• Kreisschreiben Nr. 36 der Eidgenössischen Steuerverwaltung

    Das wurde in diesem Thread abgehandelt https://www.cash.ch/comment/639633#comment-639633


    Ferner ist gewerbsmässiger Wertschriftenhandel immer ausgeschlossen, wenn die Kriterien gemäss Ziffer 3 des Kreisschreibens Nr. 36 der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 27. Juli 2012 kumulativ erfüllt sind:

    • Die Haltedauer der veräusserten Wertschriften beträgt mindestens 6 MonateDas Transaktionsvolumen (entspricht der Summe aller Kaufpreise und Verkaufserlöse) pro Kalenderjahr beträgt gesamthaft nicht mehr als das Fünffache des Wertschriften- und Guthabenbestands zu Beginn der Steuerperiode
    • Das Erzielen von Kapitalgewinnen aus Wertschriftengeschäften bildet keine Notwendigkeit, um fehlende oder wegfallende Einkünfte zur Lebenshaltung zu ersetzen. Das ist regelmässig dann der Fall, wenn die realisierten Kapitalgewinne weniger als 50% des Reineinkommens in der Steuerperiode betragen.
    • Die Anlagen sind nicht fremdfinanziert oder die steuerbaren Vermögenserträge aus den Wertschriften (wie z. B. Zinsen, Dividenden, usw.) sind grösser als die anteiligen Schuldzinsen.
    • Der Kauf und Verkauf von Derivaten (insbesondere Optionen) beschränkt sich auf die Absicherung von eigenen Wertschriftenpositionen.

    Sind diese Kriterien nicht kumulativ erfüllt, werden die gesamten Umstände des Einzelfalls beurteilt. Bei der vertieften Beurteilung treten das Transaktionsvolumen, die Fremdfinanzierung und der Einsatz von Derivaten als Indizien zur Annahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit in den Vordergrund (Ziffer 4 des Kreisschreibens Nr. 36).

  • Wertzuwachs 2020 ja oder nein?

    Das Jahr 2020 wird voraussichtlich schlecht für Anleger sein. Sollten du mit deinen Anlagen nicht den Markt schlagen, wird das Steueramt die Frage nach der Gewerbstätigkeit nicht stellen. Warum nicht. Gewerbsmäßige Wertschriftenhändler können die Verluste mit ihrem sonstigen Einkommen verrechnen und/oder die Verluste auf die nächsten Jahre übertragen und mit dem Einkommen verrechnen, das sie dannzumal erzielen. Das wäre nicht gut für das Steueraufkommen.


    Anders ist es, wenn sich das Vermögen per 31.12 2020 im Vergleich zum 31.12.2019 ganz wesentlich erhöht und nur der geringste Teil davon durch übrige Einkommen erklärbar sind:


    Beispiel: Vermögen 2020: CHF 900k; Vermögen 2019 CHF 700k; Jahreslohn 100k netto; Lebenshaltungskosten (geschätzt) CHF 30k. Das ist ein Vermögenszuwachs von CHF 200K plus 30K (die du für die Lebenshaltung ausgegeben hast.). Damit sind wir bei CHF 230K. Davon sind CHF 100K Lohn.


    In diesem Fall würde der Steuerkommissär das Wertschriftenverzeichnis unter die Lupe nehmen. Ein wichtiges Augenmerk wird er darauf richten, wieviele Börsentransaktionen im Vergleich zur Zahl der Wertschriften macht und inbesondere, was das für Börsengeschäfte das sind. Besonders der Einsatz von Derivaten, wie Hebelgeschäfte (CFD) sind ein Zeichen für gewerbsmäßiges Handeln und unüblich für private Vermögensverwaltung. Auch der massive Einsatz von Fremdkapital spricht eher für ein gewerbsmäßiges Trading.

  • Ich habe mir noch überlegt, ob ich nicht einfach mein Steueramt anfragen soll, ob da eine Gefahr besteht dass ich als Gewerbsmässig eingestuft werde. Ev. könnte dann noch in den letzten Monaten Gegensteuer geben , weniger Trades, ev. ein Grossteil des Gewinnes bar beziehen. Hat das schon mal jemand gemacht oder weckt man da schlafende Hunde ?

  • Atlan hat am 24.09.2020 13:32 geschrieben:

    Quote

    Ich habe mir noch überlegt, ob ich nicht einfach mein Steueramt anfragen soll, ob da eine Gefahr besteht dass ich als Gewerbsmässig eingestuft werde. Ev. könnte dann noch in den letzten Monaten Gegensteuer geben , weniger Trades, ev. ein Grossteil des Gewinnes bar beziehen. Hat das schon mal jemand gemacht oder weckt man da schlafende Hunde ?

    Ich denke das kommt auch auf die Gemeinde drauf an. Je nachdem wie kompetent du die Leute einschätzs, würde ich auf ja oder nein interpretieren.


    In meinem Fall hatte ich mal einen "grösseren" Fehler, welcher zwar nicht ins Gewicht gefallen ist, hätte aber aufgrund Beilagen auffallen müssen. Im Folgejahr habe ichs dann einfach richtig gemacht, was für meine Verhältnisse eine mittel-grosse Differenz gab. Bei beiden Fällen habe ich nie was gehört, weshalb ich vermute, dass sie es gar nie angeschaut haben. Daher würde ich persönlich nicht anrufen und ein wenig Gegensteuer oder was ähnliches geben.

  • Pesche hat am 29.09.2020 12:00 geschrieben:

    Quote

    Was heisst kumulativ? Alle Punkte müssen erfüllt sein? ODER nicht?

    Ja das ist damit gemeint.


    Habe mich in der Zwischenzeit noch etwas rumgeschaut und ich denke es ist sehr unwahrscheinlich dass ich da Steuerpflichtig werde und in dem Falle werde ich mich auf der Gemeinde nicht erkundigen. Wohne ländlich und ich denke das hilft auch. Beschränke mich dieses Jahr auch auf < 200 Trades, bin momentan bei 150. Ev. realisiere ich eine grössere Portion meines Gewinnes der letzen 2 Jahre und halte das mal vorläufig als Cash. Habe nächstens Pensionskassenauszahlung und dann lege ich das dann in einem Fond an, man wird ja auch älter

  • Pesche hat am 29.09.2020 12:00 geschrieben:

    Quote

    Was heisst kumulativ? Alle Punkte müssen erfüllt sein? ODER nicht?

    Wenn einer der Punkte nicht erfüllt ist, besteht die Gefahr, dass sie sich die Sache genauer anschauen.



    Wenn man z.B. mit Optionen einen grossen Gewin macht und die Optionen dienten nicht der Absicherung, KANN das Steueramt aktiv werden.

  • Die Steuerämter haben grundsätzlich kein Interesse jemanden als professionell einzustufen, weil er/sie dann in den folgenden Jahren auch Verluste abziehen kann.


    Solange Ihr nicht im ganz grossen Stil Gewinn macht, betrifft das den Retailanleger nicht.