Energiekrise 2.0.2.X

  • EU-Entwurf: 195 Milliarden für Energie-Unabhängigkeit


    Die Europäische Union muss nach Analysen der EU-Kommission in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 195 Milliarden Euro investieren, um von russischer Energie loszukommen. Mitte nächster Woche wird die Brüsseler Behörde voraussichtlich ihren Plan vorstellen, um die EU langfristig ohne fossile Brennstoffe aus Russland mit Energie zu versorgen. Dafür will die Kommission ehrgeizigere Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien und beim Energiesparen setzen. Das geht aus einem Entwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Text kann sich noch ändern.


    12.05.2022 06:45


    Ziel der Strategie ist es demnach, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland rasch zu verringern, indem die Energiewende vorangetrieben wird. Bis 2030 sollen daher 45 Prozent der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen kommen, statt wie bisher geplant 40 Prozent. Das würde die Kapazität für saubere Energie auf 1236 Gigawatt steigern, im Vergleich zu 511 Gigawatt heute - mehr, als im EU-Klimapaket ursprünglich vorgesehen war.


    Die Anzahl der Solarstromanlagen soll sich dem Entwurf zufolge bis 2028 mehr als verdoppeln, auf 300 Gigawatt. Die Kommission setzt auch auf klimafreundlichen Wasserstoff, der etwa aus Ökostrom produziert wird. Bis 2030 sollen zehn Millionen Tonnen davon in der EU produziert und weitere zehn Millionen Tonnen importiert werden.


    Gleichzeitig wird vorgeschlagen, den Energieverbrauch bis Ende des Jahrzehnts um mindestens 13 Prozent zu senken, statt wie bisher vorgesehen um 9 Prozent. Die Umsetzung der Ziele liege im grossen Teil bei den Ländern, die etwa Gelder aus dem Corona-Aufbaufonds für Reformen nutzen könnten.


    Insgesamt könnte die EU durch die Strategie pro Jahr etwa 80 Milliarden Euro an russischen Gas-Importen sparen, 12 Milliarden an Öl-Importen und 1,7 Milliarden an Kohle-Importen, so der Entwurf.


    "Die Lehre aus der jetzigen Situation muss sein, dass wir uns niemals mehr so abhängig von einem einzigen Lieferanten machen dürfen", kommentierte der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) den Entwurf im Vorfeld. "Die Kommission darf aber nicht nur langfristige Strategien für die Diversifizierung entwickeln, sondern muss auch ganz konkret sagen, wie wir durch den nächsten Winter kommen."


    Der Entwurf ist Teil eines grösseren Pakets, zu dem unter anderem auch eine detaillierte Solar-Strategie sowie neue Regeln für die Genehmigung von Ökostrom-Anlagen gehören wird. Auch weitere Pläne für den Umgang mit den hohen Energiepreisen werden erwartet./dub/DP/zb


    (AWP)

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  • Deutscher Bundestag erleichtert staatlichen Zugriff auf Energieunternehmen


    Der Staat soll in Deutschland künftig leichter auf Energieunternehmen zugreifen können, wenn erhebliche Engpässe bei der Versorgung drohen. Der Bundestag stimmte einer entsprechenden Reform des Energiesicherungsgesetzes aus dem Jahr 1975 am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen SPD, Grüne und FDP sowie der Linken zu. Die AfD lehnte die Pläne ab, und die Grünen enthielten sich. Der Bundesrat muss das Vorhaben noch billigen, was nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag kommender Woche geschehen könnte.


    12.05.2022 20:44


    Konsequenzen könnte das Gesetz für die PCK-Raffinierie im brandenburgischen Schwedt an der Oder haben, die äusserst wichtig ist für die Ölversorgung Ostdeutschlands. Sie verarbeitet bisher in erster Linie russisches Öl. PCK gehört mehrheitlich Rosneft Deutschland, einer Tochtergesellschaft des russischen Staatskonzerns Rosneft. Wegen des auf EU-Ebene diskutierten Embargos für russische Öl-Importe sucht Habeck nach alternativen Öl-Quellen für Schwedt über Rostock, möglicherweise auch über Danzig. Auch im Gasbereich könnte das Gesetz noch eine Rolle spielen.


    Unternehmen im Energiebereich gehören in Deutschland zur kritischen Infrastruktur. Das heisst, sie haben für das tägliche Leben eine besondere Bedeutung, weshalb eigene Vorgaben gelten. Wenn die "konkrete Gefahr" besteht, dass ein Unternehmen seine Aufgaben nicht erfüllt und eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit droht, kann es mit dem reformierten Gesetz vorübergehend unter Treuhandverwaltung gestellt werden. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird bei Unternehmen der kritischen Infrastruktur als letztes Mittel auch die Möglichkeit einer Enteignung geschaffen.


    Falls insbesondere die Gasimporte nach Deutschland erheblich reduziert sind, bekommen Gasversorger das Recht, ihre Preise anzupassen - also zu erhöhen. Voraussetzung ist, dass die zweite oder dritte Stufe im Notfallplan Gas, die Alarm- oder Notfallstufe, offiziell festgestellt worden sind. Kunden müssen darüber rechtzeitig informiert werden und haben Kündigungsrecht. Die Ausnahmeregelung für zeitweilig erhöhte Preise erlischt, wenn die Bundesnetzagentur formal ein Ende des Mangels feststellt.


    Während der AfD-Politiker Rainer Kraft der Koalition ein schlecht und hastig gemachtes Gesetz und "neokommunistische Ideen" vorwarf, signalisierten die anderen beiden Oppositionsfraktionen CDU/CSU und Linke grundsätzliche Unterstützung. Der CDU-Politiker Mark Helfrich sagte, die Union hätte die Ampel gerne unterstützt, habe aber Bauchschmerzen beim Punkt der Preisanpassung im Falle von Gasknappheit. Deshalb könne sich die Union nur enthalten. Für die Linke kritisierte der Abgeordnete Matthias Birkwald, dass staatlich kontrollierte Unternehmen nach Abklingen der Gefahr für die Versorgungssicherheit wieder privatisiert werden sollen. Trotzdem stimme die Linke dem Gesetz zu./hrz/DP/he


    (AWP)

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  • Deutschlands Gasspeicher zu mehr als 40 Prozent gefüllt


    Nach dem Ende der winterlichen Heizphase füllen sich Deutschlands Gasspeicher allmählich wieder. Wie aus der Webseite von Europas Gasinfrastruktur-Betreiber (GIE) am Montag hervorgeht, sind die Speicher inzwischen zu 40,8 Prozent gefüllt. Einen Monat zuvor waren es nur 29,8 Prozent gewesen. Der aktuelle EU-Schnitt liegt mit 39,5 Prozent ähnlich hoch wie der Deutschland-Wert.


    16.05.2022 11:32


    Es ist normal, dass sich die Speicher im Frühjahr und Sommer wieder füllen. Da Heizungen abgeschaltet werden, sinkt die Nachfrage nach Energie. Angesichts eines drohenden Lieferstopps von russischem Erdgas ist es in diesem Jahr besonders wichtig, dass die Speicher gut gefüllt sind.


    Gasspeicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Für gewöhnlich sind die Speicher mit Beginn der Heizperiode im Herbst gut gefüllt, bis zum Frühjahr nehmen die Füllstände dann ab. An kalten Wintertagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus deutschen Speichern abgedeckt. Laut dem neuen Speichergesetz sollen sie am 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein./wdw/DP/eas


    (AWP)

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  • Bundestag billigt Gesetz zum schnelleren Bau von LNG-Terminals


    Die Pläne der Ampel-Koalition zum beschleunigten Bau von Flüssiggas-Terminals haben die nächste Hürde genommen. Der Bundestag verabschiedete am späten Donnerstagabend ein Gesetz, mit dem bestimmte Verfahrensschritte bei der Genehmigung sogenannter LNG-Terminals umgangen werden können. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung des Bundesrats.


    20.05.2022 06:35


    Durch das Vorhaben soll Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas reduziert werden. Eine Alternative ist verflüssigtes Erdgas (LNG), wofür bislang die nötige Infrastruktur fehlt. Deshalb soll der Bau schwimmender und fester LNG-Terminals beschleunigt werden, indem die Genehmigungsbehörden vorübergehend bestimmte Verfahrensschritte, besonders bei der Umweltverträglichkeitsprüfung, auslassen können. Das erste schwimmende LNG-Terminal soll noch vor Jahresende in Wilhelmshaven in Betrieb gehen.


    Das Gesetz von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) passierte den Bundestag ohne Gegenstimmen - nur AfD und Linke enthielten sich. Kritik kommt allerdings von der Grünen Jugend. Deren Bundessprecher Timon Dzienus sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, für eine Übergangszeit sei die Notwendigkeit der Flüssiggas-Infrastruktur nachvollziehbar. "Aber diese Übergangsfrist muss kurz sein und im Gesetz enger begrenzt werden."/ax/hrz/DP/he


    (AWP)

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  • WEF 2022: Schweiz und Deutschland wollen Solidaritätsabkommen für Gas


    Bei einem Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben sich die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Guy Parmelin mit dem deutschen Vizekanzler Robert Habeck ausgetauscht. Sie beschlossen, Verhandlungen zu einem Solidaritätsabkommen bei der Gasversorgung aufzunehmen. Weiter möchte Habeck zwischen der Schweiz und der EU vermitteln.


    23.05.2022 06:39


    Die Schweiz und Deutschland wollen sich gegenseitig bei Energiekrisen wie aufgrund des Krieges in der Ukraine helfen. Die Verhandlungen zum Solidaritätsabkommen werden sofort aufgenommen.


    Ziel des Abkommens sei, "dass wir uns im Notfall gegenseitig unterstützen können", sagte Bundesrätin Sommaruga am Sonntagabend nach dem Treffen vor der Presse in Davos. "Wir wissen nicht, wie lange es dauern wird", aber der Wille für "eine pragmatische Lösung" sei da.


    Derzeit ist die Schweiz zu etwa 40 Prozent von russischem Gas abhängig, insbesondere durch Lieferungen aus Deutschland. Der Bundesrat bekräftigte diese Woche, dass er alternative Reserven in Ländern wie Frankreich, Deutschland und den Niederlanden aufbauen wolle.


    Deutschland, das in hohem Masse von russischem Gas abhängig ist, hat gerade eine Partnerschaft mit Katar unterzeichnet. Ein Teil dieses Pakets sieht vor, Flüssiggas kaufen zu können. "Schweizer Unternehmen können beantragen, daran beteiligt zu werden", sagte Habeck.


    Das Abkommen betrifft vorerst nur die Gasversorgung. Aber auch beim Strom möchte man sich unterstützen. Bundesrätin Sommaruga machte deutlich, dass die Schweiz für die Netzstabilität in Europa eine wichtige Rolle spielen kann. Konkret meinte sie die Schweizer Pumpspeicherwerke, die Engpässe in der Stromversorgung überbrücken können, auch in der Region Süddeutschland.


    Schweiz-EU


    Der deutsche Energie- und Wirtschaftsminister möchte sich nach dem Treffen auch für "das heikle Thema" Schweiz -EU einsetzen. "Nächsten Dienstag reise ich nach Brüssel und werde Herrn Sefcovic einige Vorschläge unterbreiten, wie die Gespräche Schweiz-EU wieder aufgenommen werden könnten". Welche Vorschläge er konkret vorbringen möchte, liess er noch offen. Aber nur weil es "kein einfaches" Thema sei, sei es nicht unlösbar. Der EU-Vizekommissionschef Maros Sefcovic ist zuständig für das Dossier "Schweiz".


    Auch Bundesrat Parmelin erläuterte am Rande des WEF den Willen des Bundesrates, den bilateralen Weg mit der EU - neu mit einem breiten Paketansatz - fortzusetzen. Er betonte, dass Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz ist, und dass sich eine Partnerschaft mit der EU für beide Seiten vorteilhaft auswirken kann. Der Entschluss der Schweiz, die Sanktionen der EU im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zu übernehmen, seien das jüngste Beispiel dafür, dass sich die Schweiz als Teil einer Wertegemeinschaft mit der EU sehe.


    Ukraine-Krieg


    Habeck stellte den beiden Bundesräten beim Treffen auch die Frage, "ob es möglich ist, in der Schweiz hergestellte Munition für Gepard-Panzer in die Ukraine auszuliefern".


    Auch in Deutschland habe man die Haltung "keine Waffen in Kriegsgebiete zu liefern" ändern müssen, sagte Habeck mit Blick auf die entsprechende Debatte in der Schweiz. Im April war bekannt geworden, dass das Seco die Anfrage Deutschlands zur Weitergabe von Munition Schweizer Herkunft an die Ukraine mit dem Verweis auf die Schweizer Neutralität und "die zwingenden Ablehnungskriterien der Kriegsmaterialgesetzgebung" abgelehnt hatte.


    mk/


    (AWP)

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  • Wie Afrikas Gas Europa helfen kann


    Senegal verfügt über grosse Gas-Vorkommen. Auch andere afrikanische Länder könnten helfen, das Energie-Problem des Westens zu lösen.


    23.05.2022 20:30


    Senegals Präsident Macky Sall hat grosse Pläne. Bis 2035 soll der massive Ausbau des Energiesektors zu einer treibenden Kraft für den wirtschaftlichen Aufstieg des westafrikanischen Landes werden. Bereits 2018 hatten sich Senegal und Mauretanien geeinigt, das grosse Gasvorkommen Greater Tortue Ahmeyim-Projekt (GTA) vor ihrer Küste gemeinsam auszubeuten.


    Bisher hatte dies die Europäer nicht gross interessiert. Aber der Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz im Senegal am Sonntag zeigt, dass man in europäischen Hauptstädten plötzlich umdenkt – afrikanisches Gas ist attraktiv geworden. Denn die Europäer suchen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine händeringend Ersatz für russisches Gas und Öl.


    «Der Krieg hat alles verändert»


    "Jetzt klopft Europa an unsere Tür", zitiert die "Washington Post" Mamadou Fall Kane, den stellvertretenden Chef der senegalesischen Behörde für Bodenschätze. "Der Krieg hat alles verändert." Nur könnte sich jetzt rächen, dass gerade die Europäer und auch Deutschland auf der Klimakonferenz in Glasgow im November 2021 darauf gedrungen hatten, die Finanzierung und Erschliessung neuer fossiler Vorkommen deutlich zu erschweren.


    Dabei warnte Senegals Präsident Sall schon damals, dass man ärmeren afrikanischen Staaten mit Rohstoffen nicht die Entwicklung erschweren dürfe. Jetzt hat die Regierung in Dakar bereits klargemacht: Gas bekommt, wer sich bei der Erschliessung engagiert. "Wir sind daran interessiert, den europäischen Markt mit Gas zu beliefern", sagte Sall nach dem Treffen mit Scholz.


    Mittlerweile räumt auch die deutsche Bundesregierung ein Umdenken ein. Der Druck zur Diversifizierung der Lieferquellen sei durch den russischen Angriff "noch einmal akuter" geworden, heisst es in Regierungskreisen, wo darauf verwiesen wird, dass einige deutsche Firmen an Explorationen im Senegal beteiligt sind.


    Auch Kanzler Scholz betont, dass man nicht nur bei der Photovoltaik und Speichertechniken helfen wolle. "Wir wollen das auch tun im Hinblick auf die LNG-Fragestellung und Gasförderung hier im Senegal", fügte er in Dakar hinzu. Und erklärt den Schwenk mit dem russischen Angriff: "Dass wir die Situation in der Welt neu betrachten müssen, ist das Ergebnis von dem, was ich eine Zeitenwende genannt habe - und das wird sich nicht auf einzelne Fragen beschränken können, sondern muss an vielen anderen Stellen auch Konsequenzen haben", erklärte Scholz.


    Nicht bei Null anfangen


    Doch andere sind beim Gas schneller: So schloss der italienische Energiekonzern Eni in den vergangenen Monaten Verträge mit Algerien, Ägypten, Angola und der Republik Kongo ab. Lieferungen aus diesen Ländern sollen mehr als die Hälfte des Gases ersetzen, das das EU-Land bisher aus Russland bezieht. Als potenzielle Länder für weitere Verträge mit Flüssiggas (LNG) gelten Mosambik, Nigeria, Ghana, die Elfenbeinküste und Libyen.


    Bei Null muss man in Afrika nicht beginnen, schliesslich kommen bereits jetzt rund 18 Prozent des Gases für Europa von dort. Es gibt Pipelines etwa von Libyen nach Italien oder von Algerien nach Spanien. Im Gespräch ist auch eine mehr als 4000 Kilometer langen Trans-Sahara-Röhre, die von Nigeria über Niger nach Algerien führen und Gas über das bestehende Leitungsnetz bis nach Europa pumpen soll.


    Nigeria verfügt bereits über sechs LNG-Terminals für Flüssiggas. In Südafrika gibt es Planungen für die Ausschreibung eines neuen LNG-Terminals in Richards Bay an der Ostküste des Landes – um nur einige Beispiele zu nennen.


    "Afrika kann das europäische Problem allein nicht lösen, aber wegen der geografischen Nähe und billigen Transportkosten einen Beitrag dazu leisten", sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, zu Reuters.


    Kein einfacher Umstieg


    Einfach ist der grössere Umstieg von russischem auf afrikanisches Gas aber nicht. Zum einen gibt es auch an der senegalesischen Küste mit Blick auf Fischerei und Tourismus Umweltbedenken gegen die Offshore-Förderung. Zum anderen kommen die Europäer sehr spät.


    Längst bemühen sich andere energiehungrige Interessenten um Gas aus Afrika. So gehen die ab 2023 geplanten ersten Flüssiggas-Lieferungen aus dem Senegal aufgrund bereits geschlossener Verträger nach Asien. Und China hat etwa Ägypten lukrative langfristige LNG-Verträge angeboten.


    "In der Regel sind 80 bis 90 Prozent der LNG-Mengen bereits bei Baubeginn einer Verflüssigungsanlage langfristig verkauft", betont Liebing. Er rät der Bundesregierung ohnehin eher zu Reisen nach Angola oder vor allem Nigeria. "Dort besteht die Chance, innerhalb von ein bis zwei Jahren die Produktion auszuweiten und dann vielleicht zehn bis 20 Prozent unserer russischen Lieferungen zu ersetzen."


    Doch als Hindernis für die künftige Zusammenarbeit gelten politische Instabilitäten: Allein in Westafrika gab es seit 2020 fünf Staatsstreiche. Die Europäer wollen aber ihre die Abhängigkeit von einem Land wie Russland nicht durch die von Militärregierungen tauschen. Wie heikel dies sein kann, zeigt das Beispiel Libyen: Dort war die deutsche Wintershall in der Gasförderung aktiv, bis das Land im Bürgerkrieg versank.


    (Reuters)

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  • Wirtschaftsministerium: Bei Gasknappheit Kohlekraftwerke anwerfen


    (Aktualisierung: mehr Erläuterungen zur Malus-Regelung im 7. Absatz, mehr Reaktionen am Ende) - Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Deutschland weiter für ein mögliches Wegbrechen russischer Gaslieferungen wappnen und dafür die Zahl der Kohlekraftwerke in Reserve ausbauen. Falls Gasmangel eintritt oder droht, soll der Gasverbrauch in der Stromerzeugung deutlich verringert werden, wie am Dienstag aus dem Bundeswirtschaftsministerium zu hören war. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird in der Bundesregierung beraten. Wenn er das Kabinett passiert hat, müsste noch der Bundestag zustimmen.


    24.05.2022 17:14


    Wann die Reserve zum Einsatz kommt


    Die stillgelegten Kohlekraftwerke sollen bei der Stromproduktion einspringen, wenn in Deutschland Gasmangel droht oder bereits zu wenig Gas zur Verfügung steht. Auch einige Kraftwerke, die mit Mineralöl betrieben werden, sollen Teil der Reserve werden. Die Entscheidung, die Reserve zu nutzen, soll den Plänen zufolge Habeck in Absprache mit bestimmten Ministerkollegen treffen können. Die Möglichkeit dazu sollen ihm die nun vorgeschlagenen Gesetzesänderungen verschaffen.


    Was Reserve heisst


    Die Teilnahme an der Reserve ist für Kraftwerke, die die Bundesnetzagentur als systemrelevant einstuft, verpflichtend. Als Teil der Reserve müssen Kohlekraftwerke in einem Zustand erhalten werden, der einen dauerhaften Betrieb am Strommarkt möglich machen würde. Die dafür anfallenden Kosten werden erstattet. Die Betreiber müssen auch genügend Brennstoff vorhalten.


    Bei Engpässen sollen die Betreiber zwar nicht wieder in die Stromproduktion einsteigen müssen - es dürfte sich angesichts hoher Preise dann aber für sie lohnen. Finanzielle Unterstützung gibt es dann nicht mehr für sie.


    Und die Braunkohle?


    Im Gegensatz zur Steinkohle wird Braunkohle nicht importiert, sondern in Deutschland gefördert. Stillgelegte Braunkohlekraftwerke befinden sich in einer sogenannten Sicherheitsbereitschaft, damit sie bei Engpässen ebenfalls aushelfen können. Damit dies schneller klappt, sollen sie in eine neue Versorgungsreserve überführt werden. Über den Abruf würde wie bei der Steinkohle Habeck nach Rücksprache mit Kollegen entscheiden.


    Die Rolle von Gas in der deutschen Stromerzeugung


    Im vergangenen Jahr trug Gas nach Ministeriumsangaben etwa 15 Prozent zur deutschen Stromerzeugung bei. Inzwischen dürfte der Anteil aber geringer sein.


    Betrieb von Gaskraftwerken soll unattraktiver werden


    Der Einsatz von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung soll im Ernstfall für eine Dauer von sechs Monaten mit einem sogenannten Malus belegt werden können, was den Betrieb laut Ministerium unwirtschaftlich machen würde. Betreiber müssten dann Geld an den Staat zahlen. Ob es dazu kommt, würde ebenfalls Habeck nach Rücksprache mit Ministerkollegen entscheiden.


    Anlagen, die aus Gas gleichzeitig Wärme und Strom oder mechanische Energie erzeugen (Kraft-Wärme-Kopplung), sollen weiterlaufen können, wenn es keine Alternative zur Wärmeerzeugung gibt.


    Regelungen mit Verfallsdatum


    Im Sinne des Klimaschutzes will Deutschland die Stromerzeugung aus Kohle in nicht allzu ferner Zukunft beenden. Das bleibe auch so, heisst es im Gesetzentwurf: "Das Ziel, den Kohleausstieg idealerweise im Jahr 2030 zu vollenden, bleibt, wie auch die Klimaziele, davon unberührt." Die Regelungen zur kurzfristigen Aktivierung von Kohlekraftwerken sollen als Brücke für den Zeitraum dienen, bis Deutschland sich zumindest weitgehend von russischen Gasimporten gelöst hat.


    Die Regelungen zur möglichen Nutzung von Kohlekraftwerken in der Stromerzeugung sind bis zum 31. März 2024 begrenzt. Bis zum Sommer 2024 könnte der Anteil russischen Gases nach früheren Angaben des Ministeriums schrittweise auf 10 Prozent des Verbrauchs in Deutschland gedrückt werden. Mitte April lag er bei 35 Prozent.


    Reaktionen


    Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüsste grundsätzlich, dass die Bundesregierung Deutschland weiter auf einen möglichen Gaslieferstopp vorbereitet. "Wichtig ist dabei aus Sicht der Stadtwerke vor allem, eine Einschränkung der Gasverstromung auf eine absolute Mangellage zu begrenzen, sie klar zu definieren und die Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung nicht zu gefährden", betonte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.


    Auf Skepsis stösst in der Energiebranche die Regelung, wonach der Betrieb von Gaskraftwerken vorübergehend verteuert werden könnte. "In einer Gasmangellage würden die Gaspreise stark steigen und müssten nicht durch den Staat zusätzlich erhöht werden", erklärte der Vorstand des Branchenverbands Zukunft Gas. "Es ist ein falscher Ansatz, etwas zu bestrafen, was man in Zukunft noch braucht: Die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken wird langfristig den dringend notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien abfedern müssen."


    Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüsst zwar wie auch Zukunft Gas, dass Vorkehrungen getroffen werden sollen, sieht eine vorübergehende Verteuerung der Stromerzeugung in Gaskraftwerken aber extrem skeptisch: "Dies würde einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Unternehmen darstellen, der nach Ansicht des BDEW unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt wäre."/hrz/DP/he


    (AWP)

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  • Experte: Energiekrise beschleunigt Wasserstoffnutzung


    Die Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs wird laut einem Experten die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger antreiben. "Bei der aktuellen Energiekrise hilft Wasserstoff Europa nicht - mittel- und langfristig aber sehen wir eher noch mehr Momentum für Wasserstoffnutzung", sagte Experte Bernd Heid von der Unternehmensberatung McKinsey der Deutschen Presse-Agentur in Davos. "Die wird schon deshalb schneller kommen, weil konventionelle Energie wie Öl und Gas verknappt und dadurch teurer wird."


    29.05.2022 14:19


    Viele Unternehmen, die sich mit Wasserstoff beschäftigen, wollten trotz einer Goldgräberstimmung mit Investitionen erst einmal abwarten, bis der Markt rund um das Gas abhebt. Unternehmen würden wie beim Marathonlauf einen langen Atem brauchen - "aber loslaufen sollte man jetzt schon." Es formten sich jetzt kritische Ökosysteme. "Wer zu spät kommt, kann nicht mehr dazustossen."


    Deutschland sucht wegen des Ukraine-Kriegs händeringend nach Möglichkeiten, die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl als Energieträger zu senken.


    Wegen der klimaschädlichen Wirkung von Kohlenstoffdioxid (CO2) sollen fossile Energieträger in der EU künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, Wind und Solarkraft werden daher wichtiger. "Solarkraft gibt es vorwiegend im Nahen Osten, in Nordafrika, aber unter anderem auch in Australien, Südamerika und im Süden Afrikas. Europa wird ein Nettoimporteur von sauberer Energie werden", sagte Heid. Dabei komme Wasserstoff als Energieträger zum Einsatz, weil lange Stromkabelverbindungen teuer und wenig effizient seien.


    Vor allem in schwierig zu dekarbonisierenden Schwerindustrie-Sektoren wie Stahl- und Zementproduktion sowie im Schwertransport reiche Elektrifizierung allein nicht aus, um das Ziel einer klimaneutralen Gesellschaft zu erreichen, meint der Experte. "Einen Supermarkt in 250 Kilometer Entfernung kann man locker mit Elektro-Lkw beliefern", sagte Heid. "Aber Tomaten von Spanien nach Hamburg zu bringen - da macht es aus physikalischen und ökonomischen Gesichtspunkten keinen Sinn, schwere Batterien über weite Distanzen zu fahren."/men/DP/he


    (AWP)

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  • Gesenkte Spritsteuer: Preise an Tankstellen fallen teils deutlich


    (Ausführliche Fassung) - Die seit Mitternacht geltende Senkung der Energiesteuer hat zu deutlich sinkenden Spritpreisen an vielen Tankstellen geführt. Das zeigt eine Schnellauswertung der Preise an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg im Zeitraum zwischen 6.00 und 7.00 Uhr durch die Deutsche Presse-Agentur mithilfe der Spritpreis-Daten des ADAC am Mittwoch. Zwar haben nicht alle Tankstellen ihre Preise stark gesenkt, bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich allerdings bereits wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied.


    01.06.2022 09:13


    Auch der Bundesverband freier Tankstellen geht davon aus, dass die Steuersenkung bei den Kunden ankommt. "Die Massnahme scheint auf den ersten Blick weitestgehend weitergegeben worden zu sein", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Zieger, der Deutschen Presse-Agentur.


    Das deckt sich mit den Ergebnissen der Blitzanalyse: So kostete am Mittwoch bei rund 350 der untersuchten Tankstellen der Liter Super E10 weniger als 1,90 Euro. Im gleichen Zeitraum am Dienstag hatte es im untersuchten Bereich nur eine einzige Tankstelle gegeben, die E10 für weniger als 2 Euro anbot. Bei der Mehrheit lag der Preis damals zwischen 2,10 und 2,30 Euro. Der theoretische Preisunterschied für Superbenzin durch die Steuerentlastung läge bei 35 Cent pro Liter. Das liegt angesichts der vorliegenden Daten grob abgeschätzt in Reichweite der Senkungen. Für eine genauere Bewertung ist es allerdings noch zu früh.


    Auch bei Diesel ergab sich ein klarer Trend in Richtung fallender Preise. Hatte es den Kraftstoff noch am Dienstagmorgen nur in seltenen Fällen für weniger als 2 Euro gegeben, machten diese Preise am Mittwoch bereits die Mehrheit aus. Mehr als 2,10 Euro wurden dagegen kaum verlangt. Das war am Dienstag noch fast in der Hälfte aller Fälle so gewesen. Bei Diesel liegt die Entlastung durch die Steuersenkung mit knapp 17 Cent pro Liter deutlich niedriger.


    Vor der Steuersenkung war erwartet worden, dass die Spritpreise am Mittwoch nicht abrupt fallen werden. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet sind. Dass die Mehrheit der Tankstellen dennoch bereits jetzt die Preise kräftig senkte, könnte eine Folge der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und des damit einhergehenden Wettbewerbsdrucks sein.


    Der Bundesverband freier Tankstellen erklärte, die Herausforderung bestehe darin, den niedriger besteuerten Sprit von den Raffinerien und Lagern in ausreichender Menge rasch an die Tankstellen zu bekommen. Der Füllstand der Tanks an den Tankstellen habe zum Teil zunächst nur bei 20 bis 30 Prozent gelegen. Denn volle Tanks mit der alten Steuerlast seien unter kaufmännischen Gesichtspunkten nicht verkraftbar.


    Für die Analyse wurden die Preise an rund 400 Tankstellen in und um München, Berlin und Hamburg auf der Homepage des ADAC am Dienstag und Mittwoch jeweils zwischen 6.00 und 7.00 Uhr abgerufen und verglichen./ruc/DP/jha


    (AWP)

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  • Strom wird deutlich laut Elcom teurer und im Winter drohen Engpässe


    (Meldung nach MK ergänzt) - Strom wird im kommenden Jahr deutlich teurer. Auch die Versorgung dürfte im Winter unsicher werden, Engpässe sind nicht ausgeschlossen. Zu dieser Einschätzung kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom), die Regulierungsbehörde des Bundes.


    02.06.2022 13:13


    Die Strompreisentwicklung im Grosshandel zeige seit August vergangenen Jahres einen historisch einmaligen Anstieg, hiess es an der Jahresmedienkonferenz der Elcom am Donnerstag in Bern.


    Dafür verantwortlich seien zu einem grossen Teil die Gaspreise, die im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ausserordentlich stark angestiegen seien. Dazu kämen noch die erneut stark gestiegenen Kohlepreise.


    "Vorab würde ich mir eine Entspannung auf den Energiemärkten als Folge des Endes des Krieges in der Ukraine wünschen", wird Elcom-Geschäftsführer Urs Meister im Tätigkeitsbericht 2021 zitiert.


    180 Franken mehr für 5-Zimmer-Haushalt


    Die Elcom hat zu den erwarteten Tariferhöhungen erst im Mai eine Umfrage unter 613 Energieversorgungsunternehmen gemacht. Demnach wird ein Grossteil der Netzbetreiber für das kommende Tarifjahr je nach Beschaffungsprofil im Durchschnitt rund 47 Prozent höhere Energietarife verrechnen. Belastet würden Grossverbraucher und Haushalte gleichermassen.


    Für einen 5-Zimmer-Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden würde das einen Anstieg des Strompreises von rund 21 Rappen pro Kilowattstunde im Jahr 2022 auf knapp 25 Rappen pro Kilowattstunde für das kommende Jahr oder eine finanzielle Mehrbelastung von rund 180 Franken pro Jahr bedeuten.


    Betriebe mit einem Jahresverbrauch von 150'000 Kilowattstunden müssten mit Mehrkosten von rund 6000 Franken rechnen. Die Unterschiede können im Einzelfall laut Elcom auch höher sein.


    Vollständiger Gas-Lieferstopp nicht kompensierbar


    Die Volatilität im Strommarkt hat auch Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Schweiz, wie Elcom-Präsident Werner Luginbühl vor den Medien betonte. Bereits in diesem Winter könnten Engpässe nicht ausgeschlossen werden.


    Dies sei auch eine Folge des Ukraine-Kriegs, so Luginbühl. Ein kompletter Lieferstopp von russischem Gas wäre etwa nicht vollständig zu kompensieren. "Sollte russisches Gas gänzlich ausbleiben, wären Einschränkungen beim Verbrauch unausweichlich." Allerdings könnte der Gas-Verbrauch aufgrund der steigenden Preise automatisch sinken, so Luginbühl weiter.


    Weniger Atomstrom aus Frankreich


    Auch dass der Strom bereits in diesem Winter knapp wird, kann Luginbühl nicht ausschliessen. Dies hänge auch mit der Situation in Frankreich zusammen, wo aufgrund technischer Probleme bei Kernkraftwerken aktuell deutlich weniger Strom produziert werde. Die Preise in Frankreich für den Winter 2022/23 seien darum auch deutlich höher als jene von Deutschland und der Schweiz.


    Luginbühl geht davon aus, dass die Schweiz in kommendem Winter kaum Strom aus Frankreich, dafür vermehrt aus Italien und zum Teil auch aus Deutschland und Österreich importieren wird.


    Falls sich die Situation in Frankreich nicht bessere und es zu einem vollständigen Lieferstopp von russischem Öl komme, seien Stromengpässe in diesem Winter möglich, so Luginbühl. "Wenn nur ein Problem besteht, muss die Situation nicht eskalieren; wenn beide Probleme zusammenkommen, könnten wir ein grösseres Problem bekommen."


    Hydro-Reserve sei wichtigste Massnahme


    Für die Elcom die wichtigste Massnahme zur kurzfristigen Verhinderung eines Engpasses sei die bereits in die Wege geleitete Schaffung einer Hydro-Reserve basierend auf den bestehenden Wasserkraftwerken, sagte Luginbühl auf die Frage eines Journalisten. Daneben würden aber noch zahlreiche weitere Massnahmen geprüft.


    Die Elcom ist die unabhängige staatliche Aufsichtsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie ist gemäss dem Stromversorgungsgesetz für die Überwachung der Versorgungssicherheit zuständig.


    Die Elcom überwacht auch die Strompreise und entscheidet als richterliche Behörde bei Differenzen betreffend den Netzzugang. Sie überwacht zudem die Versorgungssicherheit im Strombereich und regelt Fragen zum internationalen Stromtransport und -handel.


    (AWP)

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  • Ein Tag nach Steuersenkung steigt Benzinpreis in Deutschland wieder


    Einen Tag nach der Steuersenkung steigen die Benzinpreis in Deutschland bereits wieder. Am Donnerstagvormittag lagen sowohl Diesel als auch Superbenzin der Sorte E10 einige Cent oberhalb der Preise vom Mittwochvormittag, wie der ADAC mitteilte. So kostete E10 um 10.50 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 1,896 Euro pro Liter. Das sind 3,7 Cent mehr als 24 Stunden zuvor. Diesel kostete 1,951 Euro: 3,3 Cent mehr.


    02.06.2022 12:08


    Dabei war der Steuervorteil - bei Superbenzin sind es 35,2 Cent pro Liter, bei Diesel 16,7 - schon am Mittwoch nicht komplett beim Verbraucher angekommen. "Eigentlich müsste es weiter nach unten gehen, stattdessen steigen die Preise aktuell aber", sagte ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Christian Laberer. Der Anstieg sei nicht gerechtfertigt - zumal der Ölpreis zuletzt gesunken sei und an den Tankstellen inzwischen immer mehr steuerreduzierter Kraftstoff ankomme.


    Ganz grundsätzlich hält Laberer die aktuellen Preise für deutlich zu hoch. Schon vor der Steuersenkung sei beispielsweise E10 seiner Einschätzung nach um etwa 20 Cent zu teuer gewesen. Und nun werde auch die Entlastung nicht komplett weitergegeben. "Bei Super E10 müsste ein fairer Preis rund 55 Cent unterhalb des Preises vom Dienstag liegen", zählt er zusammen. "Also bei etwa 1,60 pro Liter. Davon sind wir im Moment rund 30 Cent entfernt."


    Laberer befürchtet, dass sich diese Lücke nicht schnell schliessen wird. "Die Preise müsse sinken, es besteht aber die Gefahr, dass das nicht passiert. Gerade jetzt vor der Pfingstreisewelle, in der viele Menschen gezwungen sind, zu tanken."/ruc/DP/men


    (AWP)

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  • Deutschland will Vorsorge für Gasmangel erhöhen


    Die Bundesregierung will die Vorsorge für den Fall einer Gasknappheit bei einem Stopp russischer Lieferungen erhöhen. Dazu soll eine bis zum 31. März 2024 befristete "Gasersatz-Reserve" aus stillgelegten Kohlekraftwerken eingerichtet werden. Das Kabinett stimmte am Mittwoch entsprechenden Plänen zu, wie das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium mitteilte.


    08.06.2022 14:03


    Kohle- oder Ölkraftwerke sollen demnach im Falle einer Gasmangellage kurzfristig und auf Abruf in den Markt zurückkehren können - um den Gasverbrauch in der Stromerzeugung deutlich verringern zu können. Gas trug 2021 laut Ministerium zu 15 Prozent zur Stromerzeugung bei, der Anteil dürfte in den ersten Monaten 2022 aber schon geringer sein. Ausserdem soll die Bundesregierung im Fall einer Gasknappheit die Möglichkeit bekommen, die Stromerzeugung von Gaskraftwerken schnell zu verringern./hoe/DP/jha


    (AWP)

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  • Kohle wichtigster Energieträger für Stromproduktion in Deutschland


    (Ausführliche Fassung) - Kohle ist nach wie vor Deutschlands wichtigster Energieträger für die Stromproduktion - aber der Anteil erneuerbarer Energien hat zuletzt zugenommen. Im ersten Quartal 2022 stammte mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der gesamten erzeugten Strommenge von 143,8 Milliarden Kilowattstunden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes aus konventionellen Energiequellen wie Kohle, Erdgas und Atomkraft. Erneuerbare Energien wie Windkraft, Photovoltaik und Biogas steuerten nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Mittwoch 47,1 Prozent bei.


    08.06.2022 17:13


    Während die eingespeiste Strommenge aus konventionellen Quellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent sank, gab es bei den erneuerbaren Energieträgern ein Plus von 21 Prozent.


    Wichtigster Energieträger war in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Kohle mit 31,5 Prozent Anteil an der gesamten Strommenge. Die Menge an Kohlestrom in deutschen Netzen erhöhte sich zum Vorjahresquartal um 12,5 Prozent.


    Windkraft als zweitwichtigste Energiequelle steuerte im ersten Quartal 30,1 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Dass die Menge an Windstrom binnen Jahresfrist um 28,8 Prozent zulegte, sei vor allem darauf zurückzuführen, dass das erste Quartal 2021 relativ windarm gewesen sei, erklärten die Statistiker. Strom aus Sonnenenergie hatte mit 6,3 Prozent den zweithöchsten Anteil unter den Erneuerbaren (Vorjahr: 4,7 Prozent).


    Der Erneuerbaren-Anteil von 47,1 Prozent ist der zweithöchste Wert in einem ersten Quartal seit Beginn der statistischen Erhebung durch das Bundesamt 2018. Höher habe er nur Anfang 2020 mit 51,4 Prozent gelegen, sagte ein Sprecher. Den höchsten Anteil über alle Quartale hatten die Erneuerbaren demnach im 2. Quartal 2020 mit 52,8 Prozent.


    "Der hohe Anteil der Erneuerbaren Energien in der Stromeinspeisung zeigt eine positive Entwicklung", sagte die Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae. Dennoch sei "deutlich mehr Tempo beim seit Jahren schleppenden Ausbau von Wind- und Sonnenenergie" nötig.


    Der Bundesverband Solarwirtschaft bezeichnete die weiteren Aussichten für die Solarenergie anlässlich der Zahlen als "sonnig". So sei 2021 etwa jede zehnte Kilowattstunde aus Solarstromanlagen gekommen. "Setzt die Bundesregierung ihre Pläne um, die Solartechnik tatsächlich zu entfesseln, so könnte es in zehn Jahren bereits fast jede dritte Kilowattstunde sein", sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.


    Erfreut äusserte sich auch der Bundesverband Erneuerbare Energien. "Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen erneut: Auf die Erneuerbaren Energien ist Verlass", sagte BEE-Präsidentin Simone Peter. Die Erneuerbaren schützten nicht nur das Klima, sondern seien selbst in Krisenzeiten "ein Garant für eine sichere und günstige Stromversorgung in Deutschland"./ben/DP/jha


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  • EU-Kommission: Spanien und Portugal dürfen Energiepreise deckeln


    Spanien und Portugal dürfen zeitweise mit einem Preisdeckel gegen hohe Energiekosten in ihren Ländern vorgehen. Die von der EU-Kommission genehmigte Massnahme ermögliche es den Ländern, die infolge des russischen Einmarschs in die Ukraine stärker gestiegenen Strompreise für die Verbraucher zu senken, sagte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Bis Ende Mai 2023 dürfen beide Länder zusammen Zuschüsse im Wert von knapp 8,5 Milliarden Euro an Stromerzeuger auszahlen.


    09.06.2022 07:13


    Die Zahlungen berechneten sich auf der Grundlage der Preisdifferenz zwischen dem Marktpreis für Erdgas und einer Obergrenze von durchschnittlich 48,8 Euro pro Megawattstunde. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Massnahme mit den EU-Regeln für Staatshilfe im Einklang steht.


    Im März war auf einem EU-Gipfel lange und hart um das Thema gerungen worden. Am Ende gab es die politische Zusage für Spanien und Portugal, Sondermassnahmen gegen die hohen Energiepreise einführen zu dürfen. Länder wie Deutschland und die Niederlande lehnten damals einen solchen Markteingriff ab./mjm/DP/nas


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  • Benzinpreis in USA auf

    Benzinpreis in USA auf Rekordhoch - wichtige Marke gerissen


    Der Preis für Benzin ist in den USA erstmals über die psychologisch wichtige Marke von fünf Dollar pro Gallone gestiegen.


    12.06.2022 08:16


    Der landesweite Durchschnittspreis für bleifreies Normalbenzin lag am Samstag nach einer Übersicht des US-Automobilclubs AAA bei 5,004 Dollar für eine Gallone (3,785 Liter). Umgerechnet entspricht das einem Preis von 1,26 Euro pro Liter. Benzin ist in den USA also weiterhin deutlich günstiger als in Deutschland. Die Preise sind in den vergangenen Monaten aber drastisch gestiegen.


    Die Treibstoffpreise haben im Mai verglichen mit dem Vorjahresmonat um 48,7 Prozent zugelegt, wie aus einer Übersicht des Arbeitsministeriums hervorgeht. Energiepreise gehören zu den wichtigsten Treibern der Inflation, die in den USA auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren geklettert ist. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent, wie das Ministerium am Freitag mitgeteilt hatte.


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  • Dieselpreis steigt in Deutschland wieder über zwei Euro


    Der Dieselpreis an der Tankstelle hat nach Auswertung des ADAC trotz Tankrabatts wieder die Schwelle von zwei Euro überschritten. Ein Liter koste im bundesweiten Schnitt aktuell 2,036 Euro und damit 4,4 Cent mehr als vor einer Woche, teilte der Autoclub am Mittwoch mit. Superbenzin hingegen ist demnach marginal billiger geworden und kostet mit 1,944 Euro pro Liter 0,4 Cent weniger als vor einer Woche.


    15.06.2022 14:50


    Der ADAC warf den Mineralölkonzernen erneut vor, überteuerte Preise zu verlangen. Seit Anfang März sei der Benzinpreis an den Tankstellen um rund 12 Cent gestiegen, obwohl Anfang Juni die Energiesteuer inklusive Mehrwertsteuer um rund 35 Cent je Liter Benzin gesenkt wurde. Rohölpreise und Dollarkurs seien seit Anfang März insgesamt gut 20 Prozent teurer geworden, die davon beeinflussten Bestandteile des Benzinpreises dagegen um über 60 Prozent.


    Die Fachwelt ist sich in Sachen Benzinpreise uneins. So hatte das Münchner Ifo-Institut errechnet, dass die Mineralölkonzerne den Tankrabatt weitgehend weitergeben. Nach einer gegenläufigen Berechnung des Münsteraner Wirtschaftswissenschaftlers Johannes Schwanitz hingegen streichen die Mineralölkonzerne mehr als zwei Drittel der Steuersenkung ein./cho/DP/nas


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  • Italien beteiligt sich an grossem Flüssiggas-Projekt in Katar


    Auf der Suche nach Alternativen zu russischem Gas hat Italien einen milliardenschweren Deal mit Katar abgeschlossen. Der teilstaatliche Energieversorger Eni gab am Sonntag eine Partnerschaft mit QatarEnergy bei einem grossen Flüssiggas-Projekt bekannt. Die zwei Konzerne gründeten dafür ein Unternehmen, das 12,5 Prozent an dem Expansionsprojekt North Field East (NFE) halten wird. Dieses soll den Export von Flüssiggas aus dem arabischen Land von derzeit 77 auf 110 Millionen Tonnen pro Jahr steigern.


    19.06.2022 15:48


    Die Laufzeit der Kooperation beträgt 27 Jahre. In dem sogenannten Joint Venture wird Eni 25 Prozent der Anteile halten, der Rest gehört QatarEnergy. Vor Eni hatte der Golfstaat schon mit dem französischen Energiekonzern Totalenergies ein ähnliches Abkommen abgeschlossen.


    Italien war jahrelang von Gas aus Russland abhängig; durch den Krieg in der Ukraine und die westlichen Sanktionen gegen Moskau sucht Rom aber intensiv nach Alternativen. Unter anderem baute Italien zuletzt schon die Zusammenarbeiten mit Gas-Exporteuren wie etwa Algerien aus./msw/DP/men


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  • Der Habeck-Plan - wie eine schwere Gaskrise verhindert werden soll


    (neu: Mit Habeck-Aussagen aktualisiert.) - Mit umfangreichen Massnahmen will Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Gasverbrauch in Deutschland senken und auf die Drosselung russischer Lieferungen reagieren. Damit soll eine schwere Gaskrise verhindert werden mit Blick vor allem auf den Winter und den Beginn der Heizperiode. Im Kern geht es um staatliche Milliarden für das schnelle Befüllen von Speichern, Kohle statt Gas zur Stromerzeugung und Anreize für Industriefirmen zu weniger Verbrauch.


    19.06.2022 19:47


    Die Lage sei ernst, sagte Habeck am Sonntag in Flensburg - die Regierung antworte darauf mit ernsten Schritten. "Wir stärken daher weiter die Vorsorge und ergreifen zusätzliche Massnahmen für weniger Gasverbrauch. Das heisst: Der Gasverbrauch muss weiter sinken, dafür muss mehr Gas in die Speicher, sonst wird es im Winter wirklich eng."


    Der russische Staatskonzern Gazprom hatte den Gasfluss durch die Ostseepipeline Nord Stream in den vergangenen Tagen deutlich verringert. Begründet wurde dies mit Verzögerungen bei der Reparatur von Verdichterturbinen durch die Firma Siemens Energy .


    Die angespannte Situation und die hohen Preise seien eine unmittelbare Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf Geheiss von Präsident Wladimir Putin, sagte Habeck. "Es ist offenkundig die Strategie von Putin, uns zu verunsichern, die Preise in die Höhe zu treiben und uns zu spalten. Das lassen wir nicht zu."


    Noch könnten die ausfallenden Mengen ersetzt werden, noch laufe die Befüllung der Gasspeicher, wenn auch zu hohen Preisen. Die Versorgungssicherheit sei aktuell gewährleistet. Der Gasverbrauch im Strombereich und in der Industrie solle aber gesenkt und die Befüllung der Speicher forciert werden, so Habeck: "Je nach Lage werden wir weitere Massnahmen ergreifen."


    Konkret geht es darum: Um die Einspeicherung von Gas zu sichern, stellt die Bundesregierung schon in Kürze eine zusätzliche Kreditlinie über die Staatsbank KfW in Höhe von 15 Milliarden Euro zur Verfügung, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Die Kreditlinie ist bis Ende 2025 befristet und mit dem Finanzministerium besprochen. Der Haushaltsausschuss soll noch unterrichtet werden.


    Angesichts steigender Gaspreise soll mit dem Kredit die sogenannte Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe THE die nötige Liquidität bekommen, um Gas einzukaufen und die Befüllung der Speicher voranzutreiben. Der Kredit werde über eine Garantie des Bundes abgesichert. Die Gesellschaft Trading Hub Europe ist durch eine Kooperation von Netzgesellschaften entstanden.


    Habeck plant ausserdem noch im Sommer ein Gasauktions-Modell. Dieses soll industriellen Gasverbrauchern Anreize bieten, Gas einzusparen. Im Kern geht es darum, dass Industriekunden, die auf Gas verzichten können, ihren Verbrauch gegen Entgelt verringern, das über den Markt finanziert wird - und das Gas zur Verfügung stellen, damit es eingespeichert werden kann. "Alles, was wir weniger verbrauchen, hilft", so Habeck. Die Industrie sei dazu ein Schlüsselfaktor.


    Gas ist nicht nur fürs Heizen von Wohnungen wichtig, sondern auch in der Industrie, als Rohstoff für die Produktion sowie für die Energieerzeugung. Gas trug 2021 laut Ministerium rund 15 Prozent zur Stromerzeugung bei, nach Branchenangaben im Mai noch etwa 10 Prozent.


    Im Strommarkt soll der Einsatz von Gas verringert werden - statt Gas soll mehr Kohle verstromt werden. Pläne der Regierung sollen möglichst schnell umgesetzt werden. Genutzt werden sollen dann Kohlekraftwerke, die derzeit nur eingeschränkt verfügbar sind, demnächst stillgelegt würden oder sich in einer Reserve befinden.


    Ein entsprechendes Gesetz soll laut Ministerium am 8. Juli vom Bundesrat beschlossen werden und dann zügig in Kraft treten. Parallel wird eine notwendige Ministerverordnung vorbereitet. "Wir rufen die Gasersatz-Reserve ab, sobald das Gesetz in Kraft getreten ist", so Habeck. "Das bedeutet, so ehrlich muss man sein, dann für eine Übergangszeit mehr Kohlekraftwerke. Das ist bitter, aber es ist in dieser Lage schier notwendig, um den Gasverbrauch zu senken."


    Die Gasspeicher müssten zum Winter hin voll sein. Das habe oberste Priorität. Sonst wäre Deutschland "politisch erpressbar", sagte Habeck in Flensburg. Gas sei gegenüber Kohle CO2-ärmer. "Das kann keinem Menschen, der mit wachen Augen durch die Zeit läuft, in irgendeiner Form gefallen. Aber wenn wir es nicht tun, dann laufen wir Gefahr, dass die Speicher Ende des Jahres zum Winter hin nicht voll genug sind."


    Auch die Industrie hatte gefordert, die Gasverstromung zu stoppen und sofort Kohlekraftwerke aus der Reserve zu holen. Der stärkere Einsatz von klimaschädlichen Kohlekraftwerken soll laut Gesetzentwurf bis März 2024 begrenzt sein. Bis zum Sommer 2024 könnte der Anteil russischen Gases nach früheren Angaben des Ministeriums schrittweise auf 10 Prozent des Verbrauchs in Deutschland gedrückt werden. Derzeit liegt er bei 35 Prozent, vor dem Ukraine-Krieg bei 55 Prozent.


    An einem früheren Kohleausstieg will Habeck nicht rütteln. Die Ampel-Koalition will diesen "idealerweise" auf 2030 vorziehen, bisher ist er spätestens 2038 geplant.


    Die Füllstände der Speicher liegen aktuell bei rund 57 Prozent, wie es im Bericht der Bundesnetzagentur vom Sonntag heisst. Ziel der Regierung ist, dass die Gasspeicher zum 1. Oktober zu 80 Prozent und zum 1. November zu 90 Prozent befüllt sind - zur Vermeidung möglicher Engpässe. Die Regierung hatte bereits verschiedene andere Massnahmen ergriffen, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, etwa sollen Flüssiggas-Terminals in Deutschland entstehen.


    Habeck wies einen Vorstoss der FDP zurück, das Verbot der Erdgasförderung in Deutschland durch das sogenannte Fracking auf den Prüfstand zu stellen. "Die Debatte über Fracking nützt uns jetzt in dieser Zeit überhaupt gar nichts. Es dauert Jahre, wenn man es überhaupt machen will, um solche Vorkommen zu erschliessen." Beim Fracking wird Gas oder Öl mit Hilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt. Habeck betonte, der Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne müsse massiv beschleunigt werden.


    Das aber dauert Jahre. Um kurzfristig Anreize für weniger Verbrauch zu setzen, schlugen Politiker und Ökonomen Rabatte oder Prämien für Verbraucher vor. Habeck hatte deutlich gemacht, dass er gesetzliche Massnahmen zu Energieeinsparungen nicht ausschliessen könne./hoe/DP/men


    (AWP)

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  • Kroatien fixiert Benzinpreis - nicht jedoch an Autobahnen


    In dem auch bei Deutschen beliebten Urlaubsland Kroatien gelten ab Dienstag amtliche Höchstpreise für Kfz-Treibstoffe. Die Regelung gilt jedoch nicht für Tankstellen an den Autobahnen, erklärte Ministerpräsident Andrej Plenkovic am Montag vor der Presse in Zagreb. Der amtliche Preis beträgt 13,50 Kuna (1,79 Euro) für den Liter Super 95 Oktan und 13,08 Kuna für den Liter Diesel.


    20.06.2022 14:17


    An Autobahntankstellen bezahlen die Kunden künftig 14,57 Kuna für Super-Benzin und 14,06 für Diesel, führte Plenkovic weiter aus. Diese Beträge würden den Marktpreisen entsprechen. Die Regelung gilt zunächst für zwei Wochen./gm/DP/ngu


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  • Diesel in Deutschland wieder teurer als vor Steuersenkung


    Diesel ist wieder teurer als vor der Steuersenkung am 1. Juni. Mit 2,054 Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnitt des Sonntags übertraf der Preis den Wert des 31. Mai um einen Cent, wie der ADAC am Montag auf Anfrage mitteilte. Damit ist der Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter durch die Preissteigerung zunichte gemacht.


    20.06.2022 15:46


    Der Kraftstoff hatte die Marke vom 31. Mai bereits am vergangenen Freitag erreicht und am Samstag erstmals wieder überschritten - dies wurde aber erst jetzt mitgeteilt. Super E10 kostete am Sonntag 1,913 Euro pro Liter, anders als Diesel hat es sich in den vergangenen Tagen allerdings um einige Cent verbilligt. Auch der Rohölpreis hatte zuletzt nachgegeben, was normalerweise für Entspannung an den Zapfsäulen sorgt.


    Die von Juni bis August geltende Steuerentlastung auf Kraftstoffe soll Verbraucher angesichts der hohen Spritpreise entlasten. Inklusive Mehrwertsteuer geht es dabei um 35,2 Cent bei Superbenzin und 16,7 Cent bei Diesel je Liter. Der Rückgang der Preise nach Inkrafttreten erreichte aber nie diese Höhen. Super E10 war am Sonntag um 23,8 Cent billiger als am Tag vor der Steuersenkung, die nach Berechnungen der Bundesregierung für Mindereinnahmen von 3,15 Milliarden Euro sorgt.


    ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht blickt sorgenvoll in die Zukunft: "Es besteht die Gefahr, dass die hohen Preise mit deutlich höheren Margen auf dem Weg vom Rohöl über die Raffinerie bis zur Tankstelle sich verfestigen, weil die Menschen sich an die hohen Preise gewöhnen", sagt er. "Was jetzt zusätzlich bezahlt wird, verdient jemand. Und die Preise sind angesichts der Entwicklung des Ölpreises, der zuletzt ja sogar wieder ein Stück nachgegeben hat, viel zu hoch."


    Die Steuersenkung stand und steht in der Kritik von verschiedenen Seiten. Unter anderem wurde bemängelt, dass sie ein klimapolitisch falsches Signal sei, dass sie besonders Wohlhabenden nütze oder dass sie den Wettbewerbsdruck auf die Spritpreise bremse.


    Zudem gibt es Vorwürfe, dass ein grosser Teil der Massnahme nicht den Autofahrern, sondern der Mineralölindustrie zugute komme. Das Münchner Ifo-Institut kam nach einem Vergleich mit den Preisen in Frankreich dagegen darauf, dass der Rabatt bei Diesel komplett und bei Benzin grossenteils weitergegeben werde. Die Mineralölwirtschaft verwies zuletzt auf gestiegene Einkaufspreise und Kosten. Das Bundeskartellamt untersucht die Entwicklung der Spritpreise. Allerdings hat es bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass man hohe Preise alleine nicht verbieten könne.


    Auch ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Albrecht fordert mit Blick auf das Kartellamt eine "zügige kritische Überprüfung des gesamten Prozesses und einen funktionierenden Wettbewerb" und fügt hinzu: "Zu Letzterem kann auch den Autofahrer durch bewusstes Tanken beitragen."


    Nach Beginn des Ukraine-Krieges waren die Spritpreise in Deutschland in bisher nie gekannte Höhen gestiegen. Diesel erreichte sein bisheriges Maximum laut ADAC-Daten am 10. März mit 2,321 Euro pro Liter im bundesweiten Tagesdurchschnitt und E10 mit 2,203 Euro am 14. März. Wie hoch die aktuellen Werte sind, zeigt auch ein Vergleich im Durchschnitt des Juni 2021: Damals kostete E10 1,507 Euro pro Liter, Diesel 1,363./ruc/DP/ngu


    (AWP)

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