Kuros (ehemals Cytos)

  • Nach längerer Zeit als stiller Mitleser habe ich mich entschlossen, jetzt auch einmal einen Beitrag zu schreiben und mich im Forum angemeldet. Ich bin seit längerer Zeit Wandelanleiheninhaber und habe die Tiefen und Höhen der letzten Zeit alle mit durchgemacht. Mit über 35 Jahren Börsenerfahrung kann ich sagen, daß dies eine der spannendsten und zugleich rätselhaftesten Geschichten ist, die ich in dieser Zeit erlebt habe.

    Wenn man sich eine Marktentwicklung auf der Basis der verfügbaren Informationen nicht erklären kann, muß man versuchen herauszufinden, was der Markt einem sagt. In diesem Falle sagt uns der Markt bekanntermaßen das folgende:

    1) Im Aktienmarkt wird die Cytos-Aktie in einem liquiden Handel (aktuell) mit 1,30 CHF bewertet.

    2) Im Wandelanleihenmarkt wird (dieselbe) Cytos-Aktie in einem ebenfalls liquiden Handel (aktuell) mit rund 0,50 CHF bewertet

    Das ist nur nicht arbitragefrei, sondern offensichtlich absolut inkonsistent. Grundsätzlich müsste die folgende Arbitrage einsetzen:

    1) die Aktionäre verkaufen ihre Aktien zu 1,30 CHF und erwerben sie über die Wandelanleihe zu 0,50 CHF auf Sicht von einem Monat zurück.

    2) jeder der eigentlich die Aktien kaufen will, kauft nicht mehr direkt die Aktie, sondern tut dies auf dem Umweg über die Wandelanleihe.

    3) Arbitrageure kaufen die Wandelanleihe, leihen sich Cytos-Aktien und verkaufen diese dann short. Die Short Position wird in einem Monat aus der Wandelanleihe glattgestellt.

    Varianten 1) und 2)müssten eigentlich alle Aktionäre umsetzen, die rein finanzielle Ziele verfolgen. Variante 3) mag daran scheitern, daß es keinen Wertpapierleihemarkt für die Cytos-Aktie gibt. Variante 3) würde weiterhin voraussetzen, daß die aus der Wandlung hervorgehenden neuen Aktien den alten gleichgestellt sind (ich konnte diesbezüglich keine gegenteiligen Informationen finden, aber umgekehrt aber auch keine positive Bestätigung dafür). Im Ergebnis müsste dies dazu führen, daß auf diesem Niveau keiner die Aktie kaufen will, sondern alle verkaufen wollen.

    Trotz all dieser Arbitrageüberlegungenhat sich die Bewertungsdifferenz für die Aktie in den beiden Märkten nicht aufgelöst, und es gibt zumindest einen nachhaltigen Käufer in der Aktie. Da der Handel in beiden Teilmärkten hinreichend liquide ist, muss davon ausgegangen werden, daß es sich jeweils um belastbare Marktpreise handelt. Marktineffizienzen oder nicht hinreichend aufgeklärte Anleger können dieses Phänomen nicht erklären. Gleiches gilt für die bestehende rechtliche Restunsicherheit hinsichtlich des Vollzugs der Wandlung.

    Nüchtern betrachtet gibt es m.E. nur eine sinnvolle Erklärung für das beobachtete Phänomen: einer der beiden (oder sogar beide Märkte) werden in ihrer Angebots-/Nachfragestruktur gezielt von einem Marktteilnehmer beeinflußt (von Marktmanipulation wollen wir (noch) nicht sprechen). Es spricht viel dafür, daß es der Aktienmarkt ist, der beeinflußt wird. Cui bono? Dazu zwei mögliche, spekulative Thesen:

    1) Jemand hat sich auf den Tiefstständen im großen Volumen mit der Wandelanleihe eingedeckt. Um diese jetzt auf hohem Niveau veräußern zu können, zieht er den Aktienkurs nach oben und treibt so den Preis für die Wandelanleihe künstlich in die Höhe. Für Anhänger von Verschwörungstheorien sicher interessant, aber überzeugt mich nicht wirklich.

    2) Jemand hält den Aktienkurs hoch, weil er tatsächlich Aktien aus dem Markt nehmen will (wir nennen ihn mal "Aufkäufer"). Er setzt darauf, daß die Aktionäre die oben unter a) beschriebene Arbitrage umsetzen und ihre Aktien veräussern. Das würde zwar funktionieren, würde aber nur Sinn machen, wenn es am Ende nicht zur Wandlung durch die Wandelanleiheinhaber käme, denn sonst wäre ja nichts gewonnen und der Aufkäufer hätte besser gleich selbst die Wandelanleihe gekauft. Das einzige Szenario, unter dem diese Vorgehensweise Sinn machen würde, wäre, wenn der Aufkäufer (kurz) vor dem Zeitpunkt der Zwangswandlung den Aktienkurs stark fallen läßt, so daß die Wandelanleiheninhaber in Panik ihre Wandelanleihen auf den Markt werfen und der Aufkäufer dieses auch noch aufnehmen kann. Ist das eine bessere Hypothese?

    Andere Meinungen sind sehr willkommen.

    @ Monetas: Kleiner statistischer Hinweis: Deine Regression ist in dieser Form falsch; Du muß die logarithmierten Renditen von Aktie und Wandler aufeinander regressieren, um ein sinnvolles Ergebnis zu erhalten.

  • Punter hat am 21.03.2015 - 13:25 folgendes geschrieben:

    Sehr gut auf den Punkt gebracht, ist eigentlich klar dass hier der Aktienkurs manipuliert wird, die grosse Frage ist warum. Und die noch wichtigere Frage und für mich Zentrale was ist die Bude wert !!


    Meine Ueberlegung, diese Manipulationen benötigen ein sehr grosses Portemonnaie und warum wird hier sowas gemacht ? mein Fazit für eine wertlose Firma lohnt sich der Aufwand nicht. Meine Erkenntniss, bleibe mit meinen WA Anteilen ganz sicher bis Wandlung drinn, wenns noch mal günstig wird nachkaufen.

  • Hallo Punter, willkommen im Forum!


    Deine Erklärungsversuche sind hochinteressant, vor allem, da sie ja offenbar von einem doch sehr lange an der Börse Engagierten kommen. Es ist also der Eindruck sicher nicht falsch, dass hier etwas passiert, was ganz und gar aussergewöhnlich ist.


    Was würdest denn du zu den folgenden Theorien sagen:


    1. Die Aktie ist hoch, weil die Marktteilnehmer und insbesondere die Grossinvestoren "wissen", dass die Aktie eigentlich noch viel höher sein sollte, nämlich mindestens Fr. 3.--, was der ungefähre Kurs vor dem Absturz am 14. April 2014 war.


    2. Der Wandler ist jetzt noch zu tief, weil immer noch viel zu viele Leute überhaupt nichts von dieser Obligation verstehen. Man sieht es immer wieder hier im Forum, seit Wochen gibt es (Neu)User, die völlig unbedarfte Fragen stellen. Ganz grundlegende Kenntnisse fehlen und die Wenigsten nehmen sich Zeit, sich mal einzuarbeiten. Folglich ist der WA zu tief und müsste sich doch verdoppeln und mind. bei 400% einpendeln.


    3. Bei der Wandlung findet die bekannte Verwässerung statt, aber sie wird dadurch aufgefangen, dass sehr bald nach der Einbuchung der Aktien in die Depots, CFO Harry Welten Neuigkeiten herausgibt, die er schon lange mitteilen möchte, dies aber nicht tun kann, bevor die Wandlung erfolgt und Cytos schuldenfrei ist.


    Viele Grüsse

  • Punter

    Spannende Ueberlegungen.


    Das Fazit scheint mir aber, dass es eigentlich noch keine überzeugende Erklärung dafür gibt, dass der "allwissende Markt" sich anders verhält, als auf der Basis der bekannten facts logisch wäre.


    Der direkte Aktienkauf macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn die Umwandlung nicht zustande kommt. Denn dann gibt es keine Verwässerung, die Zahl der Aktien bleibt auf 30 Mio und wer sich dann die Aktien unter den Nagel gerissen hat, kann bestimmen wie es weiter gehen soll.


    Die Wanderlung ist aber wahrscheinlich nicht so einfach zu umgehen:


    Einsprache gegen Entscheid Obergericht?


    Wie die Umwandlung rechtlich mit einer Einsprache blockiert und später allenfalls zu Fall gebracht werden kann, entzieht sich schlicht meiner Kenntnis!


    neue ao GV?


    Neue ao GV einberufen und die letzten Entscheide der GV mit neuem Aktionariat, das man mit mind. 66,66% dominiert über den Haufen werfen?


    Ich weiss, sind nicht gerade freundliche Theorien, aber halt auch eine Möglichkeit.


    Ich mag selbst nicht recht an so etwas glauben. Auf jeden Fall behalte ich meine WA. Im schlimmsten Fall gibt es noch 173% und das sind immer noch über 200% in ein paar Wochen.

  • In diesem Zusammenhang möchte ich wieder einmal die Frage aufwerfen, wo eigentlich der Geschäftsbericht 2014 bleibt. Meines Wissens verlangt die SIX den bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. 31.3.? oder eher 31.4.? es gab jedenfalls schon Gesellschaften, die sich Ärger eingehandelt haben wegen nicht rechtzeitiger Publikation der Jahreszahlen. Auf der Cytos Seite sehe ich nicht einmal eine Ankündigung zum Geschäftsbericht. Ich will Cytos nicht unterstellen, dass sie da Probleme bekommen könnten, aber es nimmt mich einfach wunder WANN es soweit ist. und warum es so lange dauert.

  • @ Punter

    Die positive Bestätigung dass die neuen Cytos Aktien aus Kapitalerhöhung den bisherigen gleichgestellt sind, entnehme
    ich der Anzeige an die Gläubiger des Wandlers (Avisierung der Gläubigerversammlung)>:

    "Sobald als möglich, in jedem Fall aber nicht später als 4 Geschäftstage nach dem Zwangswandlungsdatum wird Cytos die Lieferung der Designierten Aktien via SIX SIX AG veranlassen.

    Die zu liefernden Designierten Aktien werden in Uebereinstimmung mit Sektion 5 mittels ordentlicher Kapitalerhöhung geschaffen. Diese Aktien haben dieselben Bedingungen und unterliegen denselben Beschränkungen wie alle anderen ausstehenden Aktien am Zwangswandlungsdatum. "

  • @ otth, danke fürs Willkommenheißen!


    Ich denke nicht, daß die von Dir genannten Punkte das Phänomen erklären können. Denn:


    ad 1): wenn dem so wäre, würden diese Anleger doch auch die Wandelanleihe - oder sogar an erster Stelle die Wandelanleihe - kaufen.


    ad 2): die Volumina sind zu hoch und der Handel zu liquide, als ob unbedarfte Anleger die Preisbildung maßgeblich beeinflussen würden.


    ad 3) Spekulationen auf zukünftige positive Meldungen erklären die Inkonsistenz der Preisbildung auch nicht.



    @ Bellavista, Dein Fazit teile ich. An das Szenario, daß die Wandlung im letzten Moment durch Einspruch noch scheitert und die Wandelanleiheinhaber nur 173% bekommen, habe ich auch schon gedacht. Dann wäre der vermeintlich lukrative Tausch der Aktionäre aus der Aktie heraus in den Wandler gründlich schiefgegangen. So ganz will ich allerdings nicht an dieses Variante glauben, denn das wäre natürlich im Ergebnis nicht sonderlich seriös.


    Wie man es dreht und wendet: durch die bestehende Konstellation werden die Aktionäre verleitet, ihre Aktien abzugeben und in Wandelanleihen zu tauschen. Und wer auch immer dafür das Drehbuch schreibt, muß einen Plan haben - und der besteht vermutlich nicht darin, den Wandelanleiheinhabern ein Free Lunch zu schenken. Auch wenn ich mir das wünschen würde.



    @ Krokodil, danke für den Hinweis. Wenn es allerdings richtig ist, was Phillsh vermutet - und meine eigene Vermutung geht in die gleiche Richtung - daß nämlich die aus der Wandlung hervorgehenden Aktien eine abweichende Dividendenberechtigung haben - dann würden wir bis nur nächsten Generalversammlung zwei unterschiedliche Aktiengattungen haben (deren Kurse theoretisch deutlich voneinander abweichen könnten).

  • Der Punkt, dass die neuen Aktien aus Kapitalerhöhung nicht gleichberechtigt sind mit den bisherigen in Bezug auf eine
    Dividendenberechtigung, nämlich für das Jahr 2014, erscheint mir ziemlich unwahrscheinlich. Das würde doch bedeuten,
    dass an der noch einzuberufenden ordentlichen Generalversammlung, welche ja nach dem Umtausch wohl noch erfolgen muss, eine Dividende von z.B CHF 0.01 für das Geschäftsjahr 2014 beantragt werden müsste. Ich gehe mal davon aus, dass die neuen Aktionäre (ex Gläubiger) ebenfalls an dieser GV stimmberechtigt wären. Oder irre ich mich da?

  • Genau, Kroki. Da tun sich meiner Meinung absurde Szenarien auf.



    Fakt ist, dass die neuen Wandler-Aktien NICHT dividendenberechtigt sind für das Geschäftsjahr 2014. In der Einladung zur vergangenen ao GV steht klar und deutlich:

    Quote

    d. Die neuen Aktien sind ab dem Geschäftsjahr 2015 dividendenberechtigt.

    Quelle: http://www.cytos.com/uploads/2015/aoGV2015.pdf



    Deshalb reite ich ja auch auf dem Thema Geschäftsbericht rum. Ich habe einer allfälligen Dividende 2014 bisher keine Beachtung geschenkt - woher sollen denn auch die Mittel stammen?


    Zu den absurden Szenarien: Angenommen, die ordentliche GV findet erst nach der Wandlung statt - wer ist dann überhaupt stimmberechtigt? Nur die Alt-Aktionäre? oder alle? Falls alle: Wenn die Dividende ein Traktandum ist, hätte man die absurde Situation, dass die nicht dividendenberechtigten Wandler-Aktionäre über die Dividende der Alt-Aktionäre für 2014 bestimmen könnten. Es wird ja mehr als doppelt so viele Aktien aus dem Wandler geben, als jetzt existieren.


    Ich blick in dem Punkt jedenfalls nicht durch.

  • @ philsh, diese Formulierung hatte ich bislang vergeblich gesucht. Damit ist zumindest dieser Punkt abschließend geklärt, und zwar mit folgenden Konsequenzen:


    1) es wird bis zur GV, die über das Geschäftsjahr 2014 beschließt, zwei unterschiedliche Aktiengattungen mit unterschiedlichen Valorennummern geben; die Gleichstellung beider Gattungen erfolgt am Tag nach der GV. Das ist eine reine wertpapiertechnische Maßnahme, weil beide Gattungen nicht die gleichen Rechte verbriefen (nämlich unterschiedliche Dividendenberechnung). Dabei ist bes vollkommen unerheblich, daß bei der alten Gattung sowieso keine Dividende gezahlt wird; das ändert nichts an der Aufteilung auf zwei Gattungen.


    2) natürlich haben beide Gattungen dasselbe Stimmrecht auf der GV.


    Insgesamt scheint mir dieser Punkt aber nicht sonderlich viel für unsere grundsätzlichen Überlegungen herzugeben; es bedeutet lediglich, daß die Arbitrage über eine Short Position in der Aktie und eine Long Position im Wandler erschwert wird.


    Wenn wir mal einen Schritt zurücktreten und das ganze kritisch betrachten, müssen wir uns vielleicht ernsthaft fragen (auch wenn uns die Antwort darauf nicht gefällt), ob wir auf der richtigen Spur sind. Auch wenn es naheliegend scheint, die Aktie zu verkaufen und den Wandler zu kaufen, müssen wir tatsächlich vielleicht genau das Gegenteil machen; denn das scheint ja die Strategie jener Marktteilnehmer zu sein, die derzeit den Markt maßgeblich beeinflussen (und sich dabei vermutlich etwas denken).

  • @ Punter

    Ja aber dein Pkt 1) oben scheint für mich doch auf einmal noch relevant. Eine GV kann m.E. (Irrtum vorbeh.) bis zum 30.Juni einberufen werden. Wenn eine späte Einberufung der Fall wäre, so müsste während ca. 3 Monaten auf 2 Valoren gehandelt werden. Da würden sich alle auf die alten Aktien stürzen und die neuen hätten das Nachsehen. Die neuen wären weniger wert und wilde Spekulationen wohl die Folge.
    Ich hoffe natürlich nicht, dass ein solches Szenario eintritt.

  • Cytos Theater dauert schon mehrere Wochen.Und siehe da,da taucht plötzlich ein neuer (kein einziger Beitrag bis jetzt) und stellt eine neue Theorie auf.Wisssen dazu hat er auch reichlich.Kommt das ganze nicht einfach merkwürdig vor?Mir schon.

  • @ Krokodil


    Ja, grundsätzlich kann das natürlich so eintreten. Es könnte beispielsweise sein, daß bis zur Gleichstellung beider Gattungen die jungen Aktien aus der Wandlung mit einem Abschlag zu den alten Aktien gehandelt werden.


    Allerdings kann ich nicht erkennen, daß dieser Umstand uns bei dem Verständnis der bestehenden Bewertungsdivergenz hilft oder für diese Divergenz in irgendeiner Weise relevant wäre.

  • maxim hat am 21.03.2015 - 22:47 folgendes geschrieben:

    Quote

    Cytos Theater dauert schon mehrere Wochen.Und siehe da,da taucht plötzlich ein neuer (kein einziger Beitrag bis jetzt) und stellt eine neue Theorie auf.Wisssen dazu hat er auch reichlich.Kommt das ganze nicht einfach merkwürdig vor?Mir schon.

    Was willst Du mir damit sagen?