• Trauen Sie keinem Goldexperten

    Die Goldinitiative beruft sich auf spezielle «Gurus». Die Ansichten dieser Edelmetall-Euphoriker sind allerdings trügerisch – ebenso trügerisch wie die Initiative selbst.

    Kürzlich trat der SVP-Nationalrat und Mitinitiant der Goldinitiative, Luzi Stamm, an einer Podiumsveranstaltung auf. Der Rechtsanwalt und Ökonom erzählte dort von einer Begegnung mit einem Autostopper, den er vor kurzem auf der Heimfahrt mitgenommen hatte. Ein junger Amerikaner sei das gewesen – einer, der sich in seiner Ausbildung nie intensiv mit der Wirtschaft auseinandergesetzt, aber bezüglich der Goldinitiative trotzdem einen sehr einleuchtenden Satz gesagt habe. «Who has the gold, has the power.» Wer das Gold hat, hat die Macht. Das zeige doch, so Stamm, dass an der Goldinitiative etwas dran sei.


    Mag sein, dass der unbekannte Europatourist mit seiner Intuition tatsächlich richtig liegt! Vielleicht endet die Wirtschaftsgeschichte der Industrienationen im 21. Jahrhundert wirklich in einer Spirale aus Schulden und Hyperinflation, so wie es die Initianten rund um Luzi Stamm suggerieren. Möglicherweise wird Gold in einigen Jahrzehnten auch tatsächlich wieder zum zentralen Anker der internationalen Geld- und Finanzarchitektur. Und eventuell wäre die SNB sogar gut beraten, sich bereits jetzt mit massiven Goldkäufen im Umfang von 70 Milliarden Franken auf dieses Szenario vorzubereiten. Wer weiss ...


    Eine Geschichte voller Irrtümer


    ... allerdings schon, ob solche Ereignisse wirklich eintreffen? Die Erfahrung lehrt: Niemand weiss es mit Sicherheit. Die Geschichte des ökonomischen Denkens, speziell des Denkens auf den Finanzmärkten, ist voller Irrtümer. Von Missgriffen, auch von ihren eigenen, lassen sich gerade die selbst ernannten Goldexperten allerdings nicht beirren. Ein Vertreter dieser Spezies ist Marc Faber, ein auch als «Dr. Doom» bekannter Investor und bekennender Geniesser des thailändischen Rotlicht-Nachtlebens. Goldinitiant Lukas Reimann sieht ihn auch als «renommierten Finanzexperten» an. Faber, dessen Ruf auf einer glücklich getimten Prognose des Börsencrashs von 1987 basiert, prophezeit schon seit Jahren einen Anstieg des Goldpreises.


    Zwischen 2001 und 2012 lag er damit auch richtig. Die Finanzkrise, die mit massiven Investorenängsten, mutigen Notenbankinterventionen und einer grossen Ausweitung der Geldmenge verbunden war, hatte den Goldpreis von 800 auf über 1900 Dollar in die Höhe gejagt. Allerdings sah der «Crash-Prophet» Faber auch Ende 2012 das gelbe Metall noch als sicheres Investment an und empfahl einen radikalen Bruch mit den Börsen: Gold kaufen, Aktien verkaufen. Tatsächlich haben die Aktienmärkte seither ein historisches Rally hingelegt. Zu Fabers Pech ist der Goldpreis umgekehrt um 35 Prozent eingebrochen. Mit knapp 1140 Dollar hat er gestern ein neues Vierjahrestief erreicht. Hier die historische Grafik dazu:


    Verschwörungstheorien statt Berechnungen


    Ein Markenzeichen der «Goldbugs» ist: Sie halten trotz Schwankungen an ihrer Meinung fest. Gerade diese Woche trat Faber wieder einmal auf dem Finanzsender CNBC auf und machte sich für sein Lieblingsinvestment stark. Vielleicht nicht morgen, vielleicht auch nicht übermorgen, aber sicher bevor er sterbe (Faber ist 68), werde Gold wieder deutlich an Wert gewinnen. Eine gewagte Prognose? Na ja. Irgendwann wird sie sich womöglich schon erfüllen. Weltwirtschaftliche Unsicherheiten, die meist mit Inflationsängsten verbunden sind, lassen den volatilen Goldpreis mit einer gewissen Regelmässigkeit an- und abschwellen, zuletzt beispielsweise in den Jahren 1980 bis 1982.


    1981 war übrigens auch das Jahr, in dem Luzi Stamm sein Lizenziat in Ökonomie an der Uni Zürich erwarb. Goldpolitisch prägend für den Aargauer mussten die späten Neunziger und frühen Nullerjahre gewesen sein. Damals reduzierte die Nationalbank im Zuge der währungspolitischen Neuordnung ihre Goldbestände. Sie verkaufte das Edelmetall dabei just während des Zeitraums, als es am Finanzmarkt günstig gehandelt wurde. Darauf reitet Stamm heute herum. Wer wisse schon, auf Druck welcher geheimen Mächte diese Verkäufe wirklich erfolgt seien? Existiere das im Ausland gelagerte SNB-Gold womöglich gar nicht mehr? Statt mit konkreten Aussagen operiert Stamm lieber mit Suggestivfragen.


    Viel Gold und wenig Macht für die SNB


    Der clevere Politiker weiss wohl, dass sich ziemlich genau 50 Prozent der Prognosen historisch als falsch herausstellen. Im Archiv finden sich Beispiele dafür zuhauf. Nicht zutreffend war etwa die Ansicht jenes NZZ-Redaktors im November 2001, wonach der Goldpreis «in absehbarer Zeit kaum grosse Gipfel erklimmen» werde. Ähnliche Überlegungen stellte damals auch «Finanz und Wirtschaft» an, vielleicht unter dem Eindruck des damals zwanzigjährigen Gold-Sinkfluges. Einige Jahre später prophezeite ein Genfer Fondsmanager in derselben Zeitung zwar richtig, dass die einsetzende Hausse noch anhalten werde – allerdings nur bis 2009, dann sei der «Zyklus beendet». Am Zenit war der Goldpreis schliesslich erst 2012.


    Kaum fundierter als die Goldpreisprognosen sind die damit zusammenhängenden Szenarien zum anstehenden Zusammenbruch des globalen Finanzsystems, die von den Initianten feilgeboten werden. Sie sind ebenso gewagt wie deren Behauptung, dass zusätzliches Edelmetall die SNB in diesen turbulenten Zeiten schützen könnte. Naheliegender scheint das Gegenteil: dass die Notenbank durch die nötigen Goldkäufe und das darauffolgende Verkaufsverbot erheblich eingeschränkt wäre. Aktuell stünden etwa der Euro-Mindestkurs und die Ausschüttungen an die Kantone zur Disposition, vielleicht müssten sogar Negativzinsen eingeführt werden. «The SNB has a lot of gold, but no power», müsste der Autostopper dann im Nachhinein feststellen.


    http://www.tagesanzeiger.ch/wi…ldexperten/story/26009168

  • Elias hat am 05.11.2014 - 07:59 folgendes geschrieben:

    Quote

    Beim Gold geht es mehr um Glauben als um Ökonomie. Obwohl das Edelmetall als Grundlage einer Währungsordnung gescheitert ist, gilt es vielen noch immer als Heilsbringer.


    Die Goldinitiative, über die in der Schweiz Ende November abgestimmt wird, ist nur ein Beispiel für die Vorstellung von Gold als monetärem Wundermittel – allerdings ein besonders schlechtes. Doch mehr dazu später.


    Versuchen wir erst einmal zu klären, weshalb Gold überhaupt einen derart überhöhten Status hat. Ich vermute, das hat zwei Gründe:

    Du wirst lachen aber in vielen Punkten bin ich durchaus Deiner Meinung.
    Ich werde mal auf die sachlichen Argumente von Dir eingehen und die Polemik ausser Acht lassen.


    Meine Schlussfolgerung vorneweg: Ein Goldstandard kann im aktuellen Geldsystem nicht funktionieren. Aber ich sehe dafür andere Gründe als Du.


    Vorweg zur Definition des Begriffes "Goldstandard": Wikipedia definiert Goldstandard allgemein als ein System, in dem Papiergeld ein Zertifikat für Gold und 100% durch Gold gedeckt ist. Man könnte also entsprechend den Handel auch direkt in Gold durchführen, verwendet aber Papier, weil es leichter und praktischer ist.


    Du definierst "Goldstandard" als die Zeit von 1870-1929, in der dieser Begriff geprägt wurde. Das ist sicher auch richtig. Aber wie gesagt, ich verwende den Begriff in der allgemeineren Definition.


    Das nur als Abgrenzung.

    Quote

    2. Die Ideologie: Freunde des Goldstandards (gleich mehr dazu) sind oft auch Feinde jeglichen staatlichen Einflusses, worunter sie auch die Notenbanken subsumieren – obwohl gerade letztere verhindert haben, dass die Finanzkrise von 2008 nicht erneut in eine schwere Depression wie in den 30er-Jahren abgerutscht ist (wofür der Goldstandard eine zentrale Rolle gespielt hat). Es herrscht die (falsche) Vorstellung vor, die Konjunktur und wirtschaftlichen Aussenbeziehungen würden sich mit dem Goldstandard praktisch wie per Autopilot selbst regulieren, weshalb es keine aktiv handelnden Instanzen brauchen würde.

    Betrachten wir mal, was unter dem Goldstandard mit einem Handelsdefizit passiert:


    Nehmen wir an, Land A hat ein Handelsdefizit gegenüber Land B. "Handelsdefizit" bedeutet, dass mehr Waren von Land B nach A fliessen. Entsprechend fliesst mehr Geld (oder Gold) von A nach B. Die Geldmenge in Land A nimmt also ab und wir bekommen eine monetäre Deflation. Mit allen Konsequenzen wie sinkenden Preisen.



    Das ist bis hierher durchaus vergleichbar mit einer Person, die im Vorjahr über ihre Verhältnisse gelebt (also mehr ausgegeben als eingenommen) hat und nun Schulden bezahlen und sparen muss. Also nichts ungewöhnliches.


    In Land B passiert das Gegenteil: Netto sind Güter aus dem Land geflossen während netto mehr Geld vorhanden ist. Es entsteht also Inflation und die Preise steigen.


    Durch die sinkenden Preise wird nun Land A konkurrenzfähiger während Land B durch seine gestiegenen Preise mehr Probleme im Export bekommt. Es besteht somit die realistische Chance, dass in absehbarer Zeit der Spiess umgedreht wird und Land A einen Überschuss gegenüber Land B erwirtschaften kann.


    So gesehen ist der Goldstandard also durchaus ein Regelsystem, das verhindert, dass ein Land über längere Zeit über seine Verhältnisse leben kann.


    Konkret zu beobachten ist das an den USA: Nach dem 2. Weltkrieg verfügten die USA über rund 20'000t Gold. Ab den 1950er Jahren nahmen die Goldreserven langsam ab, weil die USA Handelsdefizite z.B. gegenüber GB, F, D aufbauten. Die Geschwindigkeit mit der die amerikanischen Goldreserven abflossen nahm mit dem teuren Eintritt in den Vietnam-Krieg ab 1964 zu.


    1971 schliesslich, als die Goldreserven auf 8'000t gesunken waren, schloss Nixon das Goldfenster, entkoppelte den Dollar vom Gold und stoppte somit den Gold-Abfluss. Der Goldstandard war gescheitert!


    Aber war er das wirklich? Was hätte Nixon sonst tun können?
    Er hätte a.) den teuren und unproduktiven Vietnamkrieg beenden und b.) Amerika wieder zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz führen müssen. Der Goldstandard hätte letzteres ja verlangt.


    Entweder man hat einen Goldstandard und lebt mit dem Zwang, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu haben oder man lebt über seine Verhältnisse. Beides zusammen geht nicht, man muss sich entscheiden. Nixon hat sich für weitere Schulden und gegen den Goldstandard entschieden. (War ja auch der populärere Entscheid ;) )


    Seither leben wir in einer Welt in der Handelsbilanzen Jahrzehntelang ungestraft ins Minus laufen können, solange auf der Gegenseite ein Lieferant bereit ist, auf Kredit zu liefern und Schuldscheine als Bezahlung zu akzeptieren. (Z.B. China und seine Akkumulation von US-Treasury Bonds).


    Zusammenfassend lässt sich also festhalten:


    Unter Goldstandard wird ein Handelsdefizit sehr schnell innert 1-3 Jahren bestraft. Entsprechend entstehen zeitnah Infla-Defla-Zyklen, die allerdings nicht sonderlich heftig sind und im Schnitt 7 Jahre gedauert haben.
    Unter Fiat-Money können diese Zyklen sehr viel länger dauern, Defizite auch über Jahrzehnte akkumuliert werden. Dadurch erhöhen sich allerdings die Ungleichgewichte und Spannungen. Interessant wird es deshalb, wenn die Spannungen so gross werden, dass die Gegenbewegung einsetzt. Sie dürfte entsprechend länger dauern und heftiger werden.


    Schlussendlich ist es Interpretationssache, ob man einen relativ flachen Anstieg der Wirtschaft in 7-Jahres Zyklen bevorzugt in dem Schulden sehr rasch eingefordert werden oder den langen Zyklus, wo eine ganze Generation in Saus und Braus von Schulden leben kann und die Bezahlung der Schulden auf die nächste oder übernächste Generation abwälzt.


    Quote
    ...Folge des Goldstandards ist, dass keine Möglichkeit mehr für einen konjunkturellen Ausgleich über die Geldpolitik, etwa im Fall einer hohen Arbeitslosigkeit, besteht.

    Exakt das ist der Punkt. Einverstanden. Ein Land, das in der Vergangenheit gesündigt und sich verschuldet hat, wird unter dem Goldstandard gezwungen, den Gürtel enger zu schnallen bis die Schuld getilgt ist.


    Ob das gut oder schlecht ist, darüber lässt sich natürlich streiten.


    Richtig ist auch, dass jedes Land tunlichst versuchen wird, einen Handelsüberschuss zu erzielen und ein Defizit zu vermeiden. Da aber jedes Partnerland dasselbe versucht, dürfte es im Schnitt darauf hinaus laufen, dass alle Länder über einen Zeitraum von etwa 7 Jahren gerechnet eine ausgeglichene Handelsbilanz haben, sich also gegenseitig jeweils so viele Waren liefern wie sie auch bekommen. Wäre das soooooo falsch?


    ---


    Zum Schluss schulde ich noch eine Erklärung zu meiner Eingangsbehauptung, weshalb der Goldstandard im aktuellen Geldsystem scheitern muss, wenn auch aus anderen Gründen:


    Einerseits: Wenn Länder teure Kriege führen, sich gegenüber anderen Ländern über lange Jahre verschulden und irgend wann merken, dass sie zu wenig Gold haben, um ihre Schulden zu bezahlen, dann betrachte ich das als ein Scheitern der Politik nicht als ein Scheitern des Goldstandards.


    Andererseits: Wir leben in einem kreditbasierten Geldsystem in dem Geld als Kredit entsteht und nicht durch Leistung. Da die Goldmenge pro Jahr um lediglich 1.5-1.7% steigt, dürften auch die Zinsen nie diesen Wert übersteigen. Anderenfalls übersteigt die Schuldenmenge die Geldmenge und das System kollabiert.

  • MarcusFabian hat am 07.11.2014 - 13:15 folgendes geschrieben:

    Quote
    Aber ich sehe dafür andere Gründe als Du.

    Vorweg zur Definition des Begriffes "Goldstandard": Wikipedia definiert Goldstandard allgemein als ein System, in dem Papiergeld ein Zertifikat für Gold und 100% durch Gold gedeckt ist. Man könnte also entsprechend den Handel auch direkt in Gold durchführen, verwendet aber Papier, weil es leichter und praktischer ist.



    Du definierst "Goldstandard" als die Zeit von 1870-1929, in der dieser Begriff geprägt wurde. Das ist sicher auch richtig. Aber wie gesagt, ich verwende den Begriff in der allgemeineren Definition.

    Ich definiere eigentlich selten was, sondern verwende die allgemeinen Definitionen.


    Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Goldstandard



    Während der Zeit des Goldstandards gab es z.B. Länder, die das Britische Pfund als Deckung genommen haben. Andere behielten den Silberstandard, wieder andere verwendeten Mischformen.




    MarcusFabian hat am 07.11.2014 - 13:15 folgendes geschrieben:

    Quote
    Richtig ist auch, dass jedes Land tunlichst versuchen wird, einen Handelsüberschuss zu erzielen und ein Defizit zu vermeiden. Da aber jedes Partnerland dasselbe versucht, dürfte es im Schnitt darauf hinaus laufen, dass alle Länder über einen Zeitraum von etwa 7 Jahren gerechnet eine ausgeglichene Handelsbilanz haben, sich also gegenseitig jeweils so viele Waren liefern wie sie auch bekommen. Wäre das soooooo falsch?

    Die Überlegung ist nicht falsch. Die Realität ist eine andere. Ein Ausgleich zwischen den Ländern wäre Zufall. Rohstoffexportländer importieren nicht zwangsläufig von den Abnehmerländer. Deutschland wie die Schweiz haben fast immer Handelsüberschüsse.


    Interessant ist der Überschuss von DE zu CH http://www.bfs.admin.ch/bfs/po…nk/key/handelsbilanz.html



    Egal welchen Standard man nimmt, er kann nur dann "funktionieren" wenn man die Geldscheine wirklich jederzeit umtauschen kann. Alles andere bleibt Theorie.



    Russland hat Gold und keine Staatsschulden, trotzdem verliert der Rubel.

  • Eigentlich ist die Situation ganz einfach.


    Draghi möchte Inflation.
    Da jedoch die Produktionskosten sinken, weil die Zinsen nahe 0.00 sind, entsteht eine Deflation.


    Es werden Negativzinsen auf Einlagen erhoben.


    Das letzte mal als die Banken Negativzinsen erhoben, gab es Krieg.
    Das wird dieses mal nicht anders sein.


    Nach dem totalen Desaster gibt es die Hyperinflation.


    Und dann, ist wer den Krieg überlebt hat und physisch Gold besitzt ein reicher Mann und alle anderen pleite !

  • Russland verliert

    weil sein "Wert" verliert. Russlands Stärke sind seine Rohstoffe. Doch diese verlieren massiv an Wert, und damit auch der Rubel. Hinzu kommt die politische und wirtschaftliche Isolation, die auch negative Rückkopplungen für uns haben.

  • Domtom01 hat am 07.11.2014 - 23:05 folgendes geschrieben:

    Quote

    hab ich ja Glück, bis jetzt! Aber im Ernst: Glaubst du nicht, dass du etwas zu schwarz malst?

    Nein. Aber ich hoffe dass Du recht hat.


    Diese Woche habe ich eine Vorlesung besucht, deren Statistiken mir wirklich Angst machen.
    In den nächsten Jahren werden 50% aller Beschäftigten ihren Job verlieren (weg razionalisiert).
    Nicht die Dummen, nicht die Superreichen, es betrifft die Mittelschicht.
    Ich gehe nun bewusst nicht auf Details ein.


    Nun, nenne mir ein Land in welchem die Arbeitslosigkeit grösser 50 % ist und kein Krieg herrscht.


    Wir befinden uns in der Endphase des Prozesses in der Reiche immer reicher werden, die Armen immer ärmer und die Mittelschicht schwindet.


    Die Politiker werden immer korrupter und die an der Macht immer machtgeiler.


    Die Steuern steigen stetig, da der Verwaltungsaparat prozentual immer grösser wird.


    Die sozialen Unruhen vermehren sich rasant.
    Die Fremdenfeindlichkeit nimmt zu.


    Die Jugendarbeitslosigkeit steigt stetig an (Frankreich, Spanien, Griechenland > 20%).



    Nun eine Frage an Dich:
    Was hat sich in den letzten 10 Jahren verbessert ?

  • Handelszeitung Standpunkte - Talk mit Stefan Barmettler 13.10 Uhr SRF1

    Mythos Gold - Was taugt die Gold-Initiative?


    Die Schweizerische Nationalbank soll künftig einen Grossteil ihrer Reserven in Gold halten. So soll die Unabhängigkeit der Schweiz vom Ausland sichergestellt werden. Nur: Was taugen Goldbarren im Tresor der Notenbank? Wird die Nationalbank bei einer Annahme der Gold-Initiative in ihren Aktivitäten eingeschränkt? Profitieren am Ende gar Spekulanten von den Goldkäufen der SNB?



    Über die Gold-Initiative, über die am 30. November 2014 abgestimmt wird, diskutiert «Handelszeitung»-Chefredaktor Stefan Barmettler mit folgenden Gästen: Luzi Stamm, SVP-Nationalrat, Mitinitiator Gold-Initiative, Karin Keller-Sutter, FDP-Ständerätin, Komitee Gold-Initiative Nein, Serge Gaillard, Direktor Eidgenössische Finanzverwaltung Bern und Marc Gugerli, Finanz- und Goldexperte.



    http://tvprogramm.srf.ch/detai…55-442a-a9e1-cc8588609cbb



    weico

  • waspch hat am 07.11.2014 - 23:56 folgendes geschrieben:

    Quote

    Nun, nenne mir ein Land in welchem die Arbeitslosigkeit grösser 50 % ist und kein Krieg herrscht.

    Arbeitslosigkeit ist eigentlich kein Nachteil sondern das Ziel. Sofern man damit richtig umgeht:


    Wir erleben seit über 100 Jahren eine Entwicklung in der Maschinen den Menschen mehr und mehr Arbeit abnehmen und uns somit von harter körperlicher Arbeit befreien. Das beginnt mit Webstühlen, Eisenbahnen, Mähdreschern und wird in einigen Jahren auch im Büro weitergeführt, wenn Computer die Intelligenz von Menschen erreicht haben.


    Kurzfristig kann so eine Entwicklung sehr negativ sein und 10-20 Jahre dauern: Menschen, deren Arbeit durch Maschinen ersetzt wurden haben nur noch 0% Arbeit und andere weiterhin 100%. Aber das gleicht sich mit der Zeit aus, weil die Arbeitslosen neue Arbeit in anderen Branchen suchen und finden. Vor 100 Jahren waren 95% der Schweizer in der Landwirtschaft tätig. Heute noch 3%. Haben wir aber deshalb 92% arbeitslose Landarbeiter? Natürlich nicht, denn aus Landarbeitern wurden Fabrikarbeiter und aus denen wiederum - was weiss ich ... - Webdesigner, Dienstleister etc.


    Unter dem Strich und langfristig führt die Entwicklung deshalb dazu, dass die verbleibende Arbeit wiederum auf alle Arbeitnehmer aufgeteilt wird und sich die wöchentliche Arbeitszeit entsprechend für alle reduziert. Somit also langfristig eine positive Entwicklung.


    Wenn wir diesen Gedanken bis zu Utopia weiterspinnen, werden wir dereinst in vielleicht 100 oder 200 Jahren in einer Zeit enden, in der Roboter sämtliche Arbeiten übernehmen und die Menschen in Saus und Braus und "Arbeits-Los" leben. Die grosse Herausforderung an Politik und Wirtschaft besteht nun darin, dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse der Roboter-Arbeit an die Menschen halbwegs gerecht verteilt werden, sodass alle Menschen ein Auskommen haben.

  • Elias hat am 10.11.2014 - 11:34 folgendes geschrieben:

    Quote

    Zwar hat Gold bis heute kaum an Ausstrahlung verloren. In der Währungspolitik spielt das Edelmetall aber schon lange keine Rolle mehr.

    Uiiii :idea:


    NZZ, zwei Artikel im Tagi jetzt Handelszeitung ... da wird ja aus allen Rohren gegen Gold geschossen. Warum wohl? :roll:

  • MarcusFabian hat am 10.11.2014 - 17:18 folgendes geschrieben:

    Quote

    Elias hat am 10.11.2014 - 11:34 folgendes geschrieben:

    Uiiii smiley


    NZZ, zwei Artikel im Tagi jetzt Handelszeitung ... da wird ja aus allen Rohren gegen Gold geschossen. Warum wohl? smiley

    Vielleicht wegen der Abstimmung. Den kleinen Mann interessiert das nicht. Hauptsache "sein" Gold wird gerettet. Auch wenn er es nie zu sehen bekommt.


    Es werden weiterhin jährlich 2'000 Tonne Gold gefördert. Das kann nicht gut gehen. Unabhängig von irgendwelchen Meldungen.


    Wie dem auch sei: ein sinkender Goldprreis kann gut für mich sein, weil dann der Dollar steigen könnte. Oder auch nicht.

  • Na ja, mir ging's um was anderes: Die Initiative ist zum grossen Teil ja nicht schlecht. Mit einer Golddeckung des Franken von 20% könnten wir leben. Bis 1999 hatten wir ja 40% Deckung. Derzeit 8.6%.
    Was mir sauer aufstösst - und den meisten wohl auch - ist, dass die SNB kein Gold mehr verkaufen dürfte, wenn der Anteil über 20% liegt und z.B. die Frankenmenge reduziert wird. Mit diesem Passus der Verkaufs-Verbots haben die Initianten sich selbst in den Fuss geschossen.


    Ansonsten ist richtig, dass Goldspekulanten mit Argusaugen auf die Initiative starren, denn bei einer Annahme wäre die SNB gezwungen, sehr schnell viel Gold zu kaufen, was den Preis in die Höhen schnellen lassen würde. Wenn auch nur kurzfristig.


    Was Deinen Dollar-Gold-Vergleich betrifft. Ja, stimmt, dass die Goldmenge dank Produktion um 1.57% pro Jahr steigt. Aber die Dollarmenge steigt schneller. Deshalb habe ich für das langfristige Dollar/Gold Verhältnis keine Bedenken.

  • MarcusFabian hat am 10.11.2014 - 17:18 folgendes geschrieben:

    Quote

    Elias hat am 10.11.2014 - 11:34 folgendes geschrieben:

    Uiiii smiley


    NZZ, zwei Artikel im Tagi jetzt Handelszeitung ... da wird ja aus allen Rohren gegen Gold geschossen. Warum wohl? smiley

    Um Aufzuzeigen das Gold ein reines Spekulationsobjekt ist das keinerlei Nutzen aufweist und hinter dem absolut nicht steht. Anstatt in dieses sinnlose Metall zu investieren sollte die CH Nationalbank sich ein Beispiel an den skandinavischen Nationalbanken nehmen.


    Zb in Fonds mit Beteiligungen an Unternehmen im Ausland wäre eine Investition die sich lohnen würde.Denn hinter Unternehmen steht ein realer Wert hinter Gold steht rein gar nichts.


    Aber ich bin voller Zuversicht das ein Grossteil der CH Bevölkerung die Nutzlosigkeit und vor allem die Gefährlichkeit des Goldes erkennt und die Initiative mit Erfolg abschmieren wird.


    Da könnte man genauso gut mit dem Geld ins Casino gehen und Blackjack spielen. Pure Spekulation.




    PS: MF



    Der Goldpreis Chart sieht nun aus wie der UBS Chart anno 2008 bald ist wieder Weihnachten:oops:

  • @ martinidrink

    Ja, den Artikel habe ich schon gelesen, interessant, aber es handelt sich um langfristige Trends. Und schon Jaques Attali hat über die multipolare Welt geschrieben. Tatsache ist (für mich), mit USD lässt sich heute und morgen und übermorgen noch Geld machen. Aber sag mal, wie sieht es denn mit unserer Parallelwährung zum Euro aus? Wenn unsere Währung inflationiert wird, zusammen mit dem Euro, dann kann der USD noch ne ganze Zeit lang steigen, und darauf wette ich.

  • Gold-Initiative: Das müssen Sie wissen

    Zwanzig Tage vor der Abstimmung über die Gold-Initiative liegen Gegner und Befürworter beinahe gleichauf. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Fakten.

    Von Ivo Ruch

    In knapp drei Wochen stimmt die Schweiz über die sogenannte Goldinitiative ab. Ziel des Begehrens ist laut Initiativtext: Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind unverkäuflich und müssen in der Schweiz gelagert werden. Und die SNB muss binnen fünf Jahren mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold halten.


    In den meisten Schweizer Haushalten liegen momentan die Abstimmungsunterlagen zum Ausfüllen bereit. Höchste Zeit, die wichtigsten Fakten zur Abstimmung zusammenzutragen und wichtige Fragen zu beantworten.


    Worum geht es genau?


    Das Initiativ-Komitee will die Handlungsfreiheit der SNB stark einschränken. Nicht nur soll die Zentralbank mindestens 20 Prozent ihres Vermögens in Gold halten. Die Initianten verlangen auch, dass die SNB kein Gold mehr verkaufen dürfte: "Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich", heisst es im Initiativtext. Zudem wäre die SNB gezwungen, ihre gesamten Reserven in den Schweiz zu lagern. Heute bunkert sie 30 Prozent des Goldes in Kanada und in Grossbritannien, den Rest in der Schweiz.


    Wie hoch ist der Gold-Anteil heute?


    Per Ende September betrug das Vermögen der SNB 522 Milliarden Franken. Rund 39 Milliarden davon entfielen auf Gold und Forderungen aus Goldgeschäften. Das entspricht einem Gold-Anteil von 7,5 Prozent. Umgerechnet auf die Bevölkerung hält die Schweiz weltweit die höchsten Goldreserven pro Kopf.


    Was soll mit der Initiative erreicht werden?


    Den Initianten geht es einerseits darum, das "Volksvermögen zu schützen". Ihre Befürchtung: Im Krisenfall bekommt die Schweiz ihr Gold vom Ausland nicht zurück. Zudem soll die Macht des Papiergeldes in der Schweiz eingeschränkt werden. Durch die laufende Vergrösserung der Geldmenge finde eine Enteignung der Bürger statt. "Je grösser die Goldreserven sind, desto unabhängiger bleibt die Nationalbank", schreiben die Initianten auf ihrer Homepage.


    Wer steckt hinter der Initiative?


    Mehrere Exponenten der SVP weibeln für das Gold-Begehren. Darunter die Nationalräte Lukas Reimann, Luzi Stamm und der ehemalige Nationalrat Ulrich Schlüer. Auch mehrere SVP-Kantonalparteien gehören zu den Unterstützern. Selbst Börsenguru Marc Faber hat sich kürzlich im "Blick" für die Initiative ausgesprochen. Sein Argument: Die Tiefzinspolitik und die Geldschwemme der Notenbanken werden nicht ohne Folgen bleiben. Aber eigentlich müsste die Initiative weltweit umgesetzt werden.


    Wie argumentieren die Gegner?


    Nationalrat und Ständerat empfehlen Volk und Stände, die Initiative abzulehnen. Sämtliche Parteien sind zudem dagegen. Auch die SNB hat sich sehr kritisch geäussert. Nach Ansicht von SNB-Präsident Thomas Jordan hat die Initiative gar einen Denkfehler: Der Mindestanteil von Gold wird mit einem Verkaufsverbot verbunden. Dadurch würde der Goldanteil stetig ansteigen und die SNB-Bilanz würde irgendwann fast nur noch aus Gold bestehen. Die SNB könnte nicht mehr flexibel auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und es wäre langfristig schwieriger, die Preisstabilität aufrechtzuerhalten, sagte Jordan in einem Interview mit der NZZ. Daneben würden die Gewinnausschüttungen an Bund und Kantone zurückgehen, da Gold nicht mehr verkauft werden darf und daher keine Erträge bringen würde.


    Das wären die Konsequenzen für den Goldpreis


    Um die Folgen der Initiative zu erfüllen, müsste die SNB Gold im Wert von ungefähr 65 Milliarden Franken kaufen. Das entspricht laut Experten mindestens 1500 Tonnen. Allerdings gilt für diese Auflage eine Übergangsfrist von fünf Jahren, was den Effekt auf den Goldpreis in Grenzen halten dürfte.


    Wie würde der Franken reagieren?


    Laut Thomas Jordan würde die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses erschwert. Und der sei zurzeit zentral, um den geldpolitischen Auftrag zu erfüllen. "Es wäre eine Einladung an die Märkte, gegen die Nationalbank zu spekulieren", sagte Jordan. Dieser Meinung ist auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.


    Wie sollen sich Edelmetall-Anleger verhalten?


    Der Goldpreis hat sich in den letzten Monaten stetig nach unten entwickelt, das Minus seit Jahresbeginn beträgt 3,5 Prozent. Mit knapp 1138 Dollar kostete das Edelmetall letzte Woche so wenig wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Marktkenner nennen mehrere Gründe für die derzeitige Edelmetallschwäche. Dazu zählt der in den vergangenen Wochen zusehends stärkere Dollar, der den Kauf von Gold für viele Anleger teurer macht. Die erwartete Abkehr der USA von der Nullzinspolitik wird den Goldpreis zusätzlich belasten. Hinzu kommt, dass das Interesse an Gold in Asien in den vergangenen Monaten stetig abgenommen hat. Ein Ja an der Urne könnte den Goldpreis zwar teilweise stützen. Ob der Abwärtstrend damit aber gestoppt wird, bleibt fraglich.


    Was sagen die Umfrage-Prognosen?


    Zu Beginn des Abstimmungskampfs wurde die Goldinitiative noch wenig beachtet. Doch mittlerweile rückt sie immer stärker ins Rampenlicht. Mehrere internationale Medien haben bereits darüber berichtet. Laut den Ergebnissen der SRG-Umfrage von Ende Oktober gibt es keine klare Mehrheit. 44 Prozent der Befragten hätten ein Ja in die Urne gelegt, 39 Prozent ein Nein. Demgegenüber stehen 17 Prozent Unentschlossene. Es deutet sich also ein spannender Schlussspurt an.

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