analytische Fehler sowie falsche und irreführende Behauptungen, die sich nachteilig auf den Aktienkurs des Unternehmens auswirken sollen.


    Das ist doch kein Dementi welches Vertrauen zurückbringt!

  • Wow, so ein Absturz kann einen ganz schön erwischen. Der SL hätte gegriffen, aber auch schon mit einem massiven Verlust (bei ca 75.-). Wie ist so ein Fall möglich? Ziehen die Market Maker so schnell Kaufangebote ab? Viel Glück für die Bagholder anyway.

  • Mich würde interessieren, wie sich Hindenburg juristisch und börsenrechtlich absichert.


    Für Firmen gelten klare Regeln für börsenrelevante Kommunikation, und Hindenburg kann einfach mal so mitten in der Handelszeit.


    Andererseits kann Elon Musk auch einfach mal mit einen Statement Milliarden bewegen.


    Ich nehme an, dass die Vorwürfe berechtigt sind - jetzt ist das Temenos gefordert, innert Tagen eine wasserfeste und glaubwürdige Antwort zu liefern.

    Andreades in den nächsten Tagen zu entlassen, wie in der Presse gefordert - wäre riskant, ein Schuldeingeständnis.


    Obwohl ich denke, dass die Vorwürfe stimmen, fragt sich, wie relevant sie noch sind.
    Oder ob diese Erwartung von Hindenburg auch heute noch berechtigt ist:

    Quote from Hindenburg

    As these factors converge, we expect Temenos’ results and guidance will eventually fall off a cliff and lead to a substantial rerating.


    Spannend

    Nichts ist wie es scheint, wenn man nur mit einem Auge sieht

  • Wenn sich die Vorwürfe von Hindenburg nicht bewahrheiten sollten, ist es besonders verwerflich, zuerst short zu gehen und dann Gerüchte oder mögliche Verstösse gegen die Rechnungslegungsvorschriften in die Welt zu setzen und davon massiv zu profitieren.

    Falls im Nachhinein die Suppe nicht ganz so heiss gegessen wie gekocht wird, heisst es dann einfach

    oh sorry wir haben uns ein bisschen verschätzt, aber unsere Gewinne sind nun halt schon mal eingefahren....

    Andreades ist ja schon lange ein Dorn im Auge mancher Investoren. Wenn das seinen Abgang nun beschleunigen würde wäre dies vielleicht zumindest etwas Positives. Und zudem könnte man die allfälligen "Verfehlungen" an einer Person festmachen, die dann weg ist....

    Bin gespannt, was da am Schluss an Temenos hängen bleibt und was dies für den Kurs längerfristig bedeutet.

  • Ich denke, Hindenburg versteht sich als Investigativ-Team, welches seine Analysen entsprechend rechtsicher formuliert.


    Aufgrund der schieren Anzahl der „Vorfälle“ die hier im Raum stehen, rechne ich auch nicht mit einer kurzfristigen Erklärung seitens Temenos.


    Letztendlich zeigt die Hindenburg Analyse n.m.V., dass die Temenos – Branchenlösung, eher eine individuelle Kundenlösung ist, die zumindest in Teilmärkten - Out of the box - nicht einmal revisionssicher ist.


    Hohe Projektkosten wurden als R&D weit oberhalb des Branchenüblichen ausgewiesen - das Produkt hat jedoch keinen Vorteil ggü dem Wettbewerber.


    Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist gut gewählt, aber es bleibt die Frage, warum Hindenburg nicht erst „nach den Zahlen“ auf die Bühne getreten ist.


    sehr spannend

    Edited once, last by felsnes ().

  • Mir ist wie felsnes auch spontan der Wortlaut aufgefallen. Das ist kein Dementi.
    Allerdings muss es auch extrem schwierig sein, innert weniger Stunden schriftlich auf solche Vorwürfe zu reagieren.


    cashcow Einverstanden, dass vieles Banalitäten sind, oder verjährt und kein Gesetzesbrüche vorgeworfen werden.

    Aber das toxische ist meiner Meinung nach, dass Hindenburg suggeriert, dass die Temenos Zahlen systematisch und bis heute buchhalterisch geschönt werden.

    Und das Fazit gezogen, dass Resultate und Prognosen bald wie ein Kartenhaus zusammenfallen und nicht mehr gehalten werden können, wörtlich Hindenburg: "fall of a cliff" .


    Solange dieser Verdacht manipulierter Zahlen im Raum steht, nützt es auch nichts, wenn Temenos am 19. Februar pünktlich gute Zahlen liefert.

    Nichts ist wie es scheint, wenn man nur mit einem Auge sieht