Leerverkäufe

  • gertrud. Wir haben vor einiger Zeit über Sinn und Unsinn von Leerverkäufen diskutiert. Nun, das Beispiel CS zeigt leider einmal mehr, zu was dieses Marktinstrument fähig sein kann. Zuerst Gerüchte über viele Kanäle streuen und dann kräftig rein in die betreffende Aktie mit Leerverkäufen, bis das VERTRAUEN in diese Aktie ganz verloren geht, obschon die Struktur des Unternehmens (nicht die Führung), hier die CS, an sich gesund ist.


    Es ist mit einer englischen Fuchsjagd vergleichbar. Hat die Hundemeute einmal Fährte des Fuchses aufgenommen, erfolgt das Halali der beritten Jäger, welche mit immer grösseren Tempo den Fuchs jagen, bis dieser trotz aller Bemühungen aufgeben muss bzw. erledigt wird.


    Leider ist zu befürchten, dass dieser "Erfolg" der Leerverkäufer Gilde Lust auf mehr gemacht hat. Früher befasste sich der Leerverkäufer noch mit der Suche nach Unternehmen, die eigentlich überbewertet waren, deren Geschäftsmodell und Substanz jedoch bereits Anzeichen von Erodierung offenbarten. Dass hier dieses Marktinstrument sinnvoll sein kann, ist nicht zu bestreiten. Nun scheint, dass man lediglich nur noch das VERTRAUEN entsprechend "bearbeiten" muss, um Erfolg zu haben. Diese Entwicklung ist sehr zu bedauern.

  • f1 Es wäre vielleicht ganz sinnvoll, das Thema Leerverkäufe mal im Kapitel "Aktien Strategien" zu eröffnen.


    Klar, Leerverkäufer haben am Elend der CS verdient, das stimmt. Und vielleicht haben sie die Spirale des Vertrauensverlusts noch schneller und deutlicher sichtbar gemacht.


    Aber ich bin mir sehr sicher, dass man in 10 Jahren nicht schreiben wird:

    Die Leerverkäufer haben 2023 die CS zu Fall gebracht.


    Es wird etwa so zusammengefasst werden:

    Durch Milliardenverluste mit unglücklichen Investmentbank Aktivitäten während einer viel zu langen Tiefzinsperiode wurde der Ruf der CS ramponiert. Zu einer Zeit, in der die meisten anderen Universalbanken gut dastanden.

    So führten Gerüchte, der SVB Fall und unglückliche Statements in KOMBINATION mit Echtzeit Social Media Verbreitung und der Möglichkeit von Echtzeit Geldtransfer innert weniger Tage zu einem lawinenhaften Abfluss von Einlagen und verwalteten Vermögen, die einen eigenständigen Weiterbetrieb der CS unmöglich machten.

    Die seit der Finanzkrise getroffenen regulatorischen Massnahmen und Notfallpläne erwiesen sich als nicht geeignet, innert Tagen zu greifen.




    Ich seh ein Bild dazu, jetzt wo die Saisoneröffnung bevorsteht.

    Im Kanton Basel gibt es, geographisch gut verteilt, 3 grosse und 2 kleine Freibäder, alle voll ausgestattet mit Personal bereit für den Sommer 2023.

    Angenommen, eines der grossen Bäder hatte in der Vergangenheit mehrfach mit Legionellen im Duschsystem zu kämpfen, ein teures Catering und einen (ich weiss, nicht woke, aber ich kann mir die Saudi-Anspielung nicht verkneifen, denn es stimmt tatsächlich https://www.nzz.ch/schweiz/pro…-in-basler-badi-ld.723690 ) gewissen arabischstämmigen Einfluss.

    Und jetzt wird bekannt, dass in genau diesem Bad auch noch das 50m Becken nicht dicht ist, der Wasserstand bis auf 40cm abgesunken ist und ungewiss ist, ob das innert nützlicher Frist behoben werden kann.


    Welche der 5 Bäder verkaufen jetzt wohl wie viele Saisonkarten (=Mandate) 2023?
    In welches Bad würden besorgte Eltern ihre Kinder (=Geld) wohl eher nicht schicken?

    Welches Bad wird die Saison ohne Hilfe vom Kanton folglich nicht überleben?

    Nichts ist wie es scheint, wenn man nur mit einem Auge sieht

    Edited 3 times, last by gertrud ().

  • Natürlich, Gertrud, das Schmelzen des Vertrauens setzt primär immer die grossen Verluste voraus. Nach Bekanntwerden dieser Verluste gerät deren Kommentierung/Bemühungen der GL/VR umso stärker in den Fokus. Erfolgen diese unglücklich/unprofessionell, genau dann riechen die grossen Hedgefonds den Braten und setzen gnadenlos an.


    Klar ist aber auch, dass die CS nicht nur wegen der Leerverkäufer beerdigt wurde, das habe ich auch nicht behauptet. Es war ein Mix aus Versagen der Führung, Milliardenverluste, Milliardenabzüge von Kundengelder, was alles das Vertrauen erodieren liess, welches die Leerverkäufer dann auch noch ausnutzten.


    Ich habe auch ein Beispiel: Leute haben Häuser gebaut und zu wenig daran gedacht, dass eines Tages ein Erdbeben eintreten könnte. Die Konstruktion der Häuser war auch entsprechend nicht auf ein grosses Erdbeben ausgerichtet. Jetzt, wo aufgrund eines grossen Erdbebens die meisten der Häuser eingestürzt sind, tauchen doch tatsächlich noch Plünderer auf, um den betroffenen Menschen materiell noch den Rest zu geben.


    Die Frage, was geschehen wäre, wenn die Aufsichtsbehörde z.b. 1 Woche vorher ein Leerverkaufs Verbot ausgesprochen hätte, bleibt offen. Man kann nur spekulieren.

  • Leerverkäufe sind das Gegenstück zum Aktienkauf mit einem aufgenommenen Kredit.

    Niemand fordert ein Verbot von Lombardkrediten.


    Mit dem im Hinterkopf:
    Versuch mal sachlich zu begründen, wieso man Leerverkäufe verbieten sollte.

    Nichts ist wie es scheint, wenn man nur mit einem Auge sieht

  • Hätte man Leerverkauf verboten, wäre wohl noch mehr Panik entstanden. Bondmarkt und CDS haben Erwartung auf default klar angezeigt. Ich bezweifle, dass Leerverkaufsverbot was gebracht hätte. Aber mehr Transparenz müsste es geben.

    Neid ist der Ärger über den Mangel an Gelegenheit zur Schadenfreude

  • Nach Lehman Brothers wurde diese Art von Spekulation verboten. Jetzt haben die Leerverkäufer der CS mitunter noch den Todesstoss verpasst – selbige Machenschaften hat die Ex-Schweizer-Grossbank aber ja auch tagtäglich fabriziert.

  • Verboten wurde nur "naked short selling", also der Verkauf von Aktien, die nicht nachweislich ausgeliehen wurden.


    Ich mach mal einen Thread dazu auf bei Strategien, denn das Thema gehört eigentlich nicht in "Aktien Schweiz"

    Nichts ist wie es scheint, wenn man nur mit einem Auge sieht

  • Leerverkäufe sind das Gegenstück zum Aktienkauf mit einem aufgenommenen Kredit.

    Niemand fordert ein Verbot von Lombardkrediten.


    Mit dem im Hinterkopf:
    Versuch mal sachlich zu begründen, wieso man Leerverkäufe verbieten sollte.

    Also für mich klingt das doch auf jeden Fall nach einer guten Idee. Am besten beides Verbieten, Leerverkäufe und Käufe auf Kredit. Langfristig gesehen wäre der Aktienmarkt dadurch auf jeden Fall gesünder und stabiler. Das Risiko von Blasen wäre geringer und Pump &Dump wäre auch Geschichte. So gesehen sehe ich nur Vorteile.