Vorsorge

  • Welches ist das ideale Alter zum freiwilligen Pensionskasseneinkauf?


    Mit dem freiwilligen Einzahlen in die Pensionskasse kann die Steuerlast deutlich gesenkt werden. Doch ab wann soll man dies in Angriff nehmen? Und was muss dabei beachtet werden? Ein Überblick.


    01.05.2022 18:10


    Von Manuel Boeck


    Das freiwillige Einzahlen von Geldern in die Pensionskasse darf man in der Schweiz vom steuerbaren Einkommen abziehen. Dabei ist der Steuerspareffekt dann am grössten, wenn das Einkommen am höchsten ist. Im Normalfall ist dies bei vielen Erwerbstätigen in den Jahren vor der Pensionierung der Fall - also ab dem 50. Altersjahr.


    Voraussetzung für solche freiwilligen Einkäufe ist eine so genannte Beitragslücke, die durch jede Lohnerhöhung vergrössert wird. Denn die Altersrente, die Versicherte für die bisher einbezahlten Pensionskassenbeiträge bekommen, entspricht nach der Lohnerhöhung nicht mehr den neuen Einkommensverhältnissen. Das steigende Einkaufspotenzial sollte in der Regel im Pensionskassenausweis vermerkt sein, den Beitragspflichtige der 2. Säule alljährlich von ihrer Pensionskasse erhalten.


    Die steuerliche Einsparung kann einen beträchtlichen Betrag ausmachen. Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent - von jedem verdienten Franken gehen 25 Rappen an die Steuern - spart man bei einer freiwilligen Einzahlung von 10'000 Franken in die Pensionskasse 2500 Franken Steuern. Der jährlich einzahlbare Maximalbetrag ist je nach Pensionskasse unterschiedlich hoch.


    Für Ehepaare lohnt sich ein freiwilliger Einkauf in die Pensionskasse zudem meist noch mehr als für Einzelpersonen. Dies, weil sie gemeinsam besteuert werden und sie ihre Steuerlast so noch mehr reduzieren können.


    Wann soll die freiwillige Einzahlung in die Pensionskasse erfolgen?


    "Je nachdem, wie gross die Beitragslücke in der Pensionskasse ist, lohnt es sich bereits früh, die freiwillige Einzahlung in Angriff zu nehmen", sagt Pensionskassenexperte André Tapernoux gegenüber cash.ch. Denn in der Regel sei es finanziell attraktiv, die Einzahlungen über mehrere Jahre zu verteilen, um damit die grösstmöglichen Steuerersparnisse zu erzielen. So kann die Steuerprogression über längere Zeit effizient gebrochen werden.


    Tapernoux vom Vorsorgeberater Keller Experten rät dann auch, sich rechtzeitig vor der Pensionierung mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dies gelte umso mehr, wenn jemand im letzten Lebensabschnitt das Arbeitspensum reduzieren will. "Die Einkaufsmöglichkeit nimmt ab, wenn weniger verdient wird", so der Experte. Das gleiche gelte, wenn die Kasse überdurchschnittlich hohe Verzinsungen zwischen 4 und 8 Prozent auf dem angesparten Kapital ausschüttet. Dann steigen die Leistungen und der Einkaufsbedarf sinkt.


    Doch wie viel des angesparten Vermögens soll für den freiwilligen Einkauf verwendet werden? "Ich rate jeweils zu berücksichtigen, dass dieses Geld dann ausser in Ausnahmefällen bis zur Pensionierung blockiert ist und nicht für andere Anschaffungen wie einen Autokauf verwendet werden kann", sagt Tapernoux. Das Geld können Versicherte vor der Pensionierung nur beziehen, wenn man sich selbständig macht, selbstbewohntes Wohneigentum kauft oder definitiv ins Ausland zieht. Und bei einer Scheidung oder Auflösung einer registrierten Partnerschaft werden die Vorsorgegelder vollumfänglich geteilt.


    Egal zu welchem Zeitpunkt die freiwilligen Einkäufe vorgenommen werden, profitieren Versicherte beim angesparten Kapital von einem Zinseszinseffekt, was sich deutlich auf das Vorsorgevermögen auswirken kann. Der Mindestzinssatz in der Beruflichen Vorsorge 2022 liegt bei 1 Prozent. Das eingezahlte Vorsorgekapital ist zudem während der Beitragsdauer von Vermögens-, Einkommens- und Verrechnungssteuern befreit.


    Eine sorgfältige Planung ist aber zwingend notwendig, verkleinern zu frühe Einkäufe in die Pensionskasse die jährliche Nettorendite und verwässern damit die Steuerersparnisse. Es kann daher sinnvoll sein, das Geld zunächst eigenständig anzulegen und erst kurz vor der Pensionierung gestaffelt in die Pensionskasse einzuzahlen. Für das frühe Steuersparen gibt es zudem eine Alternative: Einzahlungen in die Säule 3a. Auch diese können von den Steuern abgezogen werden. Der Maximalbetrag für Erwerbstätige mit Pensionskasse liegt 2022 bei 6883 Franken.


    Kapital- oder Rentenbezug: Was lohnt sich mehr?


    Eine tatsächliche Steuerersparnis kann zudem nur dann erzielt werden, wenn mindestens das einbezahlte Kapital bei der Pensionierung bezogen wird. Belässt man das Kapital in der Pensionskasse, ist zwar die Altersrente höher. Das gleiche gilt aber auch für die Einkommenssteuer. Die Steuerlast hat sich einfach von heute auf morgen verschoben. Beim Kapitalbezug greift hingegen der tiefere Satz der Kapitalleistungssteuer, womit man die Steuerersparnis effektiv realisiert.


    Im Endeffekt kann der finanzielle Vorteil einer späten Einzahlung beim Kapitalbezug erheblich sein. Wer fünf Jahre vor Kapitalbezug 20'000 Franken einzahlt, kann bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent, einer durchschnittlichen Verzinsung von 2 Prozent und einer Steuer von 8 Prozent bei Auszahlung eine jährliche Nettorendite von 6,3 Prozent erzielen. Hätte man diesselbe Einzahlung 15 Jahre vor dem Kapitalbezug vorgenommen, wäre die Nettorendite auf 3,4 Prozent pro Jahr geschrumpft.


    Zwar kann man mit dem freiwilligen Einkauf die Beitragslücken in der Pensionskasse schliessen und damit die eigene Altersvorsorge verbessern. Doch da freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse in der Regel zum überobligatorischen Guthaben zählen, können die Pensionskassen den Umwandlungssatz selber festlegen. Oft ist er deutlich niedriger als der Satz für das Obligatorium, der noch 6,8 Prozent beträgt. Bei vielen Pensionskassen liegt er unter fünf Prozent.


    Zudem kommen viele Pensionskassen in Zukunft wohl nicht darum herum, ihren Umwandlungssatz wegen der tiefen Zinsen und der höheren Lebenserwartung weiter zu senken. Wegen dem steuerlichen Vorteil, der Möglichkeit, bessere Renditen zu erziele, und der grösseren finanziellen Flexibilität drängt sich ein Kapitalbezug deshalb auf. Das Geld geht im Todesfall ebenso nicht "verloren", sondern kann vererbt werden.


    Einschränkungen und Tipps für die freiwillige Einzahlung in die Pensionskasse


    Doch beim Kapitalbezug gibt es einen Fallstrick: Wer sich das Pensionskassenguthaben oder einen Teil davon auszahlen lassen will und damit das Anlagerisiko auf sich nimmt, sollte sich spätestens drei Jahre vor der Pensionierung einkaufen. Sonst muss man die Steuern nachzahlen, die man dank dem Einkauf zuvor gespart hat.


    Auch müssen Versicherte, die Pensionskassengelder für den Erwerb von Wohneigentum bezogen haben, diese zuerst zurückzahlen, bevor freiwillige Einkäufe getätigt werden können. Diese Rückzahlungen können im Unterschied zu freiwilligen Einkäufen nicht vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden. Stattdessen wird die Steuer zurückerstattet, die man zuvor beim Bezug für den Immobilienkauf bezahlt hat.


    Zudem lohnt es sich abzuklären, ob die eigene Pensionskasse Rückgewähr auf dem Altersguthaben und den freiwilligen Einkäufen bietet. Ist dies nicht der Fall, sind die freiwilligen Einkäufe verloren, wenn man vor der Pensionierung stirbt. Denn dann wird das Vorsorgekapital zur Finanzierung der Witwen- und Waisenrente verwendet, wobei diese in der Regel durch den freiwilligen Einkauf nicht verbessert wird.


    Es lohnt sich auch, vor dem freiwilligen Einkauf zuerst zu prüfen, wie gut die eigene Pensionskasse finanziell dasteht. Wenn die Pensionskasse stark in Unterdeckung fällt, muss diese nämlich Sanierungsmassnahmen ergreifen. In diesem Fall ist der Mindestzinssatz im Obligatorium nicht mehr garantiert und kann um 0,5 Prozent gesenkt werden. Im Überobligatorium kann der Zinssatz sogar bis auf 0 Prozent fallen.

    Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

  • Ständerat verlangt Bericht zur AHV-Finanzierung über 2040 hinaus


    Der Bundesrat muss in einem Bericht mittel- und langfristige alternative Finanzierungsmöglichkeiten der AHV aufzeigen. Der Ständerat hat ein entsprechendes Postulat von Beat Rieder (Mitte/VS) mit 21 zu 20 Stimmen bei 3 Enthaltungen gutgeheissen. Rieder denkt etwa an eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer.


    13.06.2022 16:41


    Der Ständerat stellt sich damit knapp gegen seine vorberatende Kommission und den Bundesrat. Sie hielten es nicht für sinnvoll, die langfristig ausgerichtete Finanzierung der AHV auf diese neue Steuerquelle abzustützen. Sie würde sich schädlich auf die Schweizer Börse und die Wettbewerbsposition der Schweizer Finanzintermediäre im internationalen Vermögensverwaltungs- und Depotgeschäft auswirken.


    Rieder begründete seinen Vorstoss mit dem Umstand, die AHV sei derzeit lediglich bis 2030 finanziert, sofern die Revision im Herbst an der Urne durchkomme. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Referenzalter seien heftig umstritten und je nach Ausgestaltung nicht mehrheitsfähig. Daher solle der Bundesrat alternative Finanzierungsmöglichkeiten zumindest auf ihre Tauglichkeit zur Finanzierung der AHV prüfen.


    Roberto Zanetti (SP/SO) sagte namens der letztlich siegreichen Minderheit der Kommission, "wenn ein undogmatischer Rechter eine originelle Idee hat, dann will ich das prüfen". Der Bundesrat werde ja nur einmal eingeladen, eine Auslegeordnung zu machen. Eventuell handle es sich ja um den Königsweg, um ein paar Probleme der AHV zu lösen. Auch Rieder mahnte die "chambre de réflexion", sich nicht vorschnell selber Denkverbote aufzuerlegen. Man müsse bereits jetzt anfangen, die nächsten Schritte zu planen.


    Finanzminister Ueli Maurer räumte ein, es brauche für die Finanzierung der AHV zusätzliche Mittel. In diesem Sinne könnte er das Postulat als Forderung nach einer Machbarkeitsstudie annehmen.


    Er sei aber bereits heute sicher, dass sich das von Rieder vorgeschlagene Instrument nicht eigne, weil es der Bundeskasse durch die damit verbundene Aufgabe der Stempelabgabe auf Wertpapieren Mittel in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken jährlich entziehe und darüber hinaus die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzmarktes bestrafe.


    (AWP)

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  • Warum Vorsorgeberatung mehr als nur Theorie ist


    Vorsorgeberatung ist keine exakte Wissenschaft. Die Möglichkeit, über das AHV-Alter hinaus Geld zu verdienen, geht dabei meistens vergessen.


    17.07.2022 17:59


    Von Claude Chatelain


    Christoph Zürcher ist Journalist und leitet das Magazin der "NZZ am Sonntag". Dort schilderte er jüngst seine finanziellen Sorgen. Ich kenne ihn aus gemeinsamen Zeiten beim "Cash". Ich kann daher nicht so recht daran glauben, dass ihm seine finanzielle Situation auch wirklich Sorgen bereitet.


    Zürcher erzählt, dass er ausgibt, was er einnimmt, seit jeher gegen den Hang kämpft, über seine Verhältnisse zu leben. Die Säule 3a verlacht er als Spiesserprojekt. Und dann geht er trotzdem zu einer Bankberaterin. Doch das, was ihm auf verschiedenen Diagrammen nähergebracht wird, sei auf jeden Fall eine leicht gewöhnungsbedürftige Perspektive.


    Der Kollege nimmt sich vor, übungshalber schon einmal mit dem Budget zu leben, "das mir für den Lebensabend angedroht wird". Sein Fazit: "Es ist nicht lustig, aber es geht."


    In dem mit viel Selbstironie geschriebenen Text gefällt mir vor allem der Passus mit den Diagrammen, die seine finanziellen Perspektiven aufzeigten. Tja, Vorsorgeplanung geht jetzt halt nicht ohne Zahlen, Einschätzungen und Analysen. Und das kann man am besten mit Diagrammen darstellen. Doch diese Darstellungsweise suggeriert, es handle sich um eine exakte Wissenschaft.


    So wie Kollege Zürcher die Säule 3a verlacht, erliege ich etwa der Versuchung, die professionelle Vorsorgeplanung zu verlachen. Vor allem, weil die Berechnungen mit vielen Unbekannten durchsetzt sind.


    Ich habe Christoph Zürcher geschrieben, er hätte wohl besser mich gefragt, wie es um seine Vorsorge steht. Für ein Bier wäre ich dazu zu haben. Schon einige Kolleginnen und Kollegen haben Gebrauch gemacht von diesem Angebot, das wirklich nur für Bekannte gilt.


    Gewiss, Vorsorgeplanung kann man das nicht nennen, was ich etwa für einen warmen Teller anbiete. Denn es geht ganz einfach: Die ungefähre Höhe deiner AHV kannst du mit dem Formular 318.282 in Erfahrung bringen. Es heisst "Antrag für eine Rentenvorausberechnung". Die Höhe der Rente der zweiten Säule steht auf dem Versicherungsausweis. Und wenn du noch etwas auf der Seite hast, so teile diesen Betrag durch 240. Zum Beispiel: 80'000 geteilt durch 240 sind 333 Franken. Das gibts während 20 Jahren pro Monat obendrauf.


    Ein ganz wichtiger Punkt geht sowohl bei der pseudowissenschaftlichen wie bei meiner handgestrickten Beratung aber meistens vergessen: die Möglichkeit, über das AHV-Alter hinaus Geld zu verdienen. Es tun dies immer mehr.


    Und dann noch die uns allen bekannte Unbekannte, die auch Christoph Zürcher umtreibt: "Was, wenn in fünf Jahren Lichterlöschen ist?" Sein Fazit: "Dann hätte ich die letzten guten Jahre ganz vergeblich nur dahingedarbt."


    Kollege Zürcher hat übrigens zu einem Treffen mit Bier eingewilligt. Eine Bedingung hatte er allerdings: "Keine weiteren Vorsorgetipps, bitte!"

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  • Ich habe keine PK, nur 3a.


    Das 2. Jahr meiner ETF-Vorsorge-Ausschüttungen

    Die 3a-Konti sind noch nicht alle aufgelöst.


    Das sind nur die Erträge aus den ETF's, zusätzlich gab es auch noch Dividenden.

    Die Erträge reinvestiere ich wieder in ETF.


    Nächstes Jahr bekomme ich noch zusätzlich AHV. Ich arbeite weiter, dem demografischen Wandel sei Dank.




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    Fiat pecunia, et pereat mundus!

  • «Junge sollten sich heute früher mit der Vorsorge beschäftigen als ihre Eltern damals»

    «Junge sollten sich heute früher mit der Altersvorsorge beschäftigen als ihre Eltern damals»
    Menschen unter 30 lassen sich vermehrt beraten, um ihre Altersvorsorge zu planen. Vorsorgeexperte André Tapernoux erklärt, weshalb sie sich nicht von Krisen…
    www.cash.ch

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