Deflation oder Inflation?

  • auch eine art deflation

    Für ihre Mandate erhielten die Baselbieter Regierungsräte teils horrende Geldbeträge. Was sie davon dem Kanton abliefern wollten, konnten sie weitgehend selbst bestimmen. http://bazonline.ch/basel/land…anzskandal/story/11701319


    Der Stadtrat von Olten hat an der Parlamentssitzung vom 24. Januar 2013 die Öffentlichkeit informiert, dass die Stadt Olten derzeit bei den Steuereinnahmen der juristischen Personen massive Ausfälle verzeichnet, die sich in den letzten Wochen und Monaten noch akzentuiert haben. http://www.olten.ch/de/portrai…n=showinfo&info_id=200549


    ich verstehe immernoch nicht wie jahrzehnte- oder jahrhundertalte gesetze zu gunsten von EU-firmen und gegen die eigenen städte verändert werden konnten.

  • Die Infla/Defla-Problematik zeigt diese Karrikatur eigentlich sehr schön:


    [Blocked Image: http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user3303/imageroot/2014/01/120140116_santiago2_0.jpg]



    Sicher, Debt-Deflation (also der Abbau von Schulden) ist schmerzhaft. Das gilt für Private wie für Staaten oder Banken. Der Sündenfall begann aber damit, dass unser System überhaupt so hohe Schulden zugelassen hat.


    Und die Antwort? Noch mehr Schulden machen, um die Altschulden zu bezahlen? Das kann's ja irgendwie auch nicht sein, oder?

  • MarcusFabian hat am 18.01.2014 - 13:36 folgendes geschrieben:

    "Unser System" ist sehr relativ.


    Es hängt eben sehr davon ab,wie man man die Regel im System anwendet.In der Schweiz haben wie ,dank Schuldenbremse (85% Zustimmung bei der Abstimmung) ,den Sündenfall der 90-Jahre behoben..!


    http://www.efd.admin.ch/dokume…m162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--


    Quote

    Und die Antwort? Noch mehr Schulden machen, um die Altschulden zu bezahlen? Das kann's ja irgendwie auch nicht sein, oder?

    Nein. Die Schweiz macht es ja vor,wie es mit einer eigenen Währung und starken Regeln, die von den WÄHLERN getragen wird,wunderbar geht.


    Der EURO ist einer der Hauptfehler der EU,wie auch dieses Tagi-Interview wieder schön aufzeigt.Man kann eben nicht verschiedene Regeln,Mentalitäten und Wirtschaftsysteme mit einer Währung bewältigen.Wenn der Schuldenschnitt der Griechen kommt...dann wird es im EU-Gebälk so richtig krachen.. :yes:


    http://www.tagesanzeiger.ch/wi…on-morgen-/story/15510229




    P.S:...die Parteiparolen zu dem einzigartigen Erfolgsmodell Schuldenbremse:


    Die Grünen (GPS) Nein


    Sozialdemokratische Partei (SP) Nein


    Föderativverband des Personals öffentlicher Verwaltungen und Betriebe Nein


    Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB) Nein



    http://www.parlament.ch/d/wahl…22001/Seiten/default.aspx


    :angel:




    weico

  • Versuchen wir die "Deflations-Gefahr" mal auseinander zu nehmen, zu differenzieren.


    Im Link von Weico wird sie im ersten Schritt definiert als

    Quote

    Die Risiken, die Deflation entfaltet, sind gut bekannt:

    Erstens das Risiko durch die Schaffung von Erwartungen, dass die Preise im nächsten Jahr noch niedriger sein werden, was Konsumenten veranlasst, das Konsumverhalten zu zügeln. Verschieben die Verbraucher Einkäufe, sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was auf die Preise weiteren Abwärtsdruck ausübt.

    Ich halte diese Erklärung nur zum Teil für richtig. Würde sie stimmen, hätte niemand von uns in den letzten 30 Jahren einen PC, Laptop, TV oder ein Handy gekauft, denn wir alle waren uns immer bewusst, dass wir in einem Jahr ein besseres Gerät zu einem günstigeren Preis bekommen werden.
    Auch bei den notwendigen Konsumartikeln wie Lebensmittel und Energie verzichten wir in Erwartung günstigerer Preise nicht auf den Kauf heute.

    Das heisst, die Regel gilt für die Konsumgüterindustrie sicher nicht.

    Anders sieht es bei Investitionsgütern aus. Also Immobilien, Autos, Möbel, Maschinen etc.
    Solange kein Kaufdruck herrscht (aka. "Ich muss das jetzt unbedingt sofort haben") kann und wird mit dem Kauf zugewartet. Und hier bin ich auch einverstanden mit dieser ersten Erklärung.

    Betrachten wir nun die zweite Erklärung:

    Quote

    Zweitens das Risiko, dass die fallenden Preise die reale Last der Schulden erhöhen. Wenn die Preise fallen, fallen auch die Einnahmen der öffentlichen Hand und der privaten Haushalte, während der Schuldendienst unverändert bleibt. Dies zwingt den privaten Sektor und die öffentliche Hand, einen höheren Anteil des Einkommens für die Bedienung der Schulden auszugeben.

    Vereinfacht übersetzt bedeutet das: "Wer zu lange über seine Verhältnisse gelebt, mehr ausgegeben als eingenommen und nun Schulden aufgebaut hat, muss den Gürtel enger schnallen und nun eine Zeit lang weniger ausgeben als er einnimmt, um die Schulden abzutragen." Das ist soweit nichts "aus dem Tierbuch". Dass darunter die übrige unschuldige Wirtschaft auch leidet, liegt auf der Hand. Dabei können wir "Wirtschaft" sogar wörtlich nehmen: Der Restaurant-Besitzer wird nun weniger an mir verdienen, wenn ich zwecks Abstottern meiner Schulden weniger auswärts essen gehe.

    Ist das eine Gefahr? Ja, ist es. Aber es stellt sich zwangsläufig die Frage nach gangbaren Alternativen. Sehr viele Möglichkeiten gibt es nicht. Listen wir sie mal auf:

    * Wirtschaftswachstum (aka: Ich kriege einen besser bezahlten Job, er es mir erlaubt, meine Schulden ohne Einbussen des bisherigen Konsumniveaus abzutragen).

    * Schuldenschnitt (aka: Verhandlung mit Gläubigern um eine Reduktion der Schulden).

    * Konkurs (= Schudenschnitt von 100%)

    * Inflation, Teuerung: Die Schulden bleiben nominal zwar bestehen, lassen sich aber mit weniger Aufwand abtragen.

    * Sparsamkeit, Austerität also Deflation genau im Sinne der zweiten Erklärung und am Beispiel Griechenlands und Spanien in der Praxis sehr gut zu beobachten.

    Ich bin absolut einverstanden, dass der letzte Punkt, die Austerität wie im Falle Griechenlands die mit Abstand schlechteste und schmerzhafteste Methode der Schuldenbereinigung ist. Vor allem auch deshalb, weil die massiven wirtschaftlichen Einschnitte (und damit meine ich in erster Linie die hohe Arbeitslosigkeit und weniger die sinkenden Preise) zu geringeren Einnahmen, Steuereinnahmen führen und somit das eigentliche Ziel, Überschüsse zu erzielen, um die Schulden abzubauen, negieren und verunmöglichen.

    Meine Schlussfolgerung daraus lautet deshalb:

    Wenn man Deflation als eine Verschlimmerung der Verschuldungssituation gemäss der zweiten Erklärung und meinem letzten Abschnitt definiert, bin ich absolut damit einverstanden, dass sie eine Gefahr darstellt.

    Die Definition hingegen, sinkende Preise seien grundsätzlich schlecht, lehne ich ab. Technischer Fortschritt, Produktivitätssteigerungen führen immer zu sinkenden Preisen und zwar durchaus im positiven Sinne, weil hier die breite Masse profitiert. Der Einzelne hat mehr Wohlstand für weniger Geld wenn ein PC (inkl. Drucker, Tastatur, Bildschirm, Maus) nur noch einen fünftel eines Monatseinkommens ausmacht und nicht - wie vor 20 Jahren - das Doppelte.

  • MarcusFabian hat am 18.01.2014 - 13:36 folgendes geschrieben:

    Quote

    Die Infla/Defla-Problematik zeigt diese Karrikatur eigentlich sehr schön:

    Naaa, was ist mit deinen QE-Treppchen-Karrikaturen?


    Das laufende QE wird früher oder später gestoppt. Danach kommt spätestens mit dem Laufzeitende der Wertpapiere der Verkauf



    MarcusFabian hat am 18.01.2014 - 16:03 folgendes geschrieben:

    Quote

    Versuchen wir die "Deflations-Gefahr" mal auseinander zu nehmen, zu differenzieren.


    Ich halte diese Erklärung nur zum Teil für richtig. Würde sie stimmen, hätte niemand von uns in den letzten 30 Jahren einen PC, Laptop, TV oder ein Handy gekauft, denn wir alle waren uns immer bewusst, dass wir in einem Jahr ein besseres Gerät zu einem günstigeren Preis bekommen werden.

    Auch bei den notwendigen Konsumartikeln wie Lebensmittel und Energie verzichten wir in Erwartung günstigerer Preise nicht auf den Kauf heute.

    Das heisst, die Regel gilt für die Konsumgüterindustrie sicher nicht.

    Eine typische Simplifizierung à la MF

    Der PC z.B. war ein strategischer Vorteil. Wer ihn hatte, konnte viele Arbeiten schneller erledigen, Fahrzeit sparen. mehrere Kunden bedienen, Remotesupport etc.

    Dank dem PC sind Preisvergleich erst so richtig in Mode gekommen.

    Neue TV's musste man fast zwangsläufig kaufen, weil die Technologie sich geändert hat. In einigen Regionen gibt es schon kein analoges Signal mehr.

    Man verzichtet vielleicht nicht auf den Kauf "heute". aber wenn man kauft, dann wählt man das günstigere Angebot. Und wenn man weiss, dass es in 2 Tagen nur die Hälfte kostet, dann verschiebt man den Kauf.

    Ich persönlich setzte auf Windows 9. Bis dahin müssen die XP's noch durchhalten.

    Ab 2016 rechne ich mit dem Durchbruch der Elektroautos. Bis dahin müssen es die Fahrzeuge noch tun.

    Ab 2017 wird OLED in der grossen Masse kommen. Ab dann werde ich vielleicht einen Wechsel in Betracht ziehen.

  • MarcusFabian hat am 18.01.2014 - 16:03 folgendes geschrieben:

    Quote
    Meine Schlussfolgerung daraus lautet deshalb:

    Wenn man Deflation als eine Verschlimmerung der Verschuldungssituation gemäss der zweiten Erklärung und meinem letzten Abschnitt definiert, bin ich absolut damit einverstanden, dass sie eine Gefahr darstellt.

    ...und eine gefährliche noch dazu.

    Sinkende Vermögenswerte (Häuser usw.) können manchem Schuldner das Genick brechen (Nachschusspflicht) und steigende Arbeitslosenzahlen eine drastische Auswirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft haben.Sinkende Vermögenswerte und sinkende Steuereinnahmen bedeuten dann sinkende Ausgaben des Staates (für die sozialen Belange wie Arbeitslosengeld,Renten usw.) . Falls der Staat nicht an diesen Belangen sparen will ,dann bleibt im nur eine zusätzliche Verschuldung übrig,mit den bekannten Konsequenzen.

    Quote

    Die Definition hingegen, sinkende Preise seien grundsätzlich schlecht, lehne ich ab. Technischer Fortschritt, Produktivitätssteigerungen führen immer zu sinkenden Preisen und zwar durchaus im positiven Sinne, weil hier die breite Masse profitiert. Der Einzelne hat mehr Wohlstand für weniger Geld wenn ein PC (inkl. Drucker, Tastatur, Bildschirm, Maus) nur noch einen fünftel eines Monatseinkommens ausmacht und nicht - wie vor 20 Jahren - das Doppelte.

    Es redet niemand darüber,dass sinkende Preise GRUNDSÄTZLICH für JEDEN schlecht sind. Wer praktisch Schuldenfrei ist,(Geld)Vermögen und dazu gesicherte Lebenseinkünfte hat,für den ist die Deflation ein Paradies und eine Schnäppchenzeit.


    Ich persönlich,der die deflationäre Tendenz ja schon LANGE anrollen sieht , bin daher bestens für diese Zeit gewappnet und freue mich sehr darauf.


    Ich freue mich aber weniger darüber, dass Konsumgüter wie PC,TV oder Handy-Preise sinken,sonder eher daran,dass am Markt dann wieder genügend Investitionsgüter wie "Mehrfamilienhäuser-Schnäppchen" usw. auftauchen werden.... :oops:


    weico

  • wIE misst man/frau Inflation bzw. Deflation. Ein Warenkorb, dessen Warenpreise reg. beobachtet werden? Macht das Sinn? In einer Zeit wo Waren eine Verfallszeit von ein paar Wochen/Tagen haben? In einer Zeit wo Waren auf ihre Bestandteile seziert und als neue Waren bzw. Dienstleistungen plötzlich extra kosten? .......der Index kann gar nicht so schnell angepasst werden, wie sich der relevante Warenkorb bzw. die relevanten Waren darin ändern.


    Als Beispiel wird immer mal das "Bankkonto" herangezogen. Vor 40 Jahren war ein solches völlig gratis inkl. Sparbüchli und Nachführung desselben, Zahlungsverkehr, Steuerauszüge etc. alles gratis. Die ersten Kredit- und EC-Karten waren gratis, an allen Automaten (auch wenns zu Beginn nur wenige gab). Dann irgendwann vor etwa 30 Jahren begannen die ersten Banken für's Konto eine Pauschalgebühr zu verlangen. Später kamen sep. Gebühren für die EC Karte dazu. Die Post führte für Einzahlungen eine Gebühr ein, Geldbezug an Fremdautomaten kostet plötzlich...wollt ihr noch mehr lesen? .....keiner dieser neuen Waren bzw. Dienstleitungen, fand je Niederschlag im Warenkorb. Man kann nur spekulieren, wie der Index aussehen würde, wenn man all dies ein beziehen könnte. Schätzungen gehen davon aus, dass dies einer jährlichen Inflationsrate von rund 3% p.a. in den letzten 10 Jahren gleichkämme. Bei im gleichen Zeitraum stagnierenden Löhnen kommt dies einem mächtigen Kaufkraftschwund aller Lohnempfänger (von ein paar Abzockern abgesehen) gleich kommt. Dies zeigt sich auch in der gesunkenen Sparquote und gestiegenen Verschuldung der Haushalte.


    Für Schuldner ist diese Situation besonders schlimm. Die müssen froh sein, wenn sie ihre Zinsen zahlen können. An Amortisationen - und bei Häuslebesitzern an das Zurücklegen von angemessenen Abschreibungen - ist nicht mehr zu denken. Schuldner im Speziellen - und die gesamte wachstumsorientierte Wirtschaft im Allgemeinen brauchen hohe Inflationsraten - gleichbedeutend mit höheren Einkommen. Nur so können sie amortisieren und nur so können die freigesetzten Mittel für neue Investitionen eingesetzt werden. Die aktuelle Tiefzinspolitik der Zentralbanken ist angesichts dieser Tatsachen ein Verbrechen an der Gesellschaft. Sparer sollten mindestens 3% und mehr erhalten....auf dem Sparkonto!


    Fine-Tuner

  • Fine-Tuner hat am 19.01.2014 - 17:51 folgendes geschrieben:

    Quote

    wIE misst man/frau Inflation bzw. Deflation. Ein Warenkorb, dessen Warenpreise reg. beobachtet werden? Macht das Sinn?

    Für mich persönlich macht es keinen Sinn. Ich wohne faktisch gratis. Das kann man gegenüber den Kosten zu Zeiten meiner Eltern in Prozenten schon nicht mehr ausdrücken.


    Meine Telefonskosten und Spesen sind ein Bruchteil gegenüber den 90er Jahren.


    Der Verbrauch der Geräte wird immer weniger, die Autos immer sparsamer. Autos mussten früher alle 5'000 Kilometer in der Service, heute bestenfalls alle 25'000 Kilometer.



    Es ist abzusehen, dass ich irgendwann auch noch Strom verkaufen werde und zusätzlich mein Autos gratis auflade.



    Es bleiben dann noch irgendwelche Spesen, Gebühren und die Krankenkasse.

  • Geringe Inflation als Gefahr für Weltwirtschaft

    Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in dem nachlassenden Preisdruck in Industrieländern wie Deutschland eine Gefahr für das Wachstum der Weltwirtschaft.


    Aus der niedrigen Inflation - insbesondere in der Euro-Zone - könne schnell eine Deflation werden, warnte der Fonds am Dienstag. Ein solcher Preisverfall auf breiter Front ist wirtschaftlich gefährlich, weil Unternehmen dann weniger investieren und sich auch die Konsumenten zurückhalten. In seiner neuen Prognose rechnet der IWF aber noch mit einer Beschleunigung des globalen Wachstums auf 3,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr, nachdem es 2013 voraussichtlich drei Prozent waren. Für Deutschland erhöhte der Fonds seine Schätzungen leicht auf 1,6 Prozent für 2014 und 1,4 Prozent für 2015.


    "Die Erholung gewinnt an Kraft. Aber es ist noch viel zu tun", beschrieb IWF-Chefökonom Olivier Blanchard die Lage. Die Weltwirtschaft sei noch nicht über den Berg. Immerhin bescheinigte der Fonds der Euro-Zone aber, den Wendepunkt von der Rezession in eine Erholungsphase geschafft zu haben. Die Impulse für das weltweite Wachstum kommen nach Auffassung der Experten inzwischen wieder stärker aus den Industrieländern. Davon profitierten dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer.


    IWF für lockere Geldpolitik


    Eindringlich warnte der Fonds die Industrieländer davor, die geldpolitischen Zügel zu früh wieder anzuziehen und damit die Phase des extrem billigen Geldes abrupt zu beenden. Eine konjunkturstützende Geldpolitik bleibe noch nötig, auch wegen der Deflationsgefahr. Mit einem US-Leitzinsanstieg rechnet Blanchard erst im kommenden Jahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle sogar noch über zusätzliche Massnahmen nachdenken, um die Nachfrage zu stützen und der Finanzbranche zu helfen.


    Auch wenn der globale Wachstumsausblick des IWF gegenüber der letzten Schätzung im Oktober nur minimal anders ausgefallen ist, verbergen sich hinter den Daten erhebliche Verschiebungen. So rechnet der Fonds beispielsweise für die USA mit einem Sprung von 2013 auf 2014 von fast einem Punkt auf 2,8 Prozent. Doch für das kommende Jahr ist er mit 3,0 Prozent deutlich weniger zuversichtlich als bei seiner letzten Prognose, als noch ein Plus von 3,4 Prozent erwartet wurde. Grund ist die zurückhaltendere Finanzpolitik der US-Regierung.


    Euro-Zone im Aufwind


    Für die Euro-Zone erwartet der IWF nach der langen Rezession nun Wachstumsraten von 1,0 und 1,4 Prozent in diesem und im nächsten Jahr - jeweils 0,1 Punkte mehr als im Oktober geschätzt. Für Deutschland setzte der Fonds seine Prognosen ebenfalls geringfügig um 0,1 und 0,2 Punkte herauf.


    Der Primus in Europa ist wohl Grossbritannien. Der Fonds erhöhte seine Schätzungen für das Vereinigte Königreich für 2014 um 0,6 Punkte auf 2,4 Prozent und für 2015 um 0,2 Punkte auf 2,2 Prozent. Auch die Aussichten für das Euro-Krisenland Spanien haben sich nach Einschätzung der Experten in Washington deutlich aufgehellt.


    Für die Wachstumslokomotive China ist der IWF inzwischen wieder etwas zuversichtlicher. Das Plus der dortigen Wirtschaft sollte mit 7,5 Prozent in diesem Jahr und 7,3 Prozent im nächsten Jahr etwas höher liegen als noch im Herbst geschätzt. Dennoch ist der Trend nach einem Zuwachs von 7,7 Prozent in 2013 negativ.


    Der Welthandel dürfte nach Analysen des Fonds - eine schlechte Nachricht für Deutschland - in den kommenden Jahren deutlich weniger stark zulegen als bisher angenommen. Dennoch sei hier noch eine Beschleunigung auf 4,5 Prozent in diesem Jahr und 5,2 Prozent im nächsten Jahr nach nur 2,7 Prozent in 2013 zu erwarten.


    http://www.cash.ch/news/front/…eltwirtschaft-3163916-449

  • Elias hat am 19.01.2014 - 12:28 folgendes geschrieben:

    Quote

    MarcusFabian hat am 18.01.2014 - 13:36 folgendes geschrieben:

    Naaa, was ist mit deinen QE-Treppchen-Karrikaturen?

    Ich halte die Grafik deshalb für sehr aussagekräftig, weil sie sehr schön die Reflation zeigt:


    Einerseits der deflationäre Druck in Form von Schuldenabbau, Sparwut, Risk-Off, mangelnde Kreditvergabe an alles, was nicht Staat oder Bank ist und vor allem in Form von niedriger Umlaufgeschwindigkeit des Geldes


    Andererseits der Versuch der Zentralbanken das abfliessende Geld bzw. die niedrige Umlaufgeschwindigkeit künstlich durch neu gedrucktes Geld, durch Stimulus-Programme auszugleichen. ==> Reflation


    Ich weiss nicht, was genau Dich an diesem Bildchen stört aber ich finde das Bild mit dem löchrigen Eimer, wo unten Wasser rausfliesst und oben immer fleissig nachgeschüttet wird, bringt es sehr genau auf den Punkt.

  • MarcusFabian hat am 21.01.2014 - 18:20 folgendes geschrieben:

    Quote
    Ich weiss nicht, was genau Dich an diesem Bildchen stört aber ich finde das Bild mit dem löchrigen Eimer, wo unten Wasser rausfliesst und oben immer fleissig nachgeschüttet wird, bringt es sehr genau auf den Punkt.

    Der Punkt ist der: es wird eben nicht einfach nu Wasser hinein geschüttet, sondern die Notenbanken tauschen etwas. Die FED kauft etwas, was sie wieder verkaufen kann und erhält für die Wertpapiere Zinsen.


    Wo wird das in der Karikatur abgebildet?



    Die Karikatur zeigt das, was dir gefällt und dich amüsiert, aber nicht das, was wirklich passiert.

  • «Die erhöhte Nervosität kommt erst im zweiten Halbjahr»

    Ohne Inflationsgefahr bleibt Gold schwach.
    Fundamental spricht wenig für Gold (Gold 1241.1 -0.14%): Wir haben steigende Realzinsen, nach unten sich anpassende Inflationserwartungen und dazu einen Abfluss aus Rohstofffonds.
    Warum ist eine Unze Gold denn noch ­immer 1250 $ wert?
    China kauft zunehmend Gold, um die Währungsreserven zu diversifizieren. Das reicht nicht aus, um den Goldpreis nach oben zu treiben, aber es wirkt wie eine Hand, die unten aufgehalten wird und den weiteren Fall verhindert.


    Die Gefahr der Deflation ist in Ihren Augen reeller als diejenige der Inflation?
    Deflationsbefürchtungen werden den Markt weiter beschäftigen, gerade in der Eurozone, die immer noch mit der Entschuldung im Bankensystem und bei den Haushalten konfrontiert ist. Mit Japan ­haben wir ein weiteres Land, das – durch die Yenabwertung – Deflation in die Welt ­exportiert. Aber das Thema sollte zunehmend in den Hintergrund treten. Die Konsumentenpreisinflation ging in Euroland zwar deutlich zurück, das hatte aber vor allem mit den rückläufigen Energiepreisen und technischen Effekten durch das Herausfallen der Mehrwertsteuererhöhung im Süden zu tun. Die Kerninflationsrate ohne Energie- und Lebensmittelpreise verhält sich stabiler.


    Japan steckt seit fast zwei Jahrzehnten in der Deflation. Wird Premier Shinzo Abe den angesagten Kampf gegen die Deflation und wirtschaftliche Stagnation gewinnen?
    Da bin ich eher skeptisch. Letztlich ist das Problem ein demografisches. Kann in ­diesem Umfeld ein inflationärer Prozess über Geld- und Fiskalpolitik losgetreten werden? Ich glaube, nein. Beispiel Im­mobilienmarkt: Wenn die Bevölkerung schrumpft, stehen die Wohnungen einfach leer. Das erschwert das Steigen von Mieten und Preisen.


    Was ist die Konsequenz?
    Man wird den Prozess weiter anfeuern wollen und versuchen, mit noch offeneren Geldschleusen den Yen weiter zu schwächen. Damit importiert Japan immer mehr Inflation in der Hoffnung, dass die Bevölkerung auch höhere Löhne fordert. Wenn sich dann herausstellt, dass es nicht klappt und das Wachstum immer schwächer und die Fiskalpolitik noch ­expansiver wird, laufen wir auf die nächste grosse Schuldenkrise zu. :bye: Aber das ist 2014 noch kein Thema.


    Inflation kann man bekämpfen, aber nicht herbeizaubern. Stimmt das?
    Die Zentralbanken sind Opfer ihres eigenen Erfolgs. Nach jahrelanger erfolgreicher Fokussierung auf Preisstabilität sind die Inflationserwartungen fest verankert. Wenn niemand an Inflation glaubt, ist es schwierig, sie mit Geldpolitik herbeizuführen. Letztlich kann die Inflation nur steigen, wenn das Wachstum kräftig ist und die Kapazitäten ausgelastet sind.


    http://www.fuw.ch/article/die-…erst-im-zweiten-halbjahr/

  • Schwache Inflation setzt EZB unter Druck

    Der überraschend schwache Preisauftrieb im Euroraum könnte die Europäische Zentralbank zu einer abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik zwingen.


    Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat vom Freitag sank die Inflationsrate im Januar von 0,8 Prozent im Dezember auf 0,7 Prozent. Der Rückgang kam überraschend, Bankvolkswirte hatten mit einem Anstieg auf 0,9 Prozent gerechnet.


    Die Inflationsrate entfernt sich damit erneut vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese strebt mittelfristig eine deutlich höhere Rate von knapp zwei Prozent an, weil sie diese als Garant für stabile Preise ansieht. EZB-Chef Mario Draghi hatte deswegen nach der jüngsten Ratssitzung Anfang Januar klargestellt, dass die Notenbank im Falle eines sich verschlechternden Inflationsausblicks handeln werde. Draghi unterstrich, die EZB müsse ihr Ziel stabiler Preise in beide Richtungen verteidigen - also sowohl nach oben wie nach unten.


    Wie reagiert die EZB?


    Ausschlaggebend für die schwächere Inflation sind den Daten zufolge vor allem rückläufige Energiepreise. Verglichen mit einem Jahr zuvor lagen sie im Januar 1,2 Prozent tiefer. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln leicht ab. Ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak zog die Inflation indes leicht an. Diese sogenannte Kernrate stieg von dem im Dezember erreichten Rekordtief um 0,1 Punkte auf 0,8 Prozent.


    Wie die Notenbank auf die rückläufige Inflation reagieren könnte, gilt als ungewiss. Beobachter nennen mehrere Möglichkeiten, diese reichen von einer zusätzlichen Zinssenkung über weitere langfristige Geldspritzen für die Banken bis hin zu breitangelegten Wertpapierkäufen im Stil der US-Notenbank Fed. Allerdings gilt der politische Widerstand gegen eine derartige quantitative Lockerung als hoch,vor allem in Deutschland.


    Schwache Geld- und Kreditentwicklung


    Die EZB ist gegenwärtig zwar der Meinung, dass die Preisrisiken per Saldo ausgewogen sind - also weder nennenswerte Inflation noch Deflation drohe. Allerdings sieht sie auch Gefahren, insbesondere in der schwachen Wirtschaftsentwicklung und dem entsprechend schwachen Wachstum der Geld- und Kreditaggregate. Dies bestätigten jüngste Zahlen vom Mittwoch: Das Geldmengenwachstum, das der Konjunktur zumeist vorausläuft, war im Dezember auf ein Dreijahrestief gefallen. Die Kreditvergabe der Banken an Verbraucher und Unternehmen ist so schwach wie nie zuvor.


    Beobachter führen die Entwicklung zum einen auf die konjunkturell bedingt schwache Nachfrage nach Bankkrediten zurück. Als wichtiger Grund gilt aber auch die nach wie vor angespannte Lage im Bankensektor. Nicht zuletzt wegen des anstehenden Stresstests der EZB halten sich viele Banken mit der Kreditvergabe eher zurück. Zumal Kredite an Verbraucher und Unternehmen in angeschlagenen Euroländern als vergleichsweise riskant gelten.


    Volkswirte der Commerzbank sehen darin einen entscheidenden Grund, warum die Kreditzinsen in südeuropäischen Ländern wie Italien oder Spanien immer noch deutlich höher liegen als etwa in Deutschland oder Frankreich. Dies lastet insbesondere auf kleinen und mittelgrossen Unternehmen, denen der Zugang zu alternativen Kreditquellen wie der Ausgabe von Anleihen meist verschlossen bleibt.


    http://www.cash.ch/news/front/…b_unter_druck-3167792-449

  • «Deflation ist eine grosse Gefahr für Europa»

    Barry Eichengreen, Wirtschaftshistoriker in Berkeley, warnt im Interview mit der FuW davor, die Eurokrise als beendet zu betrachten.


    Ist das denn so schlimm? Die Peripherie­länder brauchen doch Deflation, wenn ihr Lohn- und Preisniveau sinken soll.
    Das mag für die Peripherie stimmen, aber nicht für die Eurozone als Ganzes. Wenn in der gesamten Währungsunion Deflation herrscht, bedeutet das einen Abfall der aggregierten Nachfrage. Im Kern der Währungsunion, vor allem in Deutschland, müsste etwas mehr Inflation herrschen, um die Deflation an der Peripherie auszugleichen. Fällt die Eurozone in eine Deflation, wird das angesichts der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung zu einem Rückfall in die Rezession und in die Krise führen.


    http://www.fuw.ch/article/defl…grosse-gefahr-fur-europa/

  • Die wundersame Heilkraft der Inflation in Grossbritannien

    Grossbritanniens Wirtschaft hat in der Finanzkrise mehr gelitten als jene der USA und die Inflation war höher, doch die Arbeitslosigkeit war deutlich geringer. Ein Lehrstück in überraschenden wirtschaftlichen Zusammenhängen.


    In Grossbritannien ist die Wirtschaft im Zuge der Finanzkrise gemessen am Bruttoinlandprodukt deutlich stärker eingebrochen als in den USA, zudem verläuft auch die Erholung bei den Briten viel schleppender als bei den Amerikanern. Doch trotz der besseren wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ist die Arbeitslosigkeit dort deutlich stärker angestiegen. Die unten stehende Grafik verdeutlicht das anhand einer indexierten Entwicklung aller Grössem mit dem Wert 100 Ende 2007. Quelle ist der britische «Economist». Einem Artikel in der immer lesenswerten Rubrik «Free Exchange» der Zeitschrift verdankt sich auch dieser Blogbeitrag.


    [Blocked Image: http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/wp-content/uploads/sites/11/2014/02/GB-US-Unempl-gdp.jpg]


    Wie kann es sein, dass ausgerechnet jenes Land bei der Arbeitslosigkeit besser wegkommt, dessen Wirtschaft sehr viel stärker gelitten hat? Eine gängige Erklärung dafür liefert das so genannte Produktivitäts-Rätsel («Productivity Puzzle») Grossbritanniens. Der Einbruch der Gesamtnachfrage wurde in Grossbritannien durch eine ungewöhnlich geringe Produktivität begleitet. Die (Arbeits-)Produktivität misst den Output pro geleistete Arbeitseinheit – also pro Stunde oder pro Beschäftigten.


    Ganzer Beitrag http://blog.tagesanzeiger.ch/n…ation-in-grossbritannien/

  • Droht Europa ein japanisches Szenario?

    Wie eine Art Schreckgespenst taucht das Schlagwort Deflation in den vergangenen Jahren immer wieder in den Medien auf. Zuletzt ist das böse «D-Wort» wieder in aller Munde geraten, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang November dieses Jahres die Leitzinsen auf rekordtiefe 0,25% gesenkt hat. Im Oktober ist die Inflationsrate in der Euro-Zone relativ deutlich auf 0,7% gefallen. Gerade in Euro-Peripherieländern wie Spanien, Portugal, Griechenland und Irland lagen die Inflationsraten im Oktober im negativen Bereich. Dies schürt Ängste, diese Länder – oder gar die ganze Euro-Zone – könnten vor einem ähnlichen wirtschaftlichen Szenario wie Japan stehen. Dort war Deflation seit den 1990er Jahren bis vor kurzem Realität.

    Vernichtung von Wohlstand

    In einer Deflation schrumpft die Geldmenge, und die Preise sinken. Es gilt, zwischen einer «guten» und einer «bösen» Deflation zu unterscheiden. Bei einer «guten» Deflation kommen Kaufkraftgewinne durch eine höhere Produktivität zustande, eine «böse» Deflation ist hingegen mit Überkapazitäten, steigender Arbeitslosigkeit und einer Vernichtung von Wohlstand verbunden. Firmen und Konsumenten bauen Schulden ab, und die Banken sind zurückhaltend bei der Vergabe von Krediten. Im schlimmsten Fall entsteht eine Negativspirale, die eine Volkswirtschaft über einen langen Zeitraum hinweg lähmt.


    Das wohl bekannteste Beispiel für eine tiefgehende Deflation ist die Weltwirtschaftskrise, die 1929 in den USA ausbrach, in eine Depression mündete und praktisch die ganze Welt erfasste. In der Folge brachen die Aktienmärkte ein. Gemäss der Encyclopedia Britannica fiel beispielsweise das amerikanische Leitbarometer Dow Jones Industrial Average von seinem Rekordstand im September 1929 bei 381 Punkten auf 41 Zähler im Juli 1932 – ein Rückgang um 89%.


    Ein weiteres Beispiel für eine gleichwohl mildere Deflation ist Japan. Seit dem Platzen einer Immobilienblase Anfang der 1990er Jahre steckt das Land in der Krise. Der japanische Börsen-Leitindex Nikkei 225 stürzte in der Folge von seinem Höchststand von 38 916 Punkten im Jahr 1989 vorübergehend auf unter 8000 Punkte ab. Am Freitag lag er bei 15 730 Punkten.

    Geldpolitische Notprogramme

    Bruno Gisler von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Aquila sieht den Grund für die derzeitige extrem expansive Geldpolitik darin, dass die Zentralbanken – allen voran die amerikanische Federal Reserve (Fed) – eine Heidenangst vor einem solchen Szenario haben. Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits 2002 in seiner berühmten Rede «Deflation: Making Sure ‹It› Doesn't Happen Here» angekündigt, bei der Bekämpfung dieses Phänomens alle Register zu ziehen. Auch wenn die Leitzinsen bei null seien, werde der Notenbank nicht die Munition ausgehen, sagte er damals. Und in der Tat bekämpft das Fed nun das Deflationsgespenst mit allerhand neuen Methoden. So kauft die Zentralbank derzeit jeden Monat Staatsobligationen und Hypothekenpapiere im Volumen von 85 Mrd. $ auf – und schafft damit Geld aus dem Nichts –, um die Krise zu bekämpfen. Andere führende Notenbanken ziehen nach. Die Bank of Japan schickt sich gerade an, das Fed beim Gelddrucken noch zu übertrumpfen – sie will die monetäre Basis verdoppeln und so eine Inflation von 2% erreichen. Darin sieht sie ein Mittel, aus der jahrzehntelangen Deflation herauszukommen.

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    Gisler ist indessen skeptisch, dass dies gelingen wird. Letztlich könne genau dieses Gelddrucken sogar eine Deflation erst herbeiführen, da sie zu einer erheblichen Fehlallokation von Kapital führe. Die Notenbanken seien in den vergangenen Jahren von Währungshütern zu Wirtschaftsplanern mutiert, und mit jedem Tag der Fortführung ihrer aggressiven Geldpolitik steige die Wahrscheinlichkeit einer Deflation. Schliesslich sorge die expansive Geldpolitik dafür, dass die Renditedifferenzen die Risikoaufschläge der Anlagen nicht mehr wiedergäben.


    Die Fehlallokation führe zur Bildung von Blasen bei Vermögenswerten, die irgendwann platzen müssten. Welche Formen dies annehmen könne, habe sich in der Weltwirtschaftskrise oder zuletzt in der Krise der Jahre 2008 und 2009 gezeigt. Der Schuldenabbau des Privatsektors führe zu einer realwirtschaftlichen Abwärtsspirale, und bei der nächsten Krise könnten die Industriestaaten diesen nicht noch einmal durch den Aufbau eigener Schulden ausgleichen. Immer neue geldpolitische Notprogramme dürften höchstens eine marginale Wirkung entfalten, von daher sei die Gefahr einer Deflation mittelfristig nicht von der Hand zu weisen.

    Schwierige Zeiten für Anleger

    Christof Reichmuth, Chef der Luzerner Bank Reichmuth, rechnet hingegen nicht damit, dass die Euro-Zone in eine Deflation fällt. Er geht davon aus, dass sich der Ausbruch einer Deflation durch eine expansive Geldpolitik verhindern lässt. Allerdings werde eines Tages für das exzessive Gelddrucken die Rechnung präsentiert – mit höheren Inflationsraten.


    Analytiker der Credit Suisse halten den Ausbruch einer Deflation japanischer Art in Europa ebenfalls für unwahrscheinlich, wie sie Anfang November schrieben. Erstens sei der Vorkrisenboom in Europa nie so ausufernd gewesen wie in Japan. Zweitens habe Japan seit dem Platzen der Blase ein sehr hohes Beschäftigungsniveau gehalten, allerdings auf Kosten einer beharrlichen Lohndeflation. Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone sei zwar hoch, doch es sei weniger wahrscheinlich, dass die Löhne der Beschäftigten fielen. Auch seien die politischen Entscheidungsträger sehr auf der Hut vor einer Wiederholung des japanischen Szenarios. Der wahre Test komme 2014 – könne Europa das Problem seiner maroden Banken nicht lösen, nehme die Gefahr eines Japan-Szenarios zu.


    Für Geldanleger wäre eine solche Entwicklung denkbar schlecht. Aus Sicht von Gisler ist Deflation für Investoren wohl das unwirtlichste Szenario überhaupt. Theoretisch wäre es dann wohl am besten, Bargeld zu halten und nicht zu investieren. Allerdings wäre dies aufgrund der Instabilität des Finanzsystems, die eine Deflation mit sich bringt, auch gefährlich. Zudem drohten bei Obligationen Ausfälle, mit Bonds in Topqualität sei man aber wohl gut beraten. In der Weltwirtschaftskrise und der japanischen Deflation haben Anleger mit Aktien und Immobilien viel Geld verloren. Aus Sicht von Gisler ist es trotzdem nicht auszuschliessen, dass man auch in einem solchen Szenario am Ende am besten mit Aktien fahre.


    Japanische Anleger hatten in den zwei Jahrzehnten der Deflation mit Anlagen in lang laufenden Obligationen gute Karten. Reichmuth weist aber darauf hin, dass dies nur in einem Land funktioniere, das sein eigenes Geld druckt. Da dies die südeuropäischen Euro-Staaten nicht mehr können, bestünden bei der Anlage in Staatsanleihen dieser Länder erhebliche Risiken.

    http://www.nzz.ch/finanzen/akt…sches-szenario-1.18195982

  • Von guter und schlechter Deflation

    In wichtigen Regionen der industrialisierten Welt beträgt die Inflation nur rund 1 Prozent. Investoren fürchten sich vor den Folgen einer Deflation.

    Immer wieder sind an den Finanzmärkten Warnungen zu hören, die Industrieländer seien mit dem Risiko einer hartnäckigen Deflation konfrontiert. Die Notenbanken trügen dieser Gefahr aber nicht ausreichend Rechnung oder ignorierten sie sogar bewusst. Dabei müssten sie mit einer expansiveren Geldpolitik auf die schwache Erholung der Weltwirtschaft reagieren. In der Tat herrschen in wichtigen Regionen der industrialisierten Welt niedrige Inflationsraten. Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone sowie in Japan haben sich diese der Marke von ungefähr 1% genähert.

    Fast ausgestorbene Spezies

    Allerdings ist diese Konvergenz der Teuerungsraten aus unterschiedlichen Richtungen zustande gekommen. Während in den USA und in der Euro-Zone ein Trend der Disinflation bzw. einer sinkenden, aber noch immer positiven Inflationsrate besteht, ist in Japan eine mehrjährige Phase mit fallenden Preisen einer moderaten Inflation gewichen. Tatsächlich ist Japan das einzige Industrieland, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Phasen der Deflation durchlebt hat – definiert als eine Folge von mindestens drei Jahren mit sinkenden Preisen.


    Brain Reading von Lombard Street Research hat die seit 1950 verfügbaren Inflationsstatistiken nach Episoden mit sinkenden Preisen durchsucht. Nur weniger als 7% der über 7500 ermittelten Daten waren negativ. Mit Ausnahme von Japan fanden alle Deflationsphasen ausserhalb der industrialisierten Welt statt. Und da in Japan die Wirtschaftsleistung pro Kopf weitgehend nicht geschrumpft ist, spricht Reading den beiden japanischen Episoden den Charakter einer echten Deflation ab. Seit 80 Jahren sei diese somit eine fast ausgestorbene Spezies.

    Innovation als Preisbremse

    Die Gründe für die herrschenden niedrigen Inflationsniveaus sind für die verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. Für Mickey Levy, Chefökonom der Bank of America, ist in den USA die sinkende Inflation zu einem überwiegenden Teil die Folge von technischer Innovation, Verbesserung von Produktdesign und -qualität, intensiverem Wettbewerb und erhöhter Vertriebseffizienz durch das Internet: All dies hat das wirtschaftliche Potenzial erhöht. Charlie Dreifus vom US-Kapitalverwalter The Royce Funds bezeichnet die USA als Oase im globalen Meer von Problemen, wozu die günstige Energie beitrage.


    Im Gegensatz zu der als positiv zu wertenden Disinflation in den USA (oder Deflation, falls sich der Preistrend fortsetzt) ist in der Euro-Zone eine eher als negativ zu beurteilende Entwicklung eingetreten. Hier sieht Levy als entscheidenden Faktor für die abnehmende Inflation einen weiteren Druck auf die Produktpreise, der von einer schwachen Inlandnachfrage ausgeht. Ausserdem bremsten der flaue Arbeitsmarkt und der Widerwille gegenüber Reformen. Der Weg zu einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung sei noch lang.

    Kontraproduktive Lockerung

    Wiederum anders präsentiert sich die Lage in Japan. Das nominale Bruttoinlandprodukt sei kaum höher als 1991 und deutlich geringer als das in der Zwischenzeit erreichte Hoch. Levy sieht den Grund dafür in einer Kombination von unzureichender Gesamtnachfrage als Folge einer fehlgeleiteten Geld- und Bankenpolitik sowie einer Vielzahl von regulatorischen Massnahmen, die das Wachstum bremsen; hinzu kommt die schrumpfende Arbeitsbevölkerung.


    Je nachdem, ob Disinflation bzw. Deflation durch das Wachstum stärkende Kräfte wie Innovationen oder durch bremsende Einflüsse wie eine Nachfrageschwäche entsteht, muss die politische Antwort anders ausfallen. Mit Blick auf die Euro-Zone wird in Marktkreisen diskutiert, ob und wie die Europäische Zentralbank (EZB) eine aggressivere Geldpolitik durchführen sollte. Die komplexe rechtliche Situation schliesse gegenwärtig den Erwerb von Staatsanleihen über das OMT-Programm der EZB aus. Eine quantitative Lockerung (QE) in Form von Käufen einer breiten Palette solcher Papiere könnte dagegen machbar sein, meint Harvinder Sian von RBS.


    Die Société Générale warnt dagegen vor einer QE, da sie den Druck für Restrukturierungen mindere. Ähnlich betont der Kommentator George Magnus, dass eine expansivere Geldpolitik den Zwang zum «Re-balancing» der Wirtschaft abbaue.


    http://www.nzz.ch/finanzen/ueb…hter-deflation-1.18249753