• Ex-Wirecard-Prüfer will Veröffentlichung von Bericht verhindern


    Ein ehemaliger Bilanzprüfer des Wirecard -Konzerns will juristisch verhindern, dass der Abschlussbericht des Bundestags-Untersuchungsausschusses wie geplant veröffentlicht wird. Das Verwaltungsgericht Berlin teilte am Dienstag auf Anfrage mit, dass ein entsprechender Eilantrag auf Erlass einer Unterlassung eingegangen sei. Das Gericht wolle noch im Laufe des Tages über den Antrag entscheiden, der Bundestag habe zuvor eine kurze Frist zur Stellungnahme, sagte ein Gerichtssprecher. Der Abschlussbericht sollte am Dienstag veröffentlicht werden.


    22.06.2021 12:21


    In dem Antrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, macht der Münchner Anwalt des Ex-Prüfers Persönlichkeitsrechte seines Mandanten geltend. Dieser sei "keine Person der Zeitgeschichte, er steht nicht in der Öffentlichkeit". Gegen ihn bestehe im Fall Wirecard seit über einem Jahr nicht mehr als ein Anfangsverdacht. Deshalb dürften Passagen mit der Namensnennung des Mandanten im Abschlussbericht des Ausschusses nicht veröffentlicht werden.


    Zuvor hatte das "Handelsblatt" über den Antrag berichtet. Der Anwalt war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Ex-Prüfer war als Zeuge im Untersuchungsausschuss geladen, verweigerte aber die Aussage.


    Der stellvertretende Vorsitzende im Untersuchungsausschuss, Hans Michelbach, (CSU), sagte, der Ex-Bilanzprüfer wolle die Nennung seines Namens im Abschlussbericht verhindern. Es sei aber nach Artikel 44 Grundgesetz gar nicht möglich, dass ein Verwaltungsgericht so Einfluss auf einen Untersuchungsausschuss nehme. In Artikel 44 heisst es in Absatz 4: "Die Beschlüsse der Untersuchungsausschüsse sind der richterlichen Erörterung entzogen. In der Würdigung und Beurteilung des der Untersuchung zugrundeliegenden Sachverhaltes sind die Gerichte frei."/brd/DP/mis


    (AWP)

  • Wirecard-Insolvenzverwalter erzielt Erlöse von 600 Millionen Euro


    Nach dem Verkauf mehrerer asiatischer Wirecard -Firmen sind die Erlöse aus der Zerschlagung des zusammengebrochenen Konzerns auf 600 Millionen Euro gestiegen.


    13.07.2021 06:14


    Insolvenzverwalter Michael Jaffé meldete am Montag den erfolgreichen Verkauf der indonesischen Gesellschaft PT Prima Vista Solusi mit rund 670 Mitarbeitern an ein einheimisches Unternehmen in dem südostasiatischen Land. Ausserdem wurden demnach zwei zuvor vereinbarte Verkäufe von Wirecard-Firmen in Hongkong und Malaysia abgeschlossen.


    Dem Vernehmen nach brachten die Verkäufe eine mittlere zweistellige Millionensumme ein. Die Gesamterlöse belaufen sich demnach mittlerweile auf 600 Millionen Euro. Gläubiger und Aktionäre haben im Insolvenzverfahren Forderungen von über zwölf Milliarden Euro angemeldet.


    Der frühere Dax -Konzern brach im Juni 2020 zusammen, nachdem der Vorstand Fantasiebuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt hatte. Mittlerweile hat die Muttergesellschaft Wirecard AG das Geschäft eingestellt. Das Unternehmen existiert quasi nur noch als Hülle, die für das Insolvenzverfahren notwendig ist. Ex-Vorstandschef Markus Braun sitzt wegen Betrugsverdachts seit einem Jahr in Untersuchungshaft, während Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek nach wie vor flüchtig ist.


    (AWP)

  • Börsen beenden bald Handel mit Wirecard-Aktien


    Wer noch Wirecard-Aktien hat, wird diese immer schwerer los: Mehrere deutsche Börsen ziehen schon in wenigen Tagen einen Schlussstrich unter den Handel mit Aktien der insolventen Firma.


    12.11.2021 06:31


    Für Anleger, die das Papier des einstigen Dax-Konzerns noch im Depot haben, wird es damit immer schwieriger, die Aktie loszuwerden. Anlegerschützer raten zum Verkauf der Anteile.


    Die Frankfurter Wertpapierbörse hatte bereits Anfang Oktober mitgeteilt, Wirecard-Aktien mit Ablauf des 15. November (Montag) aus dem regulierten Markt auszuschliessen. Doch auch im Freiverkehr, wo weniger Vorschriften gelten, sei Wirecard dann nicht mehr handelbar, erklärte die Deutsche Börse nun auf Anfrage. Ein "ordnungsgemässer Börsenhandel" sei auch im Freiverkehr nicht mehr gewährleistet, so eine Konzernsprecherin. "Aus diesem Grund ist Wirecard mit Ablauf des 15. November 2021 an der Deutschen Börse nicht mehr handelbar."


    Die Deutsche Börse, der mit Abstand grösste Börsenbetreiber in Deutschland, begründete den Schritt damit, dass bei Insolvenzen stets geprüft werde, ob es beim jeweiligen Emittenten noch einen entsprechenden Ansprechpartner gebe. Wenn insbesondere kein gesetzlicher Vertreter mehr erreichbar sei, der etwa über Fragen der Finanzberichterstattung oder ähnlichen Fragen um das Wertpapier Auskunft geben könne, "ist die Ordnungsmässigkeit nicht mehr gegeben und es erfolgt ein Delisting von Amts wegen", hiess es.


    Die insolvente Wirecard AG hatte im vergangenen Sommer eingestanden, dass in der Bilanz aufgeführte 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar sind. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht von einem "gewerbsmässigen Bandenbetrug" aus. Nachdem der Bilanzskandal ans Licht kam, dauerte es nur wenige Tage bis zur Insolvenzanmeldung. Die Aktie des einst umjubelten Tech-Konzerns stürzte ab, Anleger verloren viel Geld.


    Wirecard-Aktien sind bisher nicht nur in Frankfurt, sondern auch an weiteren deutschen und ausländischen Börsen handelbar. Doch auch andere Börsenplätze ziehen nach - etwa die Börse Stuttgart: "Der Handel mit den Inhaber-Aktien der Wirecard AG (WKN: 747206) wird an der Börse Stuttgart am 15. November 2021 eingestellt", teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Börse München plant ebenso das Ende des Handels mit Wirecard-Aktien ab dem Stichtag. Man folge dem Referenzmarkt Frankfurt, sagte ein Unternehmenssprecher.


    Der Anlegerschutzverein DSW hat kürzlich empfohlen, Wirecard-Aktien zu verkaufen. Wie lange das noch problemlos möglich sei, sei schwer zu sagen, schrieb Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. "Nur denjenigen, die verkaufen, wird ihre Bank den Verlust bescheinigen, der dann automatisch mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet wird". Er verwies auch auf steuerliche Aspekte, die Anleger mit hohen Investments in Wirecard betreffen: "Verluste, die nicht auf einem Verkauf von Wertpapieren beruhen, sondern etwa auf einer Ausbuchung wegen Wertlosigkeit, können seit 1. Januar 2020 nur eingeschränkt und zwar in Höhe von 20 000 Euro geltend gemacht werden."


    Wirecard-Aktien, die Rekordstände von fast 200 Euro erreicht hatten, sind heute nur noch einige Cent wert und Spielball von Spekulanten. Im August 2020 flogen die Papiere aus dem Leitindex Dax. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmässigen Bandenbetrugs. Wirecard-Aktien wurden zuletzt noch recht rege gehandelt.


    (AWP)

  • Wirecard-Affäre: OLG München lässt Anleger auf Schadenersatz hoffen


    (Ausführliche Fassung) - Im Wirecard -Skandal können frustrierte Anleger nach ihren immensen Kursverlusten nun doch auf Schadenersatzklagen gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hoffen. Diese hatte die falschen Bilanzen des ehemaligen Dax -Konzerns testiert. Das Münchner Oberlandesgericht machte am Donnerstag in einem vorläufigen Hinweis gravierende Zweifel an den Gerichtsentscheidungen der ersten Instanz publik. Dabei hatte das Münchner Landgericht Klagen gegen EY ohne weitere Beweisaufnahme abgewiesen. Laut OLG hätte das Landgericht - analog zum Dieselskandal - sehr viel genauer prüfen müssen, ob EY vorsätzlich sittenwidrig handelte.


    09.12.2021 19:19


    Der vorläufige Hinweis bedeutet nicht, dass das OLG die Wirtschaftsprüfer von EY in jedem Fall für mitverantwortlich hält, oder dass ein Erfolg der Klagen gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nun garantiert wäre. Allerdings machte der 8. Zivilsenat des OLG sehr deutlich, dass das Landgericht sich nach seiner Einschätzung viel zu oberflächlich mit dem Fall befasst hat.


    Insbesondere rüffelt der Senat, dass es dem Landgericht wohl an "eigener Sachkunde" fehle, um die in einem Gutachten der Prüfungsgesellschaft KPMG erhobenen Vorwürfe gegen EY zu beurteilen. Dafür wäre laut OLG ein Sachverständigen-Gutachten angebracht gewesen.


    Darüber hinaus hält das OLG dem Landgericht vor, den Bericht des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag ignoriert zu haben, und zwar "gehörswidrig" zum Nachteil der klagenden Anleger. Das OLG empfahl dem Landgericht, ein Musterverfahren zu eröffnen. Als Option erwägt das OLG demnach aber auch, das Verfahren an das Landgericht zurückzuverweisen, um die bislang fehlende umfangreiche Beweisaufnahme nachzuholen.


    Wirecard hatte im Juni 2020 zuerst erfundene Buchungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro eingeräumt und wenig später Insolvenz angemeldet. EY hatte die Bilanzen des Unternehmens zuvor über Jahre geprüft und testiert, ohne den mutmasslichen Betrug zu entdecken. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Vorstand wie eine kriminelle Bande agierte und die Bilanzen jahrelang bewusst fälschte, um Bankkredite und Investorengelder zu erschleichen. Der frühere Vorstandschef Markus Braun sitzt seit fast eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft.


    Für die Aktionäre bedeutete die Wirecard-Pleite immense Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe. Deswegen sind beim Münchner Landgericht Hunderte von Schadenersatzklagen gegen EY eingegangen, die bislang abgewiesen wurden.


    Das Landgericht sah in mehreren Entscheidung keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den EY-Testaten und den Verlusten der Anleger, beziehungsweise keine Pflichtverletzung der Prüfer. Das OLG jedoch meldet an dieser Sicht der Dinge grosse Bedenken an: Nach Einschätzung des Senats hätte eine frühere Verweigerung des Testats durch EY auch einen früheren Insolvenzantrag der Wirecard AG zur Folge gehabt. Ausgehend davon spräche dann "wohl die allgemeine Lebenserfahrung dafür, dass die Anleger die streitgegenständlichen Aktienkäufe in Kenntnis dessen nicht getätigt hätten", hiess es in der Mitteilung des OLG./cho/DP/men


    (AWP)

  • Gericht will im Mai über Wirecard-Bilanzen entscheiden


    Im Wirecard -Skandal könnte es im Frühjahr das erste Gerichtsurteil über die mutmasslich gefälschten Bilanzen des zusammengebrochenen Konzerns geben. In einem Zivilprozess von grosser Bedeutung für Aktionäre, Finanzamt und auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY setzte das Münchner Landgericht nach der mündlichen Verhandlungen am Donnerstag den 5. Mai als Verkündungstermin fest.


    16.12.2021 13:26


    Verkündungstermin bedeutet in Zivilverfahren allerdings nicht unbedingt Urteil. Denkbar wäre auch eine umfangreiche Beweisaufnahme, wie der Vorsitzende Richter Helmut Krenek sagte. Insolvenzverwalter Michael Jaffé will die Wirecard-Jahresabschlüsse für 2017 und 2018 mitsamt den dazugehörigen Hauptversammlungsbeschlüssen für nichtig erklären lassen.


    Laut Klage war die Wirecard-Bilanz im Jahr 2017 um 743,6 Millionen und 2018 um 972,6 Millionen Euro zu hoch bewertet. Sofern die Kammer dem stattgibt, könnte das dann die Grundlage für Dividenden- und Steuerrückforderungen des Insolvenzverwalters gegen Aktionäre beziehungsweise das Finanzamt sein.


    Mit einem solchen Urteil würden nach Einschätzung der Anlegeranwältin Daniela Bergdolt aber auch die Erfolgsaussichten der vielen Aktionärsklagen gegen die Prüfungsgesellschaft EY steigen, die die betreffenden Wirecard-Bilanzen testiert hatte. "Wenn hier festgestellt wird, dass diese Jahresabschlüsse 2017 und 2018 nichtig sind, dann hat das eine durchschlagende Indizienwirkung für alle Prozesse auf Schadenersatz gegen EY", sagte die Vizepräsidentin der Anlegervereinigung DSW nach dem Ende der Verhandlung./cho/DP/eas


    (AWP)

  • Erste Anklage im Wirecard-Komplex


    (Ausführliche Fassung) - Eineinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Wirecard -Konzerns hat die Münchner Staatsanwaltschaft die erste Anklage im mutmasslich grössten Betrugsskandal der Nachkriegszeit erhoben. Beschuldigt ist kein Wirecard-Manager, sondern eine Nebenfigur: Ein ehemaliger Geschäftspartner des untergetauchten Ex-Vertriebschefs Jan Marsalek soll zuerst mit diesem gemeinsam 22 Millionen Euro aus der Konzernkasse veruntreut haben, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte. Anschliessend soll der Angeklagte von diesem veruntreuten Geld acht Millionen Euro für sich selbst abgezweigt haben. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.


    13.01.2022 14:00


    Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann 26 besonders schwere Fälle der Geldwäsche verbunden mit Betrug in besonders schwerem Fall und falscher Buchführung vor. Laut Ermittlungen wollten Marsalek, der Angeklagte und weitere Komplizen die 22 veruntreuten Wirecard-Millionen über eine Anlagegesellschaft in deutsche Start-ups investieren und so die kriminelle Herkunft der Gelder verschleiern - daher der Geldwäschevorwurf.


    Anders als mit Marsalek und Co. verabredet soll der Angeklagte dann aber acht Millionen Euro für den Kauf und Umbau eines Hauses in München sowie eigene Büros in der Schweiz ausgegeben haben. Nun muss zunächst das Münchner Landgericht über die Zulassung der Anklage entscheiden.


    Marsalek ist seit Sommer 2020 untergetaucht und wird in Russland vermutet. Bislang nicht angeklagt ist der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, der seither in Untersuchungshaft sitzt. Das für die Haftprüfungen zuständige Münchner Oberlandesgericht hatte aber kürzlich deutlich gemacht, dass es mit einer Anklage Brauns bis März rechnet.


    Die Ermittler werfen Braun und anderen früheren Wirecard-Spitzenmanagern bandenmässigen Betrug vor. Sie sollen nicht vorhandene Umsätze in Milliardenhöhe erfunden haben, um systematisch Kredite und Investorengelder zu erschleichen. Der Betrugsschaden könnte demnach eine Rekordsumme von drei Milliarden Euro erreicht haben.


    Die erste Anklage gegen den einstigen Marsalek-Partner illustriert aber, wie verwickelt die Affäre ist. So scheint nicht ausgeschlossen, dass massgebliche Beteiligte einerseits gemeinsam kriminelle Sache machten und sich gleichzeitig wechselseitig prellten.


    Was Vorstandschef Braun zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sagt, hat die Staatsanwaltschaft bislang nicht publik gemacht. In einem kürzlichen Zivilverfahren vor dem Landgericht um die mutmasslich gefälschten Wirecard-Bilanzen wurde jedoch deutlich, dass Braun sich möglicherweise selbst nach wie vor als Opfer sieht.


    Die erste Anklage lässt nun zumindest darauf schliessen, dass der untergetauchte Marsalek auch nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft grosse Summen aus dem Unternehmen auf eigene Rechnung beiseite schaffte. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft erhärten, könnten am Ende Braun und Marsalek sowohl Betrüger als auch von den eigenen Komplizen Betrogene gewesen sein./cho/DP/jha


    (AWP)

  • Landgericht: Kein Schadenersatz von Bafin für Wirecard-Anleger


    Anleger haben im Wirecard -Skandal nach Urteilen des Landgerichts Frankfurt keinen Schadenersatzanspruch gegen die Finanzaufsicht Bafin. Die vierte Zivilkammer des Gerichts wies nach Angaben vom Mittwoch die Klagen früherer Wirecard-Aktionäre in vier Verfahren ab. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.


    19.01.2022 13:21


    Wirecard war 2020 nach dem Eingeständnis von Scheinbuchungen in Milliardenhöhe zusammengebrochen. Die Anleger erlitten durch die Insolvenz Verluste und forderten von der Bafin Schadenersatz zwischen 3000 und 60 000 Euro.


    Die Anleger argumentierten, die Finanzaufsicht habe Marktmanipulationen des einstigen Dax -Konzerns nicht verhindert und die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert. Hinweisen auf Gesetzesverstösse der Wirecard AG sei die Behörde nicht ausreichend nachgegangen.


    Das Gericht kam allerdings zu dem Ergebnis, dass die Bafin nach den gesetzlichen Vorschriften ihre Aufgaben ausschliesslich im öffentlichen Interesse wahrnehme und nicht im Interesse einzelner Anleger. "Eine etwaige Verletzung von Amtspflichten der Bafin kann deswegen nicht zu einer Ersatzpflicht gegenüber einem geschädigten Anleger führen. Es besteht kein sogenannter Drittschutz", erklärte das Gericht. (Az. 2-04 O 65/21, 2-04 O 531/20, 2-04 O 561/20, 2-04 O 563/20)


    Die für Amtshaftungsfragen zuständige Kammer folgte damit nach eigenen Angaben einer Entscheidung der achten Zivilkammer des Landgerichts. Diese wies im November eine Klage eines Wirecard-Anlegers gegen die Finanzaufsicht ebenfalls ab. (Az. 2-08 O 98/21) Der Kläger legte Berufung zum Oberlandesgericht ein./mar/DP/ngu


    (AWP)

  • Kleiner Teilerfolg für Ex-Wirecard-Chef im Kampf um sein Vermögen


    Der ehemalige Wirecard -Chef Markus Braun hat einen kleinen Teilerfolg im Kampf um sein Vermögen erzielt. Einer von zwei millionenschweren Arrestbefehlen, die der Insolvenzverwalter erwirkt hatte, wurde am Donnerstag vom Landgericht München I aufgehoben. Dabei handelt es sich mit einer Summe von 35 Millionen Euro allerdings um den kleineren der beiden Arrestbefehle. Ein weiterer über eine Summe von 140 Millionen wurde vom Gericht bestätigt.


    09.06.2022 10:40


    Zum bestätigten Arrestbefehl erklärte das Gericht, dass Insolvenzverwalter Michael Jaffé es glaubhaft gemacht habe, "dass Herr Dr. Braun seine Pflichten als Vorstandsmitglied der Wirecard AG verletzt hat". Hier geht es zum einen um die Auszahlung eines Darlehens über 100 Millionen Euro an eine in Singapur gegründete Gesellschaft ohne Sicherheiten und trotz Zahlungsrückständen aus einem früheren Darlehen. Zum anderen handelt es sich um die Zeichnung zweier Schuldverschreibungen über 100 Millionen Euro. Von den insgesamt 200 Millionen seien nur 60 Millionen zurück an Wirecard geflossen, wodurch sich die Summe von 140 Millionen Euro ergibt.


    Beim aufgehobenen Arrestbefehl über 35 Millionen Euro ging es um Geld, das Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek per Kreiselüberweisung aus dem Konzern abgezweigt haben soll, um einen Kredit bei Braun zu begleichen. Braun argumentiert, davon nichts gewusst zu haben. Das Gericht befand nun, dass nicht hinreichend glaubhaft gemacht worden sei, dass Braun im Bilde war.


    Allzu grosse praktische Bedeutung für Braun haben die Entscheidungen nicht. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft hat das Privatvermögen des unter Betrugsverdachts stehenden Managers arrestieren lassen. Faktisch hat Braun also keinen Zugriff auf die 35 Millionen.


    Der Zahlungsabwickler Wirecard war 2020 nach dem Eingeständnis von Scheinbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro zusammengebrochen. Der frühere Vorstandschef Markus Braun sitzt seit rund zwei Jahren in Untersuchungshaft./ruc/DP/nas


    (AWP)