Deflation oder Inflation?

  • Ja das ist zu erwarten, aber vermutlich werden die Republikaner wieder einmal in letze Minute ein agreement finden.


    Falls es hingegen keine Vereinbarung gibt, was bedeutet dies für die Börse da zum Ausgleich solche Gegenmassnahmen automatisch gemacht werden? Steigen oder sinken?

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • MarcusFabian hat am 30.12.2012 - 20:01 folgendes geschrieben:

    Quote

    Na ja, eine Inflation senkt die Schulden nicht. Sie verringert zwar den Wert der Altschulden real, erhöht aber die Gesamtschulden nominal und somit werden auch real die Gesamtschulden erhöht.


    Aus Sicht des Staates lautet der Wunsch entsprechend, Unternehmen und Private mögen sich höher verschulden, damit es der Staat nicht mehr tun muss, die Staatsschulden konstant bleiben können und sich dadurch die Staatsschulden dank Inflation real verringern.

    Zu Hitler Kriegszeiten hat die Inflation die Schulden auch nicht verringert, das ist der Punkt nicht. Durch die Hyperinflation konnte die Wehrmacht bzw. dessen Nachfolger damals die ganzen Schulden dank dieser Gelddruckerei so abwerten dass diese vor ein paar Jahren beglichen werden konnten. So etwa hatte ich es noch in Erinnerung. Warum nicht jetzt wieder so aufblähen um die Schulden wie nach dem 2. Weltkrieg zu verringern aus Sicht der Politik?


    Und aus Sicht des Staates kann eben dieser Wunsch der Verschuldung von Unternehmen und Private nicht verwirklichen, wenn die Banken die lockeren Kredite nicht freigeben sondern Horten um ihre eigene Verluste wett zu machen?

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • MarcusFabian hat am 30.12.2012 - 20:12 folgendes geschrieben:

    Quote

    Eindeutig sinken!


    Guckst Du hier: Handelsblatt: Wenn Amerika über die Klippe springt

    Bei der Wirtschaft funktioniert das aber meist kurzfristig anders, wenn Stellen gestrichen werden steigt der Kurs. Auch wenn Ausgaben verkürzt werden (Personalaufwand) und Steuern vermehrt von den Staatsbürgern ins Budget einfliessen sollte das auch für einen mittelfristigen Aufschwung sorgen...?


    Quote

    Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen würden das Defizit von derzeit 1,1 Billionen Dollar auf immer noch 641 Milliarden schrumpfen lassen. Die Nettoverschuldung sänke von derzeit 73 Prozent auf 58,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

    Das ist aber komisch, hier sprach das Handelsblatt von einem Defizit von 16,5 Billionen Dollar !?:


    http://www.handelsblatt.com/me…eite-all/7567678-all.html

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • revinco hat am 30.12.2012 - 20:13 folgendes geschrieben:

    Quote
    Durch die Hyperinflation konnte die Wehrmacht bzw. dessen Nachfolger damals die ganzen Schulden dank dieser Gelddruckerei so abwerten dass diese vor ein paar Jahren beglichen werden konnten.

    Das ist soweit nur zum Teil richtig.
    Der Schlüssel zur Sanierung war nicht die Hyperinflation selbst sondern die darauf folgende Währungsreform. Konkret wurden somit aus 150 Milliarden Reichsmark Schulden nach einer Abwertung von 1:1Billion noch 0.15 Rentenmark.


    Anders ausgedrückt: Aus den Schulden kommt man eben nur dann, wenn man die Währung durch Währungsreform im Verhältnis 1:xxxx ersetzt, durch Staatsbankrott oder durch Schuldenschnitt (wie Griechenland 2012)

  • revinco hat am 30.12.2012 - 20:25 folgendes geschrieben:

    Quote
    Bei der Wirtschaft funktioniert das aber meist kurzfristig anders, wenn Stellen gestrichen werden steigt der Kurs. Auch wenn Ausgaben verkürzt werden (Personalaufwand) und Steuern vermehrt von den Staatsbürgern ins Budget einfliessen sollte das auch für einen mittelfristigen Aufschwung sorgen...?

    Das ist richtig. Und Du nennst auch das richtige Stichwort "kurzfristig". Was passiert?
    Unternehmen x entlässt Mitarbeiter um schlanker zu werden. Das lässt die Kurse steigen.
    Unternehmen a, b, c, d, ..... tun dasselbe. Auch ihre Kurse steigen.


    Nun steigt aber durch die ganzen Entlassungen die Arbeitslosigkeit. Arbeitslose können sich aber weniger Produkte der Unternehmen x, a, b, c, d ... leisten. Ergo sinkt deren Umsatz, was zeitverzögert zu sinkenden Gewinnen und somit Kursen führt.


    Anders ausgedrückt: In einem Land wie den USA, wo 70% des BSP durch den Privatkonsumenten generiert wird, ist es von entscheidender Bedeutung, wie viele dieser Konsumenten Arbeit haben, sichere Arbeit haben, keine Arbeitsplatz-Verlustängste haben, positiv in die zukunft blicken und konsumieren.


    Quote

    Das ist aber komisch, hier sprach das Handelsblatt von einem Defizit von 16,5 Billionen Dollar !?:


    http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/weimers-woche/weimers-woche...

    Hier bringst Du zwei Dinge durcheinander:


    16.5 Billionen sind die gesamten Schulden der USA, aufgehäuft in den letzten Dekaden.
    1.1 Billionen sind das Defizit des letzten Jahres. Schlussfolgerung: Die Schulden sind offenbar von 15.4 Billionen um 1.1 Billionen auf derzeit 16.5 Billionen angestiegen. (Hab' die Zahlen nicht überprüft aber sie scheinen plausibel)

  • MarcusFabian hat am 30.12.2012 - 20:29 folgendes geschrieben:

    Quote

    revinco hat am 30.12.2012 - 20:13 folgendes geschrieben:

    Das ist soweit nur zum Teil richtig.
    Der Schlüssel zur Sanierung war nicht die Hyperinflation selbst sondern die darauf folgende Währungsreform. Konkret wurden somit aus 150 Milliarden Reichsmark Schulden nach einer Abwertung von 1:1Billion noch 0.15 Rentenmark.


    Anders ausgedrückt: Aus den Schulden kommt man eben nur dann, wenn man die Währung durch Währungsreform im Verhältnis 1:xxxx ersetzt, durch Staatsbankrott oder durch Schuldenschnitt (wie Griechenland 2012)


    Ja somit macht es doch Sinn wenn die US Schuldenlimite (EU folgt nach) unlimitiert in die Höhe getrieben wird? (obwohl es natürlich solche Schaudebakel wie jetzt benötigt um die Bürger zu zeigen das man dies nicht einfach so ungewollt annimmt)


    Somit wäre es doch naheliegend, dass eine noch stärkere Geldüberflutung des Marktes stattfindet damit die Banken ebenfalls übermässiges Geld zur Verfügung haben um Kreditabnehmer abzugeben, damit das Geld endlich in die Wirtschaft gelangt und zu einer heftigeren Inflation führt? Und zwar in USA und EU, je nach dem wer den ersten Schritt macht. Zum Schluss dann auf eine Hyperinflation bangen. Es ist doch logisch, dass die Politik lieber eine hohe Inflation als ein Staatsbankrott wünschen...?


    Dann würde wie Du erwähnst der Währungsreform kommen.

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • MarcusFabian hat am 30.12.2012 - 20:37 folgendes geschrieben:

    Also sind wir mehr oder weniger einverstanden, kurz- bis mittelfristig wird vermutlich ein scheitern der US Haushaltsanpassung für steigende Märkte sorgen. Muss aber nicht.


    Und ja, 1.1 Billionen Dollar wird das letzte Jahr sein - eigentlich überflüssig, das Handelsblatt dies das so schreibt da es nicht mehr drauf an kommt ob die US ein Defizit von 16.5 oder 16 Billionen Schulden macht wegen dieser Debatte.

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • revinco hat am 30.12.2012 - 20:50 folgendes geschrieben:

    Quote
    Ja somit macht es doch Sinn wenn die US Schuldenlimite (EU folgt nach) unlimitiert in die Höhe getrieben wird? (obwohl es natürlich solche Schaudebakel wie jetzt benötigt um die Bürger zu zeigen das man dies nicht einfach so ungewollt annimmt)
    ...
    Dann würde wie Du erwähnst der Währungsreform kommen.

    Also mit durchgetretenem Gaspedal voll an die Wand fahren?


    Eine absichtlich herbeigeführte Hyperinflation ist eher unwahrscheinlich. Schliesslich verliert der Staat in einer Hyperinflation die Kontrolle über das Geld und wenn es etwas gibt, das Staaten gar nicht mögen, dann, die Kontrolle zu verlieren.
    Da wäre eine direkte, kontrollierte Währungsreform sinnvoller und würde den Schmerz vermeiden, den eine Hyperinflation mit sich bringt.
    Was dafür spricht: Eine Währungsreform aus dem Nichts, würde vom Volk nicht verstanden. Wenn es aber zu einer Hyperinflation kommt, wird danach die Währungsreform als Rettung begrüsst.

  • Wie lautet Plan B und C ?

    MarcusFabian hat am 31.12.2012 - 15:36 folgendes geschrieben:

    Quote

    Also mit durchgetretenem Gaspedal voll an die Wand fahren?

    Neben Vollgas gibt es noch viel andere Varianten. Schiefergas zum Beispiel. Die USA werden zu einem grössten Ölproduzenten. Und die Umwandlung von C02 in Treibstoff macht auch dort unerwartet grössere Forschritte als im Rest der Welt.


    Es ist absehbar, dass die Ölpreise in absehbarer Zeit erst mal nicht mehr weiter ansteigen.


    Den USA erschliessen sich ungeahnte Einnahmequellen.

    Quote
    Deutschland plant Metallabbau vor Mauritius

    http://www.focus.de/wissen/nat…mauritius_aid_887582.html


    Es gibt so viele Szenarien und wir befinden uns vor technologischen Umwälzungen.

  • Elias hat am 31.12.2012 - 16:48 folgendes geschrieben:

    Quote

    Neben Vollgas gibt es noch viel andere Varianten. Schiefergas zum Beispiel. Die USA werden zu einem grössten Ölproduzenten. Und die Umwandlung von C02 in Treibstoff macht auch dort unerwartet grössere Forschritte als im Rest der Welt.

    Einverstanden. Gehen wir mal davon aus, dass die aktuellen Probleme (Umweltschutz) noch gelöst werden -
    Siehe : http://www.youtube.com/watch?v=dZe1AeH0Qz8 - dann ist das durchaus eine Technologie, die die USA weiterbringen wird. Bleibt natürlich dennoch zu hoffen, dass die Amis den Weg des Energiesparens und der kleineren Autos beibehalten werden, den sie seit 2005 vermehrt einschlagen.


    Besonders positiv ist, dass sich langsam wieder die Erkenntnis durchsetzt, dass Wohlstand über Ressourcen läuft. Dass man neue Quellen erschliessen muss oder bestehende Ressourcen sinnvoller einsetzen muss, um einen Schritt weiter zu kommen. Dass es also nicht genügt, einfach Geld zu drucken. Ebenso scheinen die Amis langsam aber sicher zu erkennen, dass die De-Industrialisierung der USA zu Gunsten des Finanzsektors langfristig ein Fehler war.


    Schade nur, dass wir in Europa noch nicht so weit sind: Griechenland soll ja in der Ägäis ebenfalls enorme Erdöl und Erdgas-Vorkommen haben, deren Wert auf 20 Billionen Euro geschätzt wird. Hier wären europäische "Rettungsgelder" sinnvoll eingesetzt, diese Vorkommen zum Wohle Griechenlands und Europas zu fördern, statt einfach Milliarden in die schwarzen Löcher der maroden griechischen Banken zu stecken.

  • MarcusFabian hat am 01.01.2013 - 16:34 folgendes geschrieben:

    Quote
    Schade nur, dass wir in Europa noch nicht so weit sind: Griechenland soll ja in der Ägäis ebenfalls enorme Erdöl und Erdgas-Vorkommen haben, deren Wert auf 20 Billionen Euro geschätzt wird. Hier wären europäische "Rettungsgelder" sinnvoll eingesetzt, diese Vorkommen zum Wohle Griechenlands und Europas zu fördern, statt einfach Milliarden in die schwarzen Löcher der maroden griechischen Banken zu stecken.
    Quote

    Griechen melden scharenweise ihr Auto ab

    Auf den griechischen Strassen wird es immer ruhiger. Allein im Dezember haben 70'000 Besitzer ihr Auto abgemeldet. Die Griechen können sich ihren fahrbaren Untersatz schlicht nicht mehr leisten. http://www.20min.ch/finance/dossier/eurokrise/story/10170370

    Die Griechen machen so wenigstens was für die Umwelt.


    Generell müsste man was am System ändern. Holländische Tomaten dürfen nicht billiger sein als diejenigen auf den griechischen Inseln. Es lohnt sich dort oft nicht, die Ernte ans Festland zu bringen. Schon dieser Transport ist zu teuer.


    Aber das ist nicht nur bei den Tomaten so. Dieses europaweite herumgekarre von Gütern und Tieren verstopft unsere Strassen. Und diese Staustunden kosten uns immense Summen, für die niemand gerade stehen will

  • weico hat am 01.01.2013 - 17:29 folgendes geschrieben:

    Danke, interessanter Artikel. Aber was bedeutet konkret "Hochschulden so lange es geht", welche Ursache oder Wirkung dies abrupt beenden könnte ist er nicht eingegangen. Ich gehe einfach davon aus, dass es bis die Investoren das Vertrauen in die Papierwährung nicht mehr haben aber wie entsteht dann das und welche Anzeichen gehen hervor? Evtl. Hindenburg Omen und HedgeFonds wie bei der Subprime Krisis die plötzlich aussteigen oder wie?

    Quote

    Für den Statistiker bleibt die Deflation unsichtbar, weil sie durch künstliche Inflation verdeckt wird, während ihm die Inflation entgeht, weil sie vom Deflationssog neutralisiert wird. Inflation ist also nicht nur vorhanden, sondern wird für die Verzögerung der Deflation gezielt eingesetzt.

    Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

  • revinco hat am 05.01.2013 - 16:27 folgendes geschrieben:

    Quote

    ... was bedeutet konkret "Hochschulden so lange es geht", welche Ursache oder Wirkung dies abrupt beenden könnte ist er nicht eingegangen.


    Zunächst zu Infla/Defla: Die wird in diesem Chart schön ersichtlich:


    [Blocked Image: http://www.shadowstats.com/img…m3.gif?hl=ad&t=1357341004]


    Wie Du siehst ist die Geldmenge M3 (das ist das Geld im Umlauf) Ende 2009 bis Etwa Frühling 2011 unter die Nulllinie gesunken --> Deflation. Geld wurde beispielsweise durch sinkende Preise von Immobilien bzw. darauf lautentenden Wertpapieren vernichtet. Aber auch durch Schuldenrückzahlung und Sparen. Unter dem Strich auch bekannt als "Asset Deflation".
    Um diese Deflation in M3 zu bekämpfen hat die Fed - bildlich gesprochen - oben neu gedrucktes Geld nachgeschüttet, die Inflation der Geldmenge M1 also bis 20% getrieben. ==> Reflation


    Natürlich musste oben (M1) weitaus mehr reingeschüttet werden als unten (M3) angekommen ist.


    Die grosse Frage - und Anlass für alle Diskussionen und Streitereien in diesem und ähnlichen Threads - ist, ob sich diese Ausweitung der Geldmenge M1 irgend wann negativ auf den Wert des Dollars und somit die Kaufkraft auswirkt (aka "Teuerung") oder ob dieses Geld (wie Paul Krugman meint) dereinst problemlos und ohne negative Auswirkungen auf die Wirtschaft wieder deflationieren lässt.


    Nun wird in unserem Geldsystem nicht einfach Geld gedruckt. Dies geschieht nur dann, wenn jemand einen Kredit in entsprechender Höhe aufnimmt. Da Unternehmen und Private im Moment weder Lust noch Möglichkeit haben, sich in grossem Umfang zu verschulden (die sind eher dabei, sich zu ent-schulden, also Schulden zurück zu zahlen und sparen), muss der Staat sich neuverschulden.


    Und damit kommen wir zum "Hochschulden" nach Gunnar Heinsohn:
    Die Staaten haben keine andere Möglichkeit mehr, als immer schneller, immer mehr Schulden aufzunehmen und die Zentralbanken müssen die Zinsen weiterhin sehr tief lassen und die Schulden direkt (oder über Umweg über die Banken) aufkaufen.


    Was passiert, wenn der freie Markt die Risiken der Staatsanleihen für "nicht-so-ganz-vertrauenswürdige Staaten" bewertet, haben wir an den Zinsen für Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien gesehen. Der freie Investor preist das Risiko in den Preis für Staatsanleihen und somit in den Zins ein, weshalb solvente Staaten wie Deutschland oder die Schweiz weit aus weniger Zinsen zahlen müssen als Griechenland oder Portugal. Entsprechend die europäische Initiative, über den ESM direkt die Schulden der PIIGS zu bedienen, mit Ziel und Zweck, dort die Zinsen niedrig zu halten.


    In der USA, GB und Japan geht es noch direkter: Dort kaufen die Zentralbanken direkt die Staatsschulden. Ohne ein Zwischenkonstrukt à la ESM. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Würden die Staaten mit der Neuverschuldung aufhören, die Zentralbanken nicht mehr neues Gratis-Geld nachschiessen, würden die Zinsen steigen und damit die Teuerung. Mit allen bekannten Auswirkungen. So macht es z.B. derzeit Sinn, Staatsanleihen mit 3% Rendite zu kaufen, wenn man als Bank zu 0% Geld von der ZB bekommt. Aber bei 4% Leitzins wäre das nicht mehr möglich. Folge: Die Renditen für Staatsanleihen müssten über 4% steigen, die Preise entsprechend sinken.


    Also nochmals: Es gibt keine andere Variante als das Geld "billig" zu halten und entsprechend die Schuldenorgie weiterzuziehen. Die Crux dabei ist, dass sich mit steigenden Schulden die Wahrscheinlichkeit verringert, dass ein Staat auch weiterhin seine Schulden durch Steuereinnahmen bedienen kann, was eigentlich dazu führen müsste, dass die Zinsen steigen.

  • MarcusFabian hat am 05.01.2013 - 18:13 folgendes geschrieben:

    Quote

    Was passiert, wenn der freie Markt die Risiken der Staatsanleihen für "nicht-so-ganz-vertrauenswürdige Staaten" bewertet, haben wir an den Zinsen für Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien gesehen. Der freie Investor preist das Risiko in den Preis für Staatsanleihen und somit in den Zins ein, weshalb solvente Staaten wie Deutschland oder die Schweiz weit aus weniger Zinsen zahlen müssen als Griechenland oder Portugal.

    Richtig.


    Quote

    Entsprechend die europäische Initiative, über den ESM direkt die Schulden der PIIGS zu bedienen, mit Ziel und Zweck, dort die Zinsen niedrig zu halten.In der USA, GB und Japan geht es noch direkter: Dort kaufen die Zentralbanken direkt die Staatsschulden. Ohne ein Zwischenkonstrukt à la ESM.

    Direkt kaufen sie nicht. Sie kaufen sie immernoch über "den Markt".Ein wirklicher Direktankauf ...ZB kauft DIREKT vom STAAT..wäre das ultimative Endstadiums einer Währung (Staatszahlungsmittel/"Willkürgeld" usw.)


    Enghofer/Knospe stellen dies gut dar:


    "Mit Unabhängigkeit der Zentralnotenbank ist hier gemeint, dass diese Schuldtitel nicht direkt vom Schuldner des betreffenden Titels, sondern erst nach Beweis ihrer Marktfähig- und Ver-kaufbarkeit von einem Gläubiger in ihre Bilanz nehmen darf. Sie darf Schuldtitel also erst von einem Gläubiger ankaufen oder verpfänden, niemals jedoch von einem Emittenten. Eine Unabhängigkeit im Sinne von Beeinflussbarkeit der so genannten geldpolitischen Entscheidungen gegenüber anderen Institutionen und vor allem der Politik, ist hier irrelevant, da sich an den Möglichkeiten der Entstehung von Geld dadurch nichts ändert. Wir folgen damit der von H. J. Stadermann und O. Steiger vorgeschlagenen Differenzierung zwischen dem Geld einer Zentralnotenbank auf der einen Seite und den Staatszahlungsmitteln einer Staatsbank auf der anderen Seite, die essentiell für ein Verständnis der Funktionsweise einer monetär gesteuerten Volkswirtschaft ist und auf die wesentlichen Aufgaben einer Zentralnotenbank fokussiert."


    http://www.eigentumsoekonomik.…fer-Knospe-formatiert.pdf


    Quote

    Also nochmals: Es gibt keine andere Variante als das Geld "billig" zu halten und entsprechend die Schuldenorgie weiterzuziehen. Die Crux dabei ist, dass sich mit steigenden Schulden die Wahrscheinlichkeit verringert, dass ein Staat auch weiterhin seine Schulden durch Steuereinnahmen bedienen kann, was eigentlich dazu führen müsste, dass die Zinsen steigen.

    Klar.Darum werden wir noch lange billige Zinsen haben. Sobald der Markt aber eine ÜBERschuldung bzw. keine REALE Lösung mehr sieht (NACHschuldner usw.)...ist ENDGAME angesagt...!



    weico

  • weico hat am 06.01.2013 - 09:23 folgendes geschrieben:

    Quote

    Direkt kaufen sie nicht. Sie kaufen sie immernoch über "den Markt".Ein wirklicher Direktankauf ...ZB kauft DIREKT vom STAAT..wäre das ultimative Endstadiums einer Währung


    Nun, Du hast den Artikel von Krugman ja gelesen, bzw. sogar hier verlinkt. Siehe 3. Abschnitt.


    Wenn der Staat Geld braucht wird eine Staatanleihe ausgeben, diese z.B. an JPM verkauft, die dafür die entsprechende Summe als Kredit von der Fed bekommt und die Zinsdifferenz kassiert.


    Tatsächlich darf die Fed auch direkt Treasuries kaufen. Allerdings mit der Auflage, dass sie diese nach spätestens 30 Tagen auf dem freien Markt in einer Aktion verkaufen muss. Und auch hier dürfte sich eine der Fed-Banken dazu erbarmen, wie oben beschrieben gegen entsprechenden Kredit der Fed, die Treasuries zu kaufen.


    Wie Krugman schreibt: Ein juristischer Trick. Die Fed kauft die Staatschulden nicht direkt sondern schaltet eine ihrer Banken als Dritten ein.


    Aber wie Jack Balkin im Jahre 2011 ja herausgefunden hat, darf das Treasury-Department Platin-Münzen mit beliebigem Nennwert herausgeben. Also warum nicht einfach ein paar von diesen 1-Billion-Dollar-Münzen (deutsche Billionen!) prägen und damit die Staatsschulden auf einen Schlag bezahlen. Die Chinesen werden dankbar sein!


    Ach ja, und wenn die Münze ein Gewicht von 21'500 Tonnen hat, ist sie sogar durch den inneren Wert des Platin gedeckt :D

  • MarcusFabian hat am 07.01.2013 - 05:28 folgendes geschrieben:

    Quote

    Ach ja, und wenn die Münze ein Gewicht von 21'500 Tonnen hat, ist sie sogar durch den inneren Wert des Platin gedeckt

    Egal ob Platin oder Gold. Die Förderung und Herstellung kostet. Damit es sich lohnt, muss für eine Einheit (z.B. 1 kg) etwas mehr bezahlt werden, als die Herstellung gekostet hat.


    Das Beispiel Platin zeigt doch, wie sinnlos der Wunsch nach der genauen Abbildung der Deckung ist. Zumal sich auch Werte verändern können.


    Das Gute an der Sache: Für viele Menschen bedeutet das Arbeit. Immer mehr Firmen beginnen damit, am Meeresboden Rohstoffe abzubauen. Ob es ökologisch gut ist, ist eine andere Frage. Dafür wird es dann wieder Spezialisten brauchen. Sei es um die Schäden zu beheben, das Grundwasser zu reinigen oder die Menschen von den Folgeschäden wieder zu heilen.


    Mittelweile hat man festgestellt, dass der Abfall im Meer via Nahrungskette in unseren Körpern nachweisbar ist.


    Solange man in nur in "Inneren Werten von Materiealien" denkt und dabei wissentlich die Schäden für Mensch und Umwelt in Kauf nimmt, sind die geistigen Werte hohl.




    Marc Faber macht unter anderem bei "Child's Dream" mit. Da wurde er mir erstmals sympathisch http://www.gloomboomdoom.com/public/pSTD.cfm?pageSPS_ID=5300



    Marc Faber ab der 35. Minute im folgenden Beitrag :ok:

    Kindertraum - Zwei Banker auf Sinnsuche

    Die beiden Schweizer Banker Marc Jenni und Daniel Siegfried machen in den boomenden 90er-Jahren Karriere in Südostasien, sind für die UBS in Hongkong, Seoul und Singapur tätig. 2003 verlassen sie ihren «goldenen Käfig» und gründen in Chiang Mai das Kinderhilfswerk «Child’s Dream». http://www.srf.ch/sendungen/do…zwei-banker-auf-sinnsuche

  • MarcusFabian hat am 07.01.2013 - 05:28 folgendes geschrieben:

    Quote

    Aber wie Jack Balkin im Jahre 2011 ja herausgefunden hat, darf das Treasury-Department Platin-Münzen mit beliebigem Nennwert herausgeben. Also warum nicht einfach ein paar von diesen 1-Billion-Dollar-Münzen (deutsche Billionen!) prägen und damit die Staatsschulden auf einen Schlag bezahlen.

    ..wenn man nur bedenkt,auf welche "trickreiche Idee" die Leute immer so kommen... :wacko:



    Bei der EZB geht's ja ebenfall sehr Trickreich zu..:


    http://www.welt.de/finanzen/ar…aet-ausser-Kontrolle.html



    P.S:...auch der Wirtschaftsweise Bofinger macht mit im "Tricki-Spiel":


    http://www.spiegel.de/wirtscha…enf-prozent-a-875948.html



    weico

  • Was mich bei der ganzen Farce um die 1-Billion-Dollar-Münze den Kopf schütteln lässt: Wird eine Zahl auf Papier oder Baumwolle gedruckt, interessiert das keine Sau. Wird sie aber auf eine Platin-Münze geprägt, sorgt das für Schlagzeilen. Klar, dass die Münze keine 21'500t wiegen wird.