Man kann ja gegen den SMI sagen was man will (die Aktienmärkte allgemein) aber halten wir doch mal fest, dass sich die Märkte allen Widrigkeiten zum Trotz im April sehr schön vom März-Crash erholt haben.
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Erinnern wir uns, was damals geschehen ist: Fukushima, Aufstände von Algerien über Libyen bis Jemen, neue alte Schuldenkrise um Griechenland/Portugal, Beinahe-Downgrading der USA.
Wenn es eine Zeit gegeben hätte, dass die Bären den Bullen das Zepter aus der Hand nehmen, dann doch wohl jetzt!
Aber die Bären haben die Führung nicht übernommen, die Bullen bleiben beharrlich in Aktien und die Kurse haben schon fast wieder das Vor-Krisen-Niveau vom Februar erreicht.
Unter dem Strich räkelt sich der Aktienmarkt in einer Schiebezone seit fast zwei Jahren, die von 6200-6600 reicht. Aber in Zeiten wie diesen, mit Damoklesschwertern im Dutzend-Pack über unseren Köpfen, müssen wir schon froh sein, dass sich die Aktienmärkte dank lockerer Geldpolitik der Zentralbanken so weit oben gehalten haben. Ein echter Bullenmarkt ist das nicht!
Obschon es durchaus auch für Franken-Anleger Bullenmärkte gibt. Wenn auch eher unbeachtete:
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Notabene ein stabiler Bullenmarkt, der vor einem erneuten Ausbruch steht. Siehe MACD im Vergleich zum Herbst 2009.
Es ist also schlicht nicht wahr, wenn hier immer wieder behauptet wird, Gold in Franken sei kein lohnendes Investment. Wer vor zwei Jahren seine Franken in Gold eingetauscht hat, hat mehr verdient als ein Anleger, der in den SMI investiert hat. Auch wenn man die Dividende mit einbezieht.
Wer übrigens Interesse hat, noch weitere Gold-Charts in diversen Währungen (von Canada bis Neuseeland) zu betrachteten, wir hier fündig: http://www.rottmeyer.de/gold-i…rn-hier-spielt-die-musik/
Doch zurück zum SMI.
Fundamental hat sich an den Gründen, die im Februar zum Abverkauf geführt haben nichts geändert. Die Schuldenlage der PIIGS und der USA hat sich genau so wenig verbessert wie die Lage in Japan oder Libyen. Auch rechtfertigt die aktuelle Wirtschaftslage keineswegs die hohen Preise für Aktien. Es fliesst aber - darauf komme ich noch zurück - sehr viel Kapital in Aktien. Das hohe Niveau der Aktienpreise ist in erster Linie Liquiditätsgetrieben und kann trotz drohendem "Sell in Mai" noch ein gutes Stück weiter gehen. Oder aber schon morgen enden.
Das wohl wichtigste Ereignis im April war das FED-Meeting vom 27. April mit anschliessender Pressekonferenz von Heli-Ben persönlich. Dabei kamen zwei interessante Aussagen von Ben Bernanke. Die eine hat für einen Hype der Aktienpreise gesorgt, die zweite für einen Hype bei Edelmetallen bzw. weiterem Absacken des Dollars:
1. QE2 wird noch bis Ende Juni weitergeführt. Somit müssen sich Banken keinerlei Sorgen machen, dass die Quelle des frischen FED Pumpengeldes in den nächsten 2 Monaten versiegt. Die Aktienmärkte dürfen also noch ihr hohes Niveau halten.
2. Bernanke hat sich zwar noch nicht über ein allfälliges QE3 geäussert, dieses aber auch nicht ausgeschlossen. Ebenso wird die FED wohl weiterhin - also auch nach Auslaufen von QE2 - die US Staatsschulden monetarisieren. Dies führt konsequenter Weise zu einer Flucht aus Anleihen in Sachwerte wie Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle. Und zu einer Flucht aus dem Dollar.
USA vs. Griechenland
Vergleichen wir mal die Situation zwischen den USA und Griechenland, so sehen wir einerseits Parallelen, andererseits auch Unterschiede:
* Beides sind zivilisierte Länder (wenn auch die griechische Zivilisation 2000 Jahre älter ist) und beide haben die Demokratie erfunden.
* Die USA haben Schulden in Höhe von 94% des BSP, Griechenland 112% aber die Neuverschuldung steigt in den USA bedeutend schneller als in Griechenland. Es ist nun müssig, bestimmen zu wollen, welches der beiden Länder in der schlimmeren Situation ist - beide Ansichten haben ihre Verfechter - ich behandle beide mal als gleich.
Wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass die USA ein rohstoffreiches Land mit geringer Bevölkerungsdichte sind und deshalb für die Zukunft weitaus grössere Chancen haben, jeden nur erdenklichen Finanzkollaps zu überstehen als Griechenland.
Der wichtigste Unterschied jedoch ist, dass beide Länder unterschiedliche Strategien verfolgen, die Schulden zu reduzieren.
Die USA haben mehrheitlich Schulden in der Währung, die sie selbst drucken können. Entsprechend verfolgen sie auch die Politik, die Schulden durch Inflationierung (Gelddrucken) ihrer Währung zu entwerten.
Einem Euro-Land wie Griechenland ist dieser Weg verwehrt. Entsprechend werden die Griechen zu Steuererhöhungen und Sparmassnahmen gezwungen, die in der Konsequenz die Wirtschaft schwächen und so im Umkehrschluss wiederum die Steuereinnahmen senken. Ein Teufelskreis.
Viel interessanter und für uns wichtiger ist, wie die Amerikaner mit ihrem Schuldenproblemen umgehen. Die meisten Länder haben schliesslich Reserven in Dollar und sind auf einen stabilen Dollar angewiesen. Die zukünftige Politik von Bernanke betrifft also nicht nur direkt unsere Anlagen in Aktien oder Edelmetallen sondern insbesondere die Kaufkraft unserer Altersvorsorge in PK und AHV.
Merlin hat es in http://classic.cash.ch/node/4713#comment-211644 schon angetönt: Bernanke ist für die US-Schulden nicht (alleine) verantwortlich.
Nun, die FED hat verschiedene sich widersprechende Anforderungen zu erfüllen, die in dieser Box schön zusammengefasst werden:
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Die FED braucht QE, um die Zinsen unten zu halten. Wenn die FED nicht mehr als Käufer von Staatsanleihen einspringt, sinken dort die Preise und die Zinsen steigen.
Die USA würden dementsprechend einen Anstieg der Zinsen für Staatsschulden ähnlich wie Griechenland erleben:
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Damit stiegen aber auch die Zinsen von Unternehmenskrediten bis Hypotheken. Entsprechend würden die Immobilienpreise die Talfahrt wieder aufnehmen. Konsumkredite würden ebenfalls teurer, was den Konsumenten Kaufkraft entzieht. Somit weniger Umsatz für Unternehmen bei gleichzeitig steigender Zinsbelastung. Sinkende Gewinne sind das Minimum.
Andererseits würde durch die Einstellung von QE das Vertrauen in den Dollar wieder gefestigt. Ausländische Anleger kaufen wieder Staatsanleihen (wenn auch zu höheren Renditen), die Teuerung steigt nicht mehr, Rohstoff- und Edelmetallpreise stabilisieren sich.
Ergo:
Stopp von QE
* Zinsen steigen
* Aktien- und Bondpreise fallen
* Gold- / Silberpreis fällt
* Dollar steigt
Deshalb mein Vergleich mit Griechenland: Wird QE im Juni gestoppt und nicht erneuert, beschreiten die US den Weg Griechenlands. Also einen rigiden Sparkurs, der zwar die Währung stabilisiert, das Vertrauen in Staatsanleihen wieder festigt und ausländische Gläubiger schützt, andererseits aber dem eigenen Volk und der eigenen Wirtschaft harte Zeiten auferlegt. Ob das in den USA durchsetzbar wäre?
Ich halte es für durchaus plausibel, dass die FED dieses Experiment wagen und im Juli kein neues QE3 einführen wird:
Geht alles gut und die Wirtschaft steigt weiter, die Zinsen steigen nur auf erträgliches Niveau, und die Bonds crashen nicht, hat die FED das Spiel gewonnen und wir müssen langsam daran denken, unser Gold zu verkaufen.
Dabei werden wir die Chinesen mit Argusaugen beobachten müssen: Werden sie sich zufrieden geben und wieder US Treasuries kaufen oder werden sie die nun günstige Gelegenheit weiter dazu verwenden, möglichst viele Dollars loszuwerden um dafür Sachwerte zu kaufen?
Andererseits: Crashen nach Aussetzung von QE3 die Bond- und Aktienmärkte, haben wir den endgültigen Beweis, dass die Preise nur dank Pumpenkohle der FED die letzten zwei Jahre so hoch geblieben bzw. gestiegen sind. Dann dürfte auch dem letzten Schwachmaten klar werden, dass man durch Monetarisierung nur zeitlich begrenzt, keinesfalls aber nachhaltig die Märkte ankurbeln kann.
Wie wird die FED dann reagieren? Wird sie mit QE3 ihren Kurs der Monetarisierung wieder aufnehmen? Oder wird sie gleich "Game Over" erklären und eine Währungsreform einleiten?
Und wie wird der Markt dann QE3 aufnehmen? Wird der Markt das Spiel noch eine weitere Runde mitmachen? Steigende Aktienpreise - hurrah - dank Pumpenkohle, die von den Banken gerne angenommen wird?
Oder wird das Vertrauen in den Dollar im allgemeinen und die FED im speziellen bereits so angekratzt sein, dass sich der Markt gleich ganz aus dem Dollarraum verabschiedet?
Fragen über Fragen, die wir im Moment noch nicht beantworten können.
Bleiben wir also bei dem, was wir wissen und versuchen, daraus den Kurs für die nächsten 2 Monate abzuleiten:
Wir wissen, dass QE2 noch bis Ende Juni weiter laufen wird. Die FED wird also weiterhin und hochoffiziell US-Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld aufkaufen.
Die Zinsen werden also weiterhin "aussergewöhnlich niedrig" bleiben (Zitat: Bernanke) .
Entsprechend dürften Sachwerte wie Aktien, Rohstoffe, Immobilien weiterhin attraktiv bleiben, während die Anleger aus Anleihen weiter aussteigen und der Dollar weiter auf Talfahrt bleibt.
Es ist auch durchaus denkbar, dass sich dieser Vorgang beschleunigt. Der Anleihen-Topf ist mit weltweit $94 Billionen der grösste Markt der Welt und wenn US-Staatsanleihen in grossem Stil verkauft werden, muss dieses Geld ja irgend wo parkiert werden. Potenzielle Ziele dafür sind
* Die Emerging Markets
* Aktien
* Rohstoffe, Edelmetalle
… die entsprechend sehr schnell im Preis steigen würden. Aber da wir das Verhalten der Bond-Anleger nicht abschätzen können, ist es müssig, darüber zu spekulieren, welche dieser drei Anlageklassen am meisten von einem Ausstieg aus US Treasuries profitieren würde.
Gegen steigende Aktien und Edelmetallpreise in den nächsten beiden Monaten spricht demgegenüber nur die Saisonalität. Das berüchtigte "Sell in May and go away. (but remember to come back in September)"
Knackpunkt ist und bleibt der Anleihenmarkt. Man kann das am besten am Beispiel Grossbritanniens dokumentieren: Der britische Staat zahlt auf seinen Schuldpapieren (Guilts) derzeit 0.5% Zinsen. Demgegenüber beträgt die Teuerung auf der Insel 5.5%. Das heisst, dass der Guilt-Anleger pro Jahr 5% real verliert. Kein Wunder also, wenn er sich ein besseres Investment sucht. Dabei ist er nicht einmal so sehr darauf versessen, eine Rendite zu erwirtschaften. Er wäre schon froh, sein Geld sicher und werterhaltend angelegt zu wissen.
Hier tut sich ein bitterböser Teufelskreis auf:
Je mehr die Währung an Kaufkraft verliert (= steigende Teuerung) um so grösser der Druck, Anleihen zu verkaufen. Und je mehr Anleihen abgestossen werden um so grösser der Druck für steigende Zinsen oder - wenn die nicht zugelassen werden - schwächere Währung.
Wir müssen also sehr genau dieses Regelwerk aus Dollar, Anleihen und Geldflüssen beobachten, um daraus zeitnah die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Und die Schweiz?
Beginnen wir mit Europa: die EZB hat die Leitzinsen erhöht. Somit zahlt Europa nun etwas mehr Zins auf Staatsanleihen. Da der Euro trotz aller europäischer Probleme stabiler als der Dollar ist, passiert logischer Weise folgendes:
Anleger, die US-Staatsanleihen halten, werden diese verkaufen und sich dafür Euro-Anleihen kaufen. Die bringen mehr Rendite und haben ein geringeres Währungsrisiko. Entsprechend ist der Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar zu erklären.
Wem Europa zu unsicher ist, wird seine Dollars in der Schweiz anlegen. Schweizer Anleihen zahlen zwar weniger Rendite als europäische aber dafür gelten die Schweiz im allgemeinen und der Franken im speziellen als sehr sicher.
Es ist also durchaus denkbar, dass enorme Geldströme aus dem Dollar-Raum Investitionsmöglichkeiten im vergleichsweise kleinen Schweizer Anleihen- und Aktienmarkt suchen werden.
Das klingt auf den ersten Blick für uns sehr positiv, denn was uns dann erwartet wäre eine Asset-Bubble bei Schweizer Wertpapieren (sprich: raketenartig steigender SMI).
Allerdings kann man argumentieren, dass wir unter dem Strich seriöse Schweizer Firmen gegen wertloser werdende Dollars verkaufen und das kann langfristig nicht im Interesse unseres Volkes sein.
Egal ob Europa oder Schweiz: Die Schwäche des Dollars bzw. relative Stärke von Euro und Franken wird uns zu schaffen machen. Es ist das alte Lied: Die Exportindustrie lamentiert über den starken Franken, der Schweizer Produkte in Dollar verteuert und übt entsprechend Druck auf die SNB aus, den Franken abzuwerten.
Wir werden sehen, wie die SNB mit diesem Druck umgehen wird.
Fazit:
Was den Dollar betrifft, so gilt noch mindestens bis Ende Juni:
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Das heisst: Raus aus Dollar-Investments! Anleihen sollte man sowieso verkaufen aber auch US-Aktien.
Holt das Geld lieber in die Schweiz! Da ist es zu Hause und erst noch sicherer. Wer zocken möchte, kann ja dafür in Emerging Markets investieren. (Brasilien, Vietnam, Indien).
Wer in SMI investiert, macht vermutlich nicht viel falsch. Selbst wenn es bis September zu Rückschlägen kommen sollte. Meiden würde ich Finanztitel wie Banken und Versicherungen und dafür auf Versorger und Dividendentitel setzen. (Lebensmittel, Energie, Pharma)
Diejenigen, die sich bewusst sind, dass die Aktienpreise nur liquiditätsgetrieben sind und sich auch gegen eine Abwertung des Franken absichern wollen, sind nach wie vor gut beraten, Gold als Absicherung zu kaufen. Gold in Franken steht ohnehin vor einem Ausbruch nach oben. Das Verlustpotenzial ist geringer als bei Aktien.
In diesem Sinne
Happy Trades!
Marcus