Deflation oder Inflation?

  • Singapur sagt Deflation den Kampf an

    Eine schwache Währung und ein Infrastrukturprogramm sollen das Wachstum stützen.


    Singapurs Notenbank hat mit der Ankündigung, sie wolle die weitere Aufwertung der eigenen Währung bis auf weiteres unterbinden, vergangene Woche den globalen Devisenmarkt überrascht. Die Monetary Authority of Singapore (MAS), die die Konjunktur nicht mit dem Zinsinstrument, sondern dem Wechselkurs steuert, hat den Entscheid mit der sich abkühlenden Binnenwirtschaft und dem deflationären Umfeld begründet. Ein Blick aus den Fenstern der Hochhäuser des Singapurer Finanzviertels auf die Küstengewässer hätte die Devisenhändler allerdings schon längst auf den Entscheid der MAS gefasst machen müssen.


    http://www.fuw.ch/article/sing…t-deflation-den-kampf-an/

  • Tiefe Zinsen

    Der globale Handel ist ein Grund für weltweit tiefe Zinsen. Die Notenbanken steuern die Konkurrenzfähigkeit ihrer Wirtschafträume über die Leitzinsen um den Export und die Konjunktur zu fördern. Dies dürfte sich vorerst kaum ändern, weil es viele so machen. Vorteile sind Preisstabilität, günstige Zinsen, wenig Inflation, Geldwerterhaltung, etc. Nachteile und Risiken sind wenig Aktivzins, Schulden werden nicht abgewertet, Löhne stagnieren, Wirtschaft verliert an Schwung, mögliche Deflation.
    Kredite müssen trotz grosser Geldmenge kontrolliert gewährt werden, weil die Schulden durch Inflation nicht abgewertet werden. Dennoch kann man damit gut leben, denn es herrscht viel Stabilität. Die realen Kapitalkosten setzen sich immer aus Zinsen + Inflationsrate oder Zinsen + Schuldenamortisation (Rückstellung für Erneuerung) zusammen.
    Viele Sparer und Pensionskassen beklagen, dass nur noch kleine Renditen erreicht werden. Aber die Kapitalen und Renten behalten ihre Kaufkraft, das ist positiv. 4 % Sparzins bei 3 % Inflation waren auch nicht besser.

  • Wenn der Kaffee plötzlich Millionen kostet


    Die SNB und andere Notenbanken unternehmen viel, um die Inflation anzukurbeln. Andere wiederum haben zu viel davon. cash sagt, wann es zu einer Hyperinflation kommen kann und was daran gefährlich ist.


    30.07.2018 19:05


    Von Pascal Züger


    Wer heute für einen Kaffee, der vor einem Jahr noch 5 Franken kostete, 5 Franken und 10 Rappen bezahlen muss, mag sich über die Preiserhöhung ärgern. Ernste Sorgen über die Preisstabilität muss man sich aber keine machen, denn dieser Preisaufschlag entspricht einer jährlichen Teuerung von gerade Mal zwei Prozent.


    Problematisch wäre es dann, wenn der Kaffee wenige Monate später plötzlich mehrere Millionen Franken kosten würde. Dieses Horrorszenario droht der Schweiz zwar nicht, ist aber derzeit genau so im krisengeplagten Venezuela beobachtbar:


    [Blocked Image: https://www.cash.ch/sites/defa…ezuela_hyperinflation.jpg]


    Die Grafik von Bloomberg zeigt die Kaffee-Preisentwicklung in Carcas, der Hauptstadt Venezuelas, in den letzten zwei Jahren. Vergangene Woche wurde ein neuer Rekordpreis bei zwei Millionen Bolivar für eine Tasse Milchkaffee registriert. Die Woche davor lag der Preis noch bei 1,4 Millionen Bolivar, Ende April waren es "nur" 190‘000 Bolivar.


    Es ist nicht nur der Kaffeepreis, der in Venezuela so ausser Kontrolle geraten ist, sondern die Preise sämtlicher Güter des täglichen Gebrauchs. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte für das Land im laufenden Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Als Vergleich: In der Schweiz dürfte die Inflation im laufenden Jahr leicht weniger als 1 Prozent betragen.


    Gemäss einer Faustregel spricht man dann von einer Hyperinflation, wenn die monatliche Inflationsrate bei über 50 Prozent liegt. Venezuela erfüllt dieses Kriterium derzeit eindeutig. Im letzten Monat haben sich die Preise verdoppelt.


    Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Hyperinflationen zwar die Ausnahme sind, aber doch ab und zu vorkommen: Gemäss einer Studie der Ökonomen Steve H. Hanke und Nicholas Krus gab es in den letzten 100 Jahren global gesehen 57 Fälle von Hyperinflationen. So etwa in den 1920er Jahren in Deutschland, oder in der etwas jüngeren Vergangenheit in Argentinien oder in Simbabwe.


    Hyperinflation durch Krisen ausgelöst


    Nach der gängigen Definition entsteht Inflation dann, wenn die Geldmenge einer Volkswirtschaft schneller wächst, als sich Güter und Dienstleistungen in einem Land vermehren. Es hat dann mehr neues Geld als neue Güter im Umlauf, dadurch erhöhen sich die Preise.


    Eine gesunde Volkswirtschaft mit stabiler Regierung gerät in der Regel nicht einfach so in eine Phase der Hyperinflation. Meist liegen schwerwiegende, landesinterne Probleme vor, etwa eine hohe Staatsverschuldung - ausgelöst durch einen Krieg oder eine grössere Wirtschaftskrise. Ein giftiger Cocktail entsteht dann, wenn darüber hinaus die Zentralbank fast schon panikartig die Geldmenge ausweitet, während die Wirtschaft noch kriselt.


    Deutschland etwa war als Folge des ersten Weltkrieges hoch verschuldet. Um diese Schulden abzahlen zu können, wurden massiv mehr Banknoten gedruckt, was die Preise nach oben schiessen liess. Auch die Zentralbank Venezuelas druckt derzeit viel Geld, um der wirtschaftlichen Krise entgegenzuwirken.


    Der Teufelskreis der Hyperinflation


    Macht unter den Konsumenten durch die starke Geldausweitung erst einmal die Angst einer hohen Inflation die Runde, so wird der Teufelskreis der Hyperinflation erst richtig lanciert: Jeder möchte sein Geld lieber heute als morgen loswerden, da es laufend an Wert zu verlieren droht. Durch das schnelle Abstossen erhöht sich die Geldmenge und somit auch die Inflation immer weiter. Darüber hinaus setzt Kapitalflucht ein, da das Vertrauen in die Währung weg ist, was deren Wert noch zusätzlich schwächt. Auch die Planungssicherheit der Firmen ist wegen der wilden Preisentwicklung dahin.


    Ist ein Land im Hyperinflations-Sumpf drin, gibt es kein Entkommen mehr. Die Inflation nimmt immer absurdere Ausmasse an, die Wirtschaft kollabiert. Nur eine Währungsreform kann helfen.


    In Simbabwe wurde etwa vor zehn Jahren die Währung abgeschafft und der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Argentinien koppelte den Peso in den 1990ern an den Dollar. Auch Venezuelas Präsident Niclás Madura hat jüngst Währungsreformen angekündigt: Der Bolivar soll an die neue Kryptowährung Petro gekoppelt werden, gleichzeitig will er fünf Nullen aus der Währung streichen.


    Ökonomen sind sich uneins, ob auch in Europa eine Hyperinflation denkbar wäre. Zum Beispiel dann, wenn ein südeuropäisches Land wie Italien die EU verlassen und wieder eine einheimische Währung einführen würde. Gefährliche Voraussetzungen wie eine hohe Staatsverschuldung und Instabilität in der Politik wären zumindest gegeben. Der Schweiz droht ein solches Szenario nicht: Gemäss einer Studie der Credit Suisse vom vergangenen Jahr ist der Franken die stabilste Währung der Welt. Seit dem Jahr 1900 sind die Schweizer Preise durchschnittlich um 2,2 Prozent gestiegen - so wenig wie sonst nirgends.

    Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

  • Inflation von 1 Million Prozent

    Eine Inflation von 1 Million Prozent – über Venezuela weht ein Hauch von Weimar


    Der Internationale Währungsfonds vergleicht die Hyperinflation in Venezuela mit der Weimarer Republik im Krisenjahr 1923. Der Vergleich ist berechtigt. Doch Venezuelas Präsident Maduro ist nicht willens, die Lehren daraus zu ziehen.


    Eigentlich geht es mit der lateinamerikanischen Wirtschaft aufwärts. Nachdem im vergangenen Jahr vielerorts der Konsum angezogen hat, macht sich der Aufschwung nun auch bei den Investitionen bemerkbar. Der Internationale Währungsfonds (IMF) erwartet daher für 2019 eine Beschleunigung des Wachstums von 1,6 auf 2,6 Prozent. Doch Lateinamerika ist ein heterogener Raum. Einige Länder fallen denn auch aus dem Rahmen, besonders Venezuela. Stimmen die Prognosen des IMF, wird das Bruttoinlandprodukt des sozialistischen Landes dieses Jahr um 18 Prozent einbrechen. Es wäre das dritte Jahr in Folge mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft im zweistelligen Prozentbereich.


    Völlig ausser Kontrolle geraten ist die Inflation. Zwar weiss in Venezuela niemand so genau, wie hoch die Teuerung ist. Die vom Regime instrumentalisierte Noten­bank hat längst damit aufgehört, Da­ten zu veröffentlichen. Laut den Ökonomen des IMF dürfte die Inflation bis Ende Jahr aber auf 1 Mil­lion Prozent klettern. Gewiss, allzu genau wird diese Schätzung kaum sein; noch im April lag die Prognose bei «nur» 13 000 Prozent. Doch hat man einmal jenen Grad ökonomischer Verwahrlosung erreicht, wie er in Venezuela seit Jahren zu beobachten ist, spielen einige tau­send Prozent mehr oder weniger kaum noch eine Rolle. Tatsache ist, dass die Währung kein Vertrauen mehr geniesst. Geld wird in Venezuela nicht mehr gezählt, sondern gewogen.


    Beim Währungsfonds stellt man bereits Vergleiche an zwischen der Lage in Venezuela und dem Preiszerfall in der Weimarer Republik im Krisenjahr 1923. Ökonomisch ist der Ver­gleich berechtigt. So finanzierte Deutschland nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg seine Folgekosten primär durch ein Anwerfen der Notenpresse. Im Oktober 1923 wurden 99 Prozent der Staatsausgaben mit neu gedrucktem Papiergeld bezahlt, und nur 1 Prozent mit Steuereinnahmen. Ähnlich präsentiert sich die Lage in Venezuela, wo ein immer tieferes Loch im öffentlichen Haushalt durch stets noch mehr Notenbankgeld zuzuschütten versucht wird, mit denselben hyperinflationären Folgen wie 1923.


    Zwischen dem heutigen Venezuela und dem historischen Weimar gibt es weitere Parallelen. So zeigt sich heute wie damals, wie der Absturz einer Währung zum Zerfall einer Gesellschaft führen kann. Wenn die offizielle Landeswährung keinen Wert mehr hat, erlischt gleichsam der Respekt gegenüber der staatlichen Ordnung. Anarchie und Chaos machen sich breit. Diese staatszersetzende Wirkung erkannte bereits Lenin. Die Losung des Revolutionärs lautete daher: «Wer die Kapitalisten und die bürgerliche Gesellschaft zerstören will, muss ihre Währung zerstören.» Am effektivsten geschieht eine solche Demontage durch Hyperinflation. Denn wer nicht fähig ist, für halbwegs solides Geld zu sorgen, verwirkt zumeist auch die Loyalität des Volkes.


    Aus heiterem Himmel kommen Hyperinflationen nicht. *good*


    Sie sind menschengemacht, ein Resultat politischer Fehlentwicklung. Am Anfang steht fast immer die Finanzierung von Staatsdefiziten durch unkontrollierte Geldschöpfung. Das sozialistische Regime rund um Präsident Maduro irrt daher, wenn es meint, das Problem lösen zu können, indem drei Nullen aus der Währung gestrichen werden. So einfach ist die Sache nicht. Das Land, das seine riesigen Erdölreserven nicht in nationalen Reichtum umzumünzen vermag und mit einer Hungersnot kämpft, benötigt radikalere Reformen, vor allem mehr Demokratie und mehr Marktwirtschaft. Beides fürchtet Maduro wie der Teufel das Weihwasser. Solange das so bleibt, ist ein Ende der Hyperinflation und der humanitären Krise nicht absehbar.



    https://www.nzz.ch/meinung/ein…uch-von-weimar-ld.1406222

  • Eine unerhörte währungspolitische Lage

    Wegen der Geldpolitik der Zentralbanken befindet sich die Welt in einer Ausnahmesituation. In der Vergangenheit hat dies zu Hochinflation geführt.


    Unbemerkt von der Allgemeinheit hat sich seit Jahren bei den führenden Ländern eine währungspolitische Situation aufgebaut, die in einigen Jahren zu lange nicht erlebter Inflation führen könnte. Dies ist zu einem guten Teil auf die Politik der Zentralbanken seit 2007 zur Bekämpfung der Finanzkrise zurückzuführen. Tatsächlich hat diese Politik zu einer Vervielfältigung der Zentralbankgeldmenge M0 geführt – M0 umfasst Banknoten im Umlauf und täglich fällige Guthaben der Banken bei der Zentralbank. Das ist für die führenden Länder ohne jedes historische Beispiel.



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    Eine solche Zunahme von M0 auf etwa das Sechsfache oder mehr wurde bisher historisch nur vor Hoch- oder Hyperinflationen erlebt. Aber wieso hat sich bisher noch keine hohe Inflation ergeben? Ursache ist offenbar, dass die weiter gefasste Geldmenge, die das Publikum und die Unternehmen verwenden, bisher erst wesentlich weniger gewachsen ist: M2 bzw. M3 umfasst Banknoten im Umlauf und Guthaben bei Banken mit Fälligkeit bis zu einigen Monaten.


    Angesichts dieser Sachlage stellen sich zwei Fragen. Erstens: Wie lange wird es wohl dauern, bis sich das Wachstum von M0 voll auf M2 überträgt? Zweitens: Können die Zentralbanken notfalls M0 rechtzeitig genügend reduzieren?


    Geldmenge und Schulden



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    Die zweite Frage lässt sich leicht beantworten: Die Zentralbanken sind technisch ohne weiteres in der Lage, M0 durch den Verkauf von Forderungen zu vermindern. Allerdings bleibt es fraglich, ob sie eine solche Politik tatsächlich in ausreichendem Mass durchführen würden – auch wenn die amerikanische Zentralbank bereits vorsichtige Zinserhöhungen realisiert hat. Die erste Frage betreffend M0 und M2 ist wesentlich schwerer zu beantworten, da für die gegenwärtige Währungslage kaum eine historisch ähnliche Entwicklung existiert.


    Diesbezüglich kann leider lediglich auf die USA und die Schweiz zurückgegriffen werden, da der Euro wesentlich weniger lang besteht und das Pfund zu viel seines Werts verloren hat. Klar ist jedoch zweierlei: Erstens hat es ein ähnliches Verhältnis von M2 und M3 gegenüber M0 nur in der grossen Depression nach 1929 gegeben, und heute ist es eher noch etwas ungünstiger. Zweitens hat es lange gedauert, bis sich wieder ein normales Verhältnis herausgebildet hat, doch diese Entwicklung führte schliesslich zu höherer Inflation.


    Aus alldem scheint zu folgen, dass in einigen Jahren mit einer höheren Inflation gerechnet werden muss, falls es nicht gelingt, M0 auf ein normales Mass zurückzuführen. Als politischer Ökonom wird man jedoch zweifeln, ob angesichts der stark gestiegenen Verschuldung der betroffenen Länder (mit Ausnahme der Schweiz) eine solche Geldpolitik möglich sein wird. Es ist daher nicht überraschend, dass US-Präsident Donald Trump sich kritisch zu den Zinserhöhungen des Federal Reserve geäussert hat. Und sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank zögern offensichtlich sehr mit einer Änderung ihrer Politik.


    Inflation auch in der Schweiz


    Wie würde die Schweizerische Nationalbank reagieren, wenn wegen einer zu zögerlichen Politik dieser Länder die Inflation stärker anstiege? Es ist zu befürchten, dass die SNB (SNBN 5760 1.95%) trotz der geringeren Schweizer Schulden ebenfalls die Zügel zu wenig anziehen würde, um eine zu starke Überbewertung des Frankens zu vermeiden. Das würde aber eine höhere Inflation in der Schweiz nach sich ziehen – auch wenn die Teuerungsrate geringer ausfiele als im Ausland.


    Die gegenwärtige Währungslage scheint also auf erhebliche langfristige Inflationsgefahren hinzuweisen. Deren Ausmass ist jedoch wegen der Einmaligkeit der Situation nur schwer abzuschätzen.


    https://www.fuw.ch/article/ein…waehrungspolitische-lage/

  • Was die Inflation am Boden hält

    In den meisten Industrieländern liegt die Teuerung klar unter dem Ziel der Zentralbanken und sinkt weiter. Dafür gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe.


    Mit aggressiven Zinserhöhungen haben die Notenbanken in den 1980er Jahren die Inflation in den Industrieländern besiegt. Doch seit der Finanzkrise 2008/09 haben sie einen neuen Feind: Deflation. Das Hauptproblem ist seither nicht zu viel, sondern zu wenig Inflation. Denn als optimale Teuerung wird eine jährliche Rate von etwa 2% angesehen. Bei diesem Niveau lohnt es sich nicht, Geld zu horten, aber die Preisänderungen sind zu klein, um hohe Anpassungskosten oder eine unerwünschte Umverteilung zu verursachen. Die meisten Zentralbank verfolgen deshalb das Ziel einer langfristigen Inflationsrate in der Nähe von 2%. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat eine verhältnismässig breite Definition von Preisstabilität und setzt sie mit einem jährlichen Anstiegs des Landesindex der Konsumentenpreises (LIK) zwischen 0 und 2% gleich.


    https://www.fuw.ch/article/was-die-inflation-am-boden-haelt/

  • Flucht ins Bargeld gibt Rätsel auf

    Die meisten Notenbanken haben sich in diesen Wochen von dem Gedanken verabschiedet, die Leitzinsen wieder auf ein normales Niveau zurückzuführen. Die extrem tiefen Zinsen werden in absehbarer Zeit nicht steigen. Künftig könnten sie sogar noch tiefer rutschen. Bis vor kurzem hat damit keine Notenbank ernsthaft gerechnet, deshalb besteht die Gefahr, dass die Währungshüter nicht ausreichend auf dieses Szenario vorbereitet sind.


    Eine wichtige Frage, auf die niemand eine Antwort kennt, betrifft den Umgang mit Bargeld. Wie verändert er sich, wenn die Zinsen jahrelang auf oder unter null liegen? Wenn Banken auf ihre Sichteinlagen bei der Notenbank einen happigen Negativzins bezahlen müssen und der finanzielle Druck steigt, diesen Zinsabschlag an immer mehr Kundenkonten weiterzureichen?


    Ökonomen argumentieren seit langem, dass ab einem bestimmten Punkt die Menschen beschliessen könnten, ihr Geld lieber abzuheben und bar aufzubewahren. Dazu kommt es, wenn die Kontokosten – also der Negativzins, der fällig wird – höher liegen als der Aufwand der Bargeldhaltung. Das sind allfällige Tresorgebühren, das Diebstahlrisiko etc. Da niemand diesen Aufwand genau berechnen kann und weil keine Erfahrungswerte vorhanden sind, lässt sich der Punkt, an dem Bargeld zur echten Alternative wird, nicht genau bestimmen.


    In Krisenzeiten ist Bargeld gefragt


    Notenbanken fürchten diese Aussicht. Denn in einer Zukunft, in der Banken plötzlich ausgebootet werden, verlieren sie ihre wichtigsten Partner, über die sie die geldpolitischen Signale an die Wirtschaft leiten. Würde Bargeld gehortet statt eingezahlt, wäre die Arbeit der Notenbanken noch schwieriger, als sie es heute schon ist.


    Offen ist auch, ob es sich dabei um einen schleichenden Prozess handelt oder ob man nur ein Risikoniveau der Zinsen im Auge behalten muss, ab dem die Situation kippt, unterhalb dessen das Geldsystem jedoch wie gehabt funktioniert.


    In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Schweizerischen Nationalbank aufschlussreich. Die Autoren verwenden unterschiedliche Methoden, um herauszufinden, wie viel Franken-Banknoten gehortet werden, anstatt sie für Zahlungen einzusetzen. Sie weisen nach, dass in Finanzkrisen und vor Risikoereignissen das Bargeldhorten zunimmt, zuletzt in der Eurokrise oder an der Jahrtausendwende, als viele Menschen sich vor dem Millennium-Bug fürchteten.


    Rund 60% des Werts aller Schweizer Banknoten wird irgendwo aufbewahrt. Vor allem grössere Scheine dienen dazu. Die Studie umfasst einen Zeitraum von 1950 bis 2017. Auffallend ist, wie sehr die Bargeldhortung in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zugenommen hat. Das zeigen die beiden folgenden Charts aus der Studie. (Die gelben Balken signalisieren Phasen, in denen neue Banknotenserien eingeführt wurden.)


    [Blocked Image: https://www.fuw.ch/wp-content/uploads/2019/07/nmtm-bargeld-chart-1-1.jpg]


    Seit dem grossen Aufwertungsschub des Frankens 2010, auf den die SNB ab 2011 mit der Senkung des Leitzinsen auf 0% und der Einführung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Fr./€ antwortete, hat sich das Bargeldvolumen wertmässig von 50 auf über 80 Mrd. Fr. aufgebläht (folgende Grafik, blaue Linie). Etwa 60% des Zuwachses lässt sich auf Scheine zurückführen, die gehortet werden (rote Linie).


    [Blocked Image: https://www.fuw.ch/wp-content/uploads/2019/07/nmtm-bargeld-chart-2-1.jpg]


    Leider liefert die Untersuchung keine Hinweise darauf, wer hinter der kräftigen Nachfrage steckt. Sind es Privathaushalte in der Schweiz oder Familien im Ausland, die das Geld unter die Matratze legen? Welche Rolle spielen die Banken und welche die Negativzinsen? So hat die Bundesbank festgestellt, dass in Deutschland Banken ihre Kassenbestände stark erhöhten, als die Europäische Zentralbank Mitte 2016 den Einlagesatz unter null auf –0,4% reduzierte.


    Die genauen Auswirkungen des tiefen Zinsniveaus auf die Bargeldnachfrage sind empirisch wenig erforscht. Notenbanken weisen darauf hin, dass sie die Lage beobachteten und sich bislang keine Hinweise abzeichneten, wonach der Minuszins zu einer Umorientierung auf Bargeld führe. Aber tatsächlich scheinen alle Beteiligten diesbezüglich weiter im Dunkeln zu tappen.


    Die Frage wird wichtiger, je länger der monetäre Status quo anhält. In Zeiten anhaltender Negativzinsen sollte die öffentliche Debatte weniger über das vermeintliche Ende des Bargelds spekulieren, sondern sich mehr über dessen wachsende Bedeutung in der Zukunft Gedanken


    https://www.fuw.ch/article/nmt…bargeld-gibt-raetsel-auf/

  • Inflation drückt Goldpreis

    Die Aussicht auf eine höhere Inflation setzt den Goldpreis unter Druck. Das Edelmetall verbilligt sich um 0,4 Prozent auf 1735,90 Dollar je Feinunze. "Stärker als erwartete Daten deuten darauf hin, dass die Inflation in den kommenden Monaten schneller als erwartet anziehen wird, was zu einem Anstieg der realen Renditen führt, was Druck auf Gold ausübt", sagte Expertin Margaret Yang vom Handelshaus DailyFX.

  • Die Inflation lebt: Ein bekannter Ökonom sieht Welt am Wendepunkt


    Vor einem Vierteljahrhundert hatte Roger Bootle die Inflation für tot erklärt. Nun sieht der angesehene Ökonom Anzeichen für ihre Auferstehung.


    Während sich die Welt von der Corona-Pandemie zu erholen beginnt, flammen in unterschiedlichen Branchen – von Gebrauchtwagen bis zu Bauholz – Preisschübe auf. Das hat die Kreditkosten an den Finanzmärkten der grossen Volkswirtschaften auf Mehrjahreshochs getrieben. Während die meisten Zentralbanker sich überzeugt geben, dass diese Anstiege nur vorübergehender Natur sind, schlagen einige Ökonomen Alarm.


    Zu ihnen gehört Roger Bootle, Gründer von Capital Economics und Autor des 1996 erschienenen Buches «Der Tod der Inflation». Damals argumentierte er, dass Jahrzehnte anhaltend hoher Teuerung zu Ende gegangen seien.


    Auch wenn er keine Rückkehr zu dieser Ära sieht, sagt Bootle nun, die Welt stehe an einem Wendepunkt.


    In den 1990er Jahren haben Sie den Beginn einer neuen Ära der Inflation ausgemacht. Glauben Sie, dass wir gerade wieder an so einem Punkt stehen?


    Roger Bootle: Es ist der Beginn einer Zeitenwende, würde ich behaupten. Das soll nicht heissen, dass wir zu den kräftigen inflationären Bedingungen der 70er und frühen 80er Jahre zurückkehren. Aber zumindest denke ich, dass wir am Ende der kryptodeflationären Phase stehen, in der wir uns in den letzten Jahren befunden haben.


    Die Deflationsgefahr ist vorüber und die Risiken haben sich definitiv in die andere Richtung gedreht. Wie hoch die Inflation ansteigen wird und für wie lange, das ist fraglich. Aber ich habe keine grossen Zweifel, dass es einen grundlegenden Wandel gegeben hat.


    Welche allgemeinen Trends prägen Ihren Ausblick?


    Man muss zwischen zwei Haupteinflüssen und der Politik unterscheiden: drei Dinge sind also zu beachten. Der erste ist auf der Angebotsseite: Kostenfaktoren und institutionelle Faktoren. Dann die Globalisierung, der Niedergang der Gewerkschaften und die Verschärfung des Wettbewerbs – all diese Dinge, von denen ich dachte, dass sie, wenn man so will, ein bisschen wie ein umgekehrter Ölschock wirken – stellten eine Reihe von Preisschocks nach unten dar.


    Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass einige dieser Faktoren sichtbar werden und bleiben. Aber das Blatt hat sich gewendet und die Risiken liegen eher in der anderen Richtung.


    Gibt es bestimmte Bereiche, die Anlass zur Sorge geben?


    Wenn ich auf einen einzelnen Faktor setzen müsste, der die Kosten in den kommenden Jahren in die Höhe treiben wird, würde ich sagen, dass es der Klimaschutz ist und insbesondere das Streben nach der Vermeidung von Emissionen. Dies wird zu einer ganzen Reihe von Kosten- und Preiserhöhungen in der gesamten Wirtschaft führen.


    Das zweite Element ist die Nachfrage. In der Ära vor der niedrigen Inflation war es üblich, dass Entscheider und Akademiker die institutionellen Faktoren auf der Angebotsseite völlig ignorierten, da sie ihrer Ansicht nach völlig irrelevant waren – es ging nur um Geld. Wenn man sich die Nachfragefaktoren ansieht, ist das ziemlich auffällig. Wir treten in eine Periode ein, in der die Nachfrage stark sein wird. Es gibt Nachholbedarf wegen Covid. Es gibt Leute mit viel Geld.


    Glauben Sie, dass sich bei den politischen Entscheidungsträgern eine gewisse Sorglosigkeit einschleicht?


    Ich bin mir nicht sicher, ob Sorglosigkeit das richtige Wort ist. Ich denke, es ist überzogener Optimismus in Bezug auf die Inflation, in zweierlei Hinsicht. Erstens, dass sie nicht so stark ansteigt, zumindest nicht dauerhaft. Und zweitens, dass sie, falls es doch dazu kommt, in der Lage sein werden, sie nach Bedarf einzudämmen.


    Politische Entscheidungsträger haben eine natürliche Neigung, sich zurückzulehnen und zu denken, dass sich alles schon regeln wird. Ich denke, die Schlussfolgerung sollte genau das Gegenteil sein. Wegen der Gefahren, die in dieser Welt von heftigen Zinserhöhungen ausgehen, sollten sie damit beginnen, die Zinsen früher zu erhöhen und sich behutsam zu bewegen, um die Zinsen irgendwo in die Nähe eines normaleren Niveaus zu bringen, anstatt dazu gezwungen zu werden.


    Wie hoch, glauben Sie, könnte die Inflation in Grossbritannien steigen?


    Der unmittelbare Anstieg der Inflation wird die Rate wahrscheinlich auf 3 Prozent bringen, vielleicht etwas darüber. Es gibt Leute, die von zweistelligen Werten sprechen – ich glaube nicht, dass das zu erwarten ist. Darüber hinaus wissen wir nicht viel. Aber wenn die Zinssätze nicht gestrafft werden, besteht die Chance, dass sich dieses Inflationsniveau im System verankert und dann zur Basis für einen weiteren Anstieg bilden könnte.


    Wir haben einige Diskussionen darüber gesehen, ob wir eine Rückkehr zu einer Inflation wie in den 1970er Jahren erleben werden. Glauben Sie, dass der Vergleich richtig ist?


    Nein, der Vergleich mit den 1970er Jahren ist nicht zutreffend. Wenn man sich die langfristige Geschichte der Inflation anschaut, und ich habe mir Daten aus Grossbritannien angeschaut, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, dann gab es nie eine anhaltende Inflationsperiode, wie wir sie in den 1970er Jahren hatten. Man sieht Inflationsschübe. Denen folgen in der Regel viel niedrigere Zinsen oder sogar Deflation.


    Die 1970er Jahre waren etwas Besonderes. Zunächst einmal begannen sie mit recht hoher Basisinflation. Und dann traten mehrere Schocks auf, zwei Ölpreisschocks. Die Einstellungen von Geld- und Fiskalpolitik waren extrem locker. Und das alles in einem institutionellen Kontext, der der Inflation förderlich war – sehr mächtige Gewerkschaften, mächtige Unternehmen, ein hoher Anteil an öffentlichem Eigentum in diesem Land und vieles mehr.


    Ein besserer Vergleich sind die 1950er und 60er Jahren vor dem inflationären Höhenflug ab Ende der 60er Jahre. Wir gingen dann durch eine lange, lange Periode dessen, was damals übrigens als ziemlich hohe Inflation erschien – und wir lernten erst später, dass es das gar nicht war.


    (bloomberg/mlo)

  • Inflation und wen sie trifft: Als Sparer ist man so oder so der Dumme


    Sollten wirklich überdurchschnittliche Inflationsraten eintreten, so ist das den Notenbanken zu verdanken, die jahrelang die Märkte mit billigem Geld überfluteten.


    09.01.2022 16:45


    Von Claude Chatelai


    So weit sind wir nicht. Jedenfalls nicht in der Schweiz. Und so wollen wir doch der Frage nachgehen, wie sich hohe Inflationsraten in unserem Portemonnaie niederschlagen. Grundlage für die Berechnung der Inflationsrate ist ein Warenkorb, wie er typischerweise für einen durchschnittlichen Haushalt zusammengestellt wird. Doch die wenigsten von uns entsprechen dem Durchschnitt.Die wiederaufkeimende Inflation ist das beherrschende Thema in den Wirtschaftsnachrichten. Äusserst gefährlich ist sie, wenn sie aus dem Ruder läuft: Steigende Preise bringen die Gewerkschaften in Stellung, um subito höhere Löhne einzufordern, nur dass dann die Firmen die höheren Lohnkosten auf die Kunden abwälzen und die Preise erhöhen. Ökonomen nennen das die Lohn-Preis-Spirale.


    In einem inflationären Umfeld steigen auch die Mieten. Hauseigentümer, die eine langjährige Festhypothek abgeschlossen haben, wird das egal sein. Und Städtern, welche ausschliesslich mit dem subventionierten ÖV unterwegs sind, kümmert es wenig, wenn sich hohe Inflationsraten auch an den Tanksäulen bemerkbar machen.


    Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) hat kürzlich in einer Studie geschrieben, die Warenkörbe der ärmeren Haushalte würden sich langsamer verteuern als die der reicheren. Will heissen: Die Reichen litten stärker unter der Inflation als die Armen.


    Gemäss dem Ifo-Institut haben die Ausgaben fürs Benzin bei reicheren Haushalten einen höheren Anteil an den monatlichen Ausgaben als bei weniger reichen. Eine Aussage, die sich mit meiner zugegebenermassen unwissenschaftlichen Betrachtung nur schlecht verträgt.


    Abgesehen davon, dass Reiche grundsätzlich nichts zu jammern haben, wenn es um die Finanzen geht, ist die Aussage fragwürdig. So meinte ein deutscher Armutsforscher in der "Süddeutschen Zeitung": "Ich finde es perfide und paradox, wenn man Reiche zu Opfern der Inflation macht." Es sei unredlich zu sagen, einen Reichen treffe die Inflation stärker als einen Armen, nur weil er einen benzinfressenden SUV fährt statt einen Kleinwagen.


    Wenn wir schon Arm gegen Reich ausspielen wollen, so erinnere ich hier an Folgendes: Sollten wirklich überdurchschnittliche Inflationsraten eintreten, so ist das den Zentralbanken zu verdanken, die über die Jahre die Märkte mit billigem Geld überfluteten. Das Geld floss aber nicht in die Industrie, sondern in Aktien- und Immobilienmärkte, was an deren Preisentwicklung unschwer zu erkennen ist. Wer profitierte nun von dieser Entwicklung? Wohl kaum der Kleinsparer, bei dem die Gebühr für die Kontoführung den läppischen Zins mehr als wegfrisst. Oder wie der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn in seinem Buch "Die wundersame Geldvermehrung" schreibt: "Die Sparer verlieren durch die lockere Geldpolitik bereits ihre Zinsen und sehen ihrem Rentenalter mit Bangen entgegen."

    Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!